Videospiel

Virtual Reality – viel Wirbel um Nichts?

Du!

Ja genau du. Du bist doch der Typ, der seine Playsi verkaufen will wenn alle Sony-Studios nur noch VR raus”werfen”. Der sein Hobby an den Nagel hängen will, wenn alle nur noch diese beknackten Brillen tragen und 10 Min. Spiele abfeiern wie damals alle die Arcade-Münzenschlucker.

So stellt sich Sony die VR-Zukunft vor

Der sich immer wieder ums neue fragt warum da alle so einen Hype um dieses Ding entfachen. Hast doch erst vor 2 Jahren einen 3D-TV gekauft, wo du eigentlich nur noch den Browser verwendest und dich über abgelaufene Apps ärgerst die nicht mehr unterstützt werden. Und jetzt sollen 400 – 900€ Brillen das können, was schon die 3D-TVs und das 3D-Kino nicht geschafft haben? Weißt du was, ich verstehe dich, ABER (ja, das musste kommen) dieser Hype, dieser Wirbel, diese heiße Luft haben einen Grund und den will ich dir kurz erklären, also nicht gleich in den Kommentaren wüten, sondern bitte kurz die folgenden Zeilen lesen.

Denn VR ist schlicht und ergreifend die erste richtige Gaming-Evolutionsstufe seit dem Sprung von 2D auf 3D-Spiele Anfang der 90er. Lass mich kurz ausreden: Ja, am PC gab’s schon etwas früher erste 3D-Spiele mit … sagen wir simpler Polygon-Grafik (ich war einer der ersten Flight-Sim Fans dieser Zeit, ich darf motzen) und ja die Konsolengenerationen um PS3/360/Wii bzw. die aktuellen Kisten haben auch ihren Teil zur Weiterentwicklung des Hobbys beigetragen. Egal ob HD, Bewegungssteuerung oder aktuell offenere Welten.

WipEout zeigte eindrucksvoll was 3D-Grafiken bringen konnte

ABER  die Spiele mussten sich in den letzten Konsolenzyklen (und damit auch am PC) nicht grundlegend ändern. Klar gab es Trends welche die Ausrichtung der Entwicklung änderten, lenkten und beeinflussten. Seien es der Wechsel  vom lokalen Mehrspieler- hin zum Onlinemodus, die immer stärkere Abkehr von linearen Erfahrungen, die Verschiebung der Priorität von Gameplay auf Story, oder ganz banal weg von Textwänden hin zu gesprochenen Dialogen mit professionellen Sprechern. Der letzte große Sprung der viel an Umdenken erforderte war trotzdem der Wechsel von 2D auf 3D. Ganze Genres blieben hier auf der Strecke bzw. verdankten ihr Überleben einiger revolutionärer Köpfe. Genres wurden geboren, das erste Mal konnte man sich unter den Grafiken in Spielen wirklich Welten vorstellen, Schwierigkeitsgrade mussten neu überdacht werden, einige Konzepte funktionierten garnicht mehr usw.

Ja und was hat das jetzt mir VR zu tun?

Ganz einfach: das was ich gerade in viel zu vielen Worten über den Wechsel erklärt habe, trifft auch auf VR zu. Ein gewöhnliches RPG aus der Ego-Perspektive mit mindestens 2-3h Tutorial und minutenlangen draufhau-/blocken-Kombinationen? Nicht in VR. Schon manche Simpel-Quest würde zur Übermüdung führen. Außerdem  passen die langen Laufwege und langen Kämpfe die “nur” Tastengekloppe nicht zum Mittendringefühl. Stundenlange Mehrspieler First-Person-Shooter wo man wild durch die Gegend springt, erledigt wird und wo ganz anders respawnt? Würde bei VR dem Magen nicht bekommen.

Okay und was soll ich dann spielen, sind ja immerhin die zwei wichtigsten Genres? Haben sich wohl auch die Leute gedacht als Spiele in 3D daherkamen. Aber es wurden auch völlig neue Genres möglich wie oben bereits erklärt.

EVE Valkyrie zählt zu den VR-Vorzeigetiteln

So zeigen sich bereits die ersten “Erfahrungen” welche wohl auf konven-tionellen 2D-Displays niemanden groß interessieren würden, aber dank dem Mittendringefühl man direkt auf den Mars oder in die Tiefen des Meeres abtauchen kann. Hier braucht es gar nicht stundenlangen Kontent oder zig Nebenaufgaben oder Sammelkram um den Preis rechtzufertigen. Es werden auch Genres von den Toten auferweckt. Schon jetzt sind Spiele wie EVE Valkyrie wie geschaffen für VR und sind dort prominenter vertreten als im Schatten einer Blase wie Star Citizen (sorry aber das Ding ist noch immer nicht fertig). Andere Entwickler versuchen sogar aktuelle Genres auf VR umzumünzen. So arbeiten Sonys eigene Guerrilla Cambridge Studios mit RIGS an einem Mehrspieler-First-Person-Shooter.

Aber bei all den oben genannten Beispielen ist auch klar dass man unabhängig von den verkauften Geräten, hier nicht so schnell Mega-AAA-Blockbuster Spiele wie man sie heute kennt bekommen wird.

Battlezone erinnert stark an TRON

Bei Bethesda wird man kein 200-Personen Team an die Dev-Kits setzen und ein Elder Scrolls oder Fallout VR-RPG machen, wenn das für 90% der Kunden nicht funktioniert. VR wird abseits einiger Ausnahmen vor allem von den kleinen Indies und ihren dafür angepassten Ideen als auch von kleinen AAA-Ablegern leben, welche ausloten was für dieses neue Medium passt und was nicht. Aus kleinen Ideen von gerade mal 10-50 Personenteams kann schnell DAS VR-Spiel entstehen.

Um zur anfänglichen Frage zurückzukehren: Viel Wirbel um Nichts? Nein, die Industrie braucht solche großen Sprünge um sich weiterzuentwickeln. JETZT können dank einfacherer Plattformen und Engines auch kleine Teams großartige Erfahrungen schaffen, die für VR vollkommen reichen. Es werden neue Entwickler auftauchen, sich kleinere Publisher bilden und Engines veröffentlicht. Und davon werden auch die “herkömmlichen” Spiele und damit auch auch die VR-Gegner profitieren.

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