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Road to Call of Duty 2016 – Teil 2 Der Bruch

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Call of Duty Modern Warfare 3 stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Denn bereits bei CoD2 brodelte es zwischen den Chefs von Entwickler Infinity Ward und ihren Arbeitgebern von Activision. Um diesen Konflikt zu verstehen muss man in die Vergangenheit des Studios reisen:

Wie alles begann

2002 veröffentlichte der bis dato wenig bekannte Entwickler 2015 Inc. für EA  Medal of Honor Allied Assault auf dem PC. Das Franchise war davor eher für seine 2 eher mäßigen Konsolenableger bekannt, welche im Zuge der Veröffentlichung des Films “Der Soldat James Ryan” entstanden. Spielberg wollte damals auch ins aufstrebende Computerspiele-Geschäft einsteigen und Dreamworks Interactive sollte dies mit der Hilfe von EA verwirklichen. Nur war die Konsolengeneration damals noch nicht stark genug um das zu verwirklichen. Erst drei Jahre später schaffte es das noch recht neue Team, vor allem die beklemmende Landung in der Normandie umzusetzen.

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Zwei der Beteiligten waren Vince Zampella als Director und Jason West als Technologie-Leiter. Während sich EA daran setzte die nun bekannte Marke “auszuquetschen”, vor allem durch Konsolenports des hauseigenen EA LA Teams (ehemals Dreamworks Interactive), versuchten diese beiden zusammen mit einigen weiteren Kollegen ihr Glück bei Publisher Activision.

Die versuchten sich ebenfalls im aufstrebenden First-Person-Shooter-Genre, waren aber bis dato mit den Werken von Raven & vor allem vielen Lizenzen (z. B. Star Trek Elite Force) eher auf Achtungserfolge beschränkt. Als Zampella & West also anboten ein Team aufzubauen, welches DEN nächsten Weltkriegsshooter produzieren sollte, nutzte man die Gelegenheit und schon 2003 zeigte Call of Duty, dass sie das konkurrierende Medal of Honor (damals die Katastrophe Red Sun) in den Schatten stellen konnten.

Der ursprüngliche Plan vom gerade gegründeten Studio Infinity Ward sah vor, gleich nach dem WW2 auf das aktuelle Setting zu wechseln und anschließend mit Teil 3 der Zukunft einen Besuch abzustatten. Bei Activision war man sich da weit weniger sicher, auch weil bisherige Shooter im “Modern Day”-Setting wie z. B. die Conflict-Reihe im Vergleich zu aktuellen Story- oder Online-Shootern (wie das aufstrebende Battlefield) mit ihren Weltkriegs-Setting immer noch eine Nebenrolle spielten. Aber man merkte das Konsolen im Shooter-Segment eine große Rolle spielen würden, vor allem dank Microsofts Einstieg in den Markt mit dem bahnbrechenden Halo.

Auch in Call of Duty 2 durfte die Normandie-Landung nicht fehlen
Auch in Call of Duty 2 durfte die Normandie-Landung nicht fehlen

Als es also zum nächsten Teil kommen sollte (für die zahlreichen Erweiterungen und Konsolenableger waren andere externe Entwickler verantwortlich) versprach man Infinity Ward Xbox 360 Entwickler-Kits, aber nur wenn sie beim Weltkrieg bleiben. Schon damals waren bei den Spielern Abnutzungserscheinungen zu sehen und auch IW war nicht gerade glücklich über diese Regelung. Call of Duty 2 schlug vor allem auf der 360 zum Konsolen-Launch ein und bei Activision erkannte man, dass man hier auf einer Goldgrube saß.

Es kracht im Hause Activision

So kam es dann zum zweiten großen Aufreger seitens IW: Activision setzte das einige Jahre zuvor gekaufte Studio Treyarch daran, vollwertige Fortsetzungen des Franchise zu entwickeln. Früher waren sie eher für Ports und Lizenzarbeiten bekannt, lieferten aber mit CoD 2 Big Red One einen brauchbaren Ableger für die alte Konsolen ab.

Was bei Activision eher als Befreiung ihres Premium-Herstellers gesehen wurde, da sie nun 2 Jahre für eine Fortsetzung hatten, kam dort nicht so gut an. Gerade bei diversen Streitereien unter den Community-Managern merkte man auch nach außen einige Spannungen.

Erster großer Titel der nicht von Infinity Ward kam
Erster großer Titel der nicht von Infinity Ward kam

Call of Duty 3 stand deutlich im Schatten des Vorgängers und reichte auch objektiv betrachtet nicht an dessen Qualität heran. Während IW jetzt ihr Experiment versuchen durfte (Modern Day Setting) musste Treyarch auf Nummer Sicher gehen und versetzte World at War lediglich in den Pazifik, wo zuvor schon EA mit 2 Spielen scheiterte.

Dafür schafte Infinity Ward 2007 endlich den gewünschten Durchbruch. CoD4 war ein Megahit und stellte den Grafikbrecher Crysis von EA völlig in den Schatten. Vor allem der Mehrspielermodus zog Fans an, beeinflusste  Markt sowie die Konkurrenz und brachte zahllose Nachahmer hervor.

Aber ja da war doch noch das SciFi-Setting dem man einen Besuch abstatten wollte, oder? Ja, nur auch hier zeigte man sich bei Activision wenig beeindruckt. Nach einem Blick auf Markt bzw. Konkurrenz (Battlefield 2142, Crysis) gab man dem Modern Day-Setting den Vorzug. Bei Infinity Ward versuchte man die Unzufriedenheit in kreative Wege zu leiten:

Modern Warfare sollte eine eigene Serie abseits dem Call of Duty Namen und dem Schaffen von anderen Entwicklern wie Treyarch dort werden. Entsprechend sah man auch in allen PR-Material vom Entwickler selbst kaum noch den CoD-Namen, sondern konzentrierte sich auf den Modern Warfare-“Zusatz”.

der Druchbruch der Serie und des Entwickles
der Durchbruch der Serie und des Entwicklers

Hier schien aber Activision schnell einen Strich durch die Rechnung zu machen, immerhin war der Name Call of Duty in aller Munde und nicht Modern Warfare. Auch zeigte sich, dass der Brötchengeber die Rechte nicht abtreten wolle und so war der letzte Hoffnungsschimmer auf mehr kreative Freiheit schnell erloschen. Das einzige was man den Leuten um West und Zampella noch schriftlich zugesichert bekamen ist, dass sich Treyarch oder andere Parteien nicht in ihr Modern Warfare Subfranchise einmischen werden. Man zog die Grenze bei Vietnam zu der wir später noch kommen werden.

Scheidung & Ehekrieg

Entsprechend sahen sich die beiden Köpfe am freien Markt um. Ihre Firma gehörte zwar Activision, aber damals war es für talentierte Entwickler leicht einen Geldgeber zu finden, OHNE dass diese auf die Markenrechte bestanden. So konnte z. B. CryTek seine Crysis-Reihe mit EA als Publisher veröffentlichen. Entsprechend gingen auch erste Gespräche in diese Richtung. Nun geriet man aber bei Activision in Panik und betrachtete dies als “feindliche” Handlung seitens EA. Entsprechend übertrieben waren auch die Reaktionen, wie der drastische Rauswurf der Beiden inkl. Anklage, bevor überhaupt die Fakten auf dem Tisch lagen und die eigene Ausgangslage überprüft wurde.

und hier landeten die Schöpfer der Reihe
und hier landeten die Schöpfer der Reihe

Beim mitten in der Designphase zu Modern Warfare 3 steckenden Entwickler Infinity Ward war dies noch tragischer.  Der 2-jährige Produktionszyklus lies so schon kaum Raum für Störungen, da half auch nicht, dass plötzlich zwei der entscheidenden Köpfe das Team verließen, geschweige denn deren Bemühungen einige ihrer langjährigen Kollegen mit zu nehmen.

Gelinde gesagt: ein Jahr vor Release war das als IW bekannte Team ein Scherbenhaufen, welches weit davon entfernt war den Abschluss zu der damals wohl bekanntesten Spieleserie zu veröffentlichen.

Nun konnte aber der ehemals ungeliebte “Stiefbruder” Treyarch einspringen. Mit dem großteils in/um Vietnam (der vereinbarten Zeitgrenze) gesetzten CoD Black Ops gelang ihnen nicht nur erstmals selbst ein Überraschungserfolg, fortan standen sie als das Aushängestudio im Rampenlicht und gaben bei vielen Punkten den Ton an.

Wie es weiterging erfahrt ihr in Teil 3 Finish the … War.

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