ReviewStrategieVideospiel

Civilization VI – Review

p7zmv50

Als strategische Anfängerin, die mit Total War: Warhammer, XCOM und Starcraft II liebäugeln durfte, während sie ihren Freund aufgrund ihrer unermesslichen Faszination für die Spiele fast auf die Palme brachte, freue ich mich nun, ein neues Spiel auf meiner Best-Of-Spieleliste verzeichnen zu dürfen: Civilization VI.

Civilization VI ist bisher sehr gut bei seinen Reviews weggekommen – Immerhin mit einem Metascore von 94 auf metacritics.com. Doch woher stammt eigentlich diese Faszination und kann ein Civilization-Anfänger diese Faszination teilen?

Civilization verfügt über ein texthaltiges, langes Tutorial, das nicht sonderlich interessant gestaltet wurde. In einem Tropico 5 oder in einem Anno werden Tutorials in schönen Dialogen mit einer Geschichte verpackt, die in irgendeiner Weise Emotionen hervorrufen sollte. Dies ist in Civilization zwar nicht der Fall, jedoch verfügt das Spiel über nicht uninteressante Charaktere, die einem den Krieg erklären oder handeln möchten. Wobei sie doch häufiger über die Entscheidungen des Spielers unzufrieden zu sein scheinen, als es den Bemühungen des Spielers gerecht werden würde. So hatte ich meine ganz eigenen Erfahrungen gemacht, als Königin Victoria von England erst zickig, dann zornig, dann kriegstreiberisch und dann wieder zickig wurde. Es gelang mir in meinen zugegebenermaßen gerade einmal 300 Runden nicht, sie zu einem Lächeln zu bewegen. Aber auch die anderen Herrscher sind einem in der Regel nicht freundlich gesinnt.

20161024221429_1-jpg

Doch sind die Herrscher in Civilization nicht das interessanteste, wenn auch das ärgerlichste. So kann man in Civilization vor allem bauen, entdecken, handeln, Barbaren vertreiben und sich mit den Nachbarsstaaten und –Statdtstaaten um die heißbegehrten Hexagons streiten. Verpackt werden diese Aktivitäten unter dem Deckmantel der Zeit. Zum einen ist das Spiel rundenbasiert, d.h. ich wechsle mich mit der KI oder meinen Koop-Mitstreitern ab. Für heutige Verhältnisse mag dies den Anschein von Langweile und ständigem Warten erwecken, in Wirklichkeit macht es das Spiel jedoch spannend und nimmt teilweise genau an den Stellen das Tempo heraus, wo es doch an taktischem Geschick nicht mangeln sollte – im Krieg also. Stehe ich mit meinen mickrigen 3 Kriegereinheiten und vielleicht noch einer Bogeneinheit einem Heer von 5 Rittern entgegen, muss ich sehr gut vorausplanen. Der Gegner ist mir dann nicht nur zahlenmäßig überlegen, er hat auch noch stärker Einheiten, ja fast doppelt so starke Einheiten, wie ich. Wie komme ich aus so einer Zwickmühle wieder heraus? Bisher habe ich noch keinen geeigneten Weg für mich gefunden. In der Regel bin ich den Herrschern einfach zu Kreuze gekrochen und habe Frieden mit ihnen geschlossen und zwar zu ihren Bedingungen. Man kann natürlich auch eine andere loyale Stadt anheuern oder zusehen, wie die Übermacht über das einem doch liebgewordene Städtchen marschiert. Es gibt unzählige Möglichkeiten und ich habe noch nicht einmal einen Bruchteil bisher erfahren.

20161024221757_1-jpg

Der zweite zeitkritische Faktor wäre das Voranschreiten in den verschiedenen Zeitaltern. So startet man in der Antike und arbeitet sich bis ins Informationszeitalter voran. In den verschiedenen Zeitaltern lernt man neue Technologien, Mechaniken und politische Ansätze kennen. Anfangs starte ich mit einer kleinen überschaubaren Hauptstadt und freue mich auf die erste Viehzucht, die ich nach wenigen Runden freigeschaltet habe. Im weiteren Spielverlauf bekomme ich immer mehr hinzu: Ich kann Militäreinheiten, Späher, Händler, Missionare und Spione erschaffen. Doch je mehr ich an Einheiten hinzugewinne, desto mehr muss ich auch beachten. Militäreinheiten sind teuer, sind jedoch unersetzlich im Kampf gegen die ständige Bedrohung der Barbaren oder in meinem Fall: England.

Das Spiel lebt von seinem Fortschritt und von seinen ständigen Dreingaben. Und das ist auch gut so! Civilization mag anfangs noch etwas schwerlich von der Hand gehen, doch die Lernkurve steigt bei diesem Spiel wie bei keinem Anderen. Man wird langsam an das Geschehen herangeführt und bekommt nach und nach neue Aufgaben, bis es an der Zeit ist, dass man seine Herrschaft verteidigen und seinen Bürgern mehr Wohnraum und Luxus beschaffen muss.

20161024221453_1-jpg

Als Herrscher durchläuft man mehrere Phasen: Zuerst beginnt man mit einem Stammesfürstenturm in der Antike und arbeitet sich dann von der Autokratie, Oligarchie und der klassischen Republik zur Demokratie, Kommunismus und dem Faschismus vor. Der Vorteil dieser neuen Regierungsformen sind natürlich die Boni. Diese unterteilen sich in 4 Sparten: militärisch, wirtschaftlich, diplomatisch und Joker. Es kann also zwischen diversen Annehmlichkeiten gewählt werden, wie z.B. einen Kulturbonus von +1.

Und was wäre ein Civilization ohne seine Wunder und seine großen Werke bzw. Persönlichkeiten. Man kann Civilization nicht nur durch Krieg und Barbarei bestreiten, man kann auch durch einen Kultursieg gewinnen. Die Wunder als Erster in diesem Spieldurchgang zu bauen und in seine Stadt zu setzen, sodass die anderen Spieler sich diese nur aus weiter Ferne anschauen dürfen, das hat schon etwas für sich. Genau in diesen Momenten ist Civilization stark und rüttelt genau an den Gefühlssträngen, die dem Spieler nicht nur ein einzigartiges Spielgefühl, sondern auch eine Erfahrung für sich bieten. Wenn Spiele Zeitfresser sein können, dann ist Civilization defintiv einer, der durch seine rundenstrategischen Spielmechaniken zumindest einen kleinen Teil der Realität bewahren, sodass man auch einmal dem Postboten die Tür öffnen kann.

20161024221551_1-jpg

Civilization ist eine Erfahrung, die man vor allem im kooperativen Modus voll ausleben kann und trotzdem auch alleine den einen oder anderen Tag verbringen kann, ohne von der Außenwelt komplett abgekoppelt zu werden – Das Spiel hat nämlich eine kleine Uhr in der oberen rechten Ecke.

Als Anfängerin habe ich nicht weniger an meinen Fähigkeiten gezweifelt als andere, die schon die anderen Teile gespielt haben. Das ganze Spiel besteht daraus, mit seinen Taten und Erfahrungen zu wachsen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Es ist dabei aber durchaus nicht frustbehaftet, sondern es spornt dazu an, besser zu werden und natürlich noch mehr zu spielen.

2 comments

  1. […] CIV VI ist derzeit bei Steam für 40,19€ zu erwerben. Ihr wisst noch nicht, ob euch das Spiel gefällt und könnt euch noch kein Bild davon machen? Dann schaut euch doch mal diese Review dazu an: Civilization VI – Review […]

Schreibe einen Kommentar zu Kanada in “Civilization VI” – so freundlich kann es sein, jemandem den Krieg zu erklären – PXLTYP Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.