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Videospieldokumentationen – Nibbler, Super Meat Boy, Nintendo und Co.

Videospieldokumentationen sind die letzten Jahre förmlich aus dem Boden geschossen. Einerseits nimmt das Medium sich selbst wahr und ernster – auf der anderen Seite hat sich der Blick die über den Tellerrand schauen, verändert. Es sind nicht mehr nur die Nerds, Geeks, Kinder und junggebliebenen. Alle spielen. Immer und überall. Videospiele liefern mehr Umsatz als Musik und Filme. Kein Wunder also dass das Phänomen aus diversen Richtungen beleuchtet wird.

Und ich persönlich schaue sie gerne. Es wird früh dunkel, draußen ist es kalt und ich liebe Videospiele. Wie bei allen Dokumentationen gibt es ziemlich gute und viele die auf der Strecke bleiben. Daher gebe ich euch mit diesem Artikel drei Abend füllende Streifen, die ihr gemütlich bei ungesunden Snacks und einer Limo genießen könnt.

Starten möchte ich mit Indie Game: The Movie. Ihr erlebt mehr oder weniger live die Entstehungsgeschichte zu Braid, Super Meat Boy und Fez. Alles vermeintlich kleinere Titel die Rekorde brachen und positive Kritikerstimmen einheimsen konnten, aber auch bei uns am Ende verdammt gut ankamen. Ihr erlebt auf ganz persönlicher Ebene die Gedanken, Hürden und Rückschläge. Warum hat sich der Release verschoben? Wie nimmt einen die Entwicklung ein? Was muss alles aufgegeben werden, um sich einen Traum zu erfüllen? Scheitert man und verliert alles? Eine definitiv sehenswerte Dokumentation die mir verdammt viel Spaß gemacht hat und für die ich eine klare Empfehlung ausgeben kann. Ja, sollte und muss man eigentlich gesehen haben.

Nicht nur, weil die persönlichen Eindrücke interessant sind und man anders als sonst – poliert, glatt und im Hintergrund ist das Entwicklerstudio zu sehen – hinter die Kulissen schaut. Man hat das Gefühl auf der Bettkante zu sitzen. Als würden Sie dir ihre Geschichten ganz alleine erzählen; bei einem Kaffee oder Tee. Oder ungesunden Snacks und einer Limo.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=lq5HRdTyKUs

Abend Nummer eins kann abgehackt werden. Mit Nintendo Quest empfehle ich euch den zweiten Streifen. Qualitativ nicht das Niveau, was mit Indie Game: The Movie erreicht wurde – dennoch leichte Kost die man zusammen mit Freunden schauen kann. Worum geht es? Jay Barlett ist passionierter Videospielfan und Sammler. Gerade was Nintendo – welche Wunder – betrifft. Er hat zur Aufgabe bekommen alle 678 in Nordamerika lizenzierten NES-Spiele innerhalb von 30 Tagen in seinen Besitz zu bringen. Das Budget ist begrenzt und ganz ohne Internet. Kein eBay, keine Online-Börse, kein gar nichts aus dem world wide web. Das größte Manko am Film – leider erfährt man nicht wie hoch das Budget in Zahlen ist.

Jay Barlett selbst scheint nicht immer der einfachste Charakter zu sein und hat seine Ecken und Kanten. Es wird gefeilscht, gesucht und einiges an Kilometern mit dem Auto zurückgelegt. Man schwelgt in Erinnerungen und wundert sich zum einen, was für Paläste sich einige in ihre Häuser gezimmert haben und zum anderen, wie selten und teuer Module sein können. Zu dem melden sich vermeintliche Bekanntheiten aus der Videospielwelt zu Wort und die Geschichte zu Nintendo selbst – oder der schon so oft erzählte Videospielcrash Anfang der 80iger (den es nur im Westen gab) wird zwischendurch mit reingeworfen. Langeweile kam nicht auf und ob er es am Ende schafft? Seht es selbst und um einen kleinen Eindruck zu gewinnen schaut doch einfach den Trailer.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=iWdf-TFTAPI

Zu guter Letzt der Weltrekord. Der Marathon unter den ganz harten, körperlich fitten und stärksten der starken. Man vs Snake: The Long and Twisted Tale of Nibbler. Ihr kennt Nibbler nicht? Snake ist euch aber ein Begriff? Nibbler kann als geistiger Vorgänger gesehen werden der sich ziemlich ähnlich verhält. Mehr muss zum Spiel selbst nicht gesagt werden. Zur Doku fallen mir noch ein paar Worte mehr ein. Tim McVey hat im Januar 1984 eine Weltrekordmarke von über 1 Milliarde Punkte gesetzt. Das war zum einen der Weltrekord, zum anderen ist es das erste Mal in der Geschichte gewesen, das diese Marke geknackt wurde.

Wie hat er das geschafft? Er hat zwei Tage am Stück gespielt. Unfasslich. Zwei Tage am Stück! Kaum zu glauben. Ich kann mich noch gut an die LAN-Partys Anfang der 2000er erinnern an denen ich teilnahm und gute 26 Stunden am Stück gespielt habe – aber meine Leistung ist ein Witz dagegen. Viele Rekorde halte lange, manche ewig und andere werden gebrochen. Wie auch dieser von Tim McVey. Jahre später, deutlich älter und in einer weniger guten körperlichen Verfassung will er es noch einmal wissen. Schaffe ich es? Kann ich es noch? Begleitet von Ikonen, seiner Frau, Kontrahenten und Freunden erlebt ihr eine augenzwinkernde Dokumentation.

Durchaus spannend, intim, interessant und mit schönen Comiceinlagen geschmückt zeigt die Dokumentation die Leiden die Tim durchlebt und es am Ende doch schafft? Ich frage mich nur immer wieder wie man 2 Tage am Stück spielen kann.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=f20SDLMbxwU
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