Action / AdventureFilmReview

John Wick Kapitel 2 – f*** you CGI – Review

Ich muss zugeben ich bin ein Fan des 80er/90er Action-Kinos. Das bedeutet: belanglose Story, geile Kameramotive & -schnitte, cooler Held & verdammt viele tote Böse.

Entsprechend haben mir auch die aktuellen Versuche diverser Studios gefallen hier mit ehemaligen Actionstars, geringem Budget und stattdessen guter handgemachter Stunts den nächsten Hit zu landen.

Gelungen ist es nicht vielen. Die ganz alten Haudegen versuchen es immer wieder, aber bis auf Sylvester Stallone ist hier kaum einer erfolgreich gelandet, entweder sie nehmen sich wie Schwarzenegger zu ernst, oder kommen aus ihrer alten Rolle nicht raus wie Willis.

Dafür war es schön Denzel Washington in The Equalizer, Tom Cruise in Jack Reacher oder Keanu Reeves in John Wick zu sehen. Gerade die beiden jüngeren konnten den Actionhelden noch recht glaubwürdig verkaufen.

Dafür gibt es auch einen gegenteiligen Trend, gerade im Mainstream-Bereich: dicke Muskeln & genauso echte Effekte. Das Action-Kino wird großteils von Filmen eines Kalibers von Fast & Furios, den zahllosen Comicsachen und vielen Remakes/Fortsetzungen ohne Charme wie Independence Day/Transformers bedient.

Egal wie gut oder schlecht diese Filme sind (den Comics kann ich da noch am ehesten etwas abgewinnen) eines haben sie gemeint: Sie kommen zu einem hohen Teil aus dem Computer. Und nein, ich habe nichts dagegen wenn jemand gefallen am 20ten Transformers findet, oder nicht wie ich in lautes Gelächter verfällt wenn in der Arktis ein russisches Akula U-Boot eine Gruppe Autos angreift.

Ich bin nur umso glücklicher wieder mal handgemachte & GUTE Action zu sehen wie im Falle von John Wick Kapitel 2!

Denn dieser Film ist eine einzige Liebeserklärung an das handgemachte Actionkino früherer Tage. Gerade da Reaves viel selbst macht und Regisseur Chad Stahelski selbst aus der Stunt-Szene kommt wirkt der Film bodenständiger und gleichzeitig glaubwürdiger. Da stehen nicht 3-4 Leute vor einem Greenscreen und versuchen möglichst muskulös auszusehen, sondern zeigt ein Schauspieler eine gelungene und darum noch beeindruckenere Choreografie.

Doch fangen wir mit der Handlung an.

Der Film setzt dort an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Wick holt sich sein Auto zurück und will nun endlich seinen verdienten Ruhestand. Doch das Schicksal gönnt es ihm wieder nicht.

Beeindruckt von seiner Leistung verlangt nun ein alter Bekannter seinen Einsatz und der Kodex verlangt dass Wick ihm diesen Gefallen erfüllt. Anders als im Erstling sieht man also auch wie John bei so einem Auftrag vorgeht und das hat Stahelski wirklich beeindruckend inszeniert. Man könnte fast meinen auch hier lege eine Roman-Reihe die gesamte Hintergrundgeschichte zu Grunde, tatsächlich wurde hier das Drehbuch wieder von Derek Kolstad verfasst.

Aber es wäre kein guter Action-Film wenn alles wie geplant laufen würde und so gerät Wick trotz aller Vorbereitungen abermals in die Scheiße. Unter Anderem macht Ruby Rose als taubstumme Attentäterin Jagd auf ihn und zeigt wie auch eine Frau in dieser ungewöhnlichen Rolle glänzen kann. Gerade ihre “Wortduelle” sind eine gelungene Idee.

Aber auch die anderen Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Ian McShane als Neutraler hinter den Kulissen, Riccardo Scamarcio als charmanter Drahtzieher, aber am Schönsten ist der Auftritt von Laurence Fishburne und auch noch so anders als man es erwartet.

Klar das sind alles keine wahnsinnigen Charakterrollen, aber sie alle tragen ihren Part zum fast perfekten Gesamtbild bei.

Hauptattraktion ist aber die schon mehrmals erwähnte handgemachte Action, welche von Reeves so beeindruckend in Szene gesetzt wird. Er wirkt wie ein Meister in seinem Element, wenn er sich durch zahlreiche Gegnerhorden ballert. Dabei ist er aber nicht übermächtig, denn gerade im traditionellen Nahkampf wirkt er manchmal deutlich unterlegen und man sieht ihm seine Abnützung im Lauf des Filmes deutlich an.

In dieser Beziehung ist der Film sogar eher ein Fortsetzung der alten Actionfilme, hin zu mehr “Realismus” und weg von “ist nur eine Fleischwunde”-Running-Gag.

Auch der Sound kommt im Film ständig wuchtig rüber, der Soundtrack selbst zählt zu den wenigen Kritikpunkten. Nicht immer wirkt er passend bzw. geschickt gewählt, tritt aber rechtzeitig in den Hintergrund um nicht zu stören.

Was ebenfalls gegen Ende auffällt: einige Längen hätten vermieden werden können. Großteils bin ich nicht mal ansatzweise auf die Idee gekommen auf meine Uhr zu sehen, aber gerade gegen Ende merkt man, dass von den 122min ruhig 5-10 Min. der Schere zum Opfer hätten fallen können.

Kommen wir nun aber zum Fazit:

John Wick Kapitel 2 ist einer der besten Actionfilme die ich die letzten Jahre gesehen habe. Er bleibt glaubwürdig und beeindruckt durch seine Stunts und dem bodenständigen Szenario, was wirklich nicht leicht ist.

Fans des Genres sollten sich den Film unbedingt ansehen, am Besten auf der großen Leinwand eines Kinos.

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One comment

  1. […] dabei David Leitch, der schon zusammen mit seinem Stunt-Kollegen Chad Stahelski für John Wick (Review) verantwortlich war und 2018 bei Deadpool 2 zeigen will, was er drauf […]

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