Wir stellen vor

SEGA – Wir stellen vor

Ich gebe zu, dieser Artikel ist zu einem eine Herzensangelegenheit, da ich mit Sega aufwuchs (der Dank geht an meinen Papa an dieser Stelle) und zum anderen ist es ziemlich schmerzhaft. Denn Sega kam einst brutal unter die Räder und konnte sich irgendwie nie mehr so richtig aufrappeln. Auch wenn es lange nicht mehr so dramatisch und schlecht um den Konzern steht, wie noch vor gut 16 Jahren. Es gibt immer wieder gute bis sehr gute Software und eben auch viel, worüber ich am liebsten gar nicht sprechen möchte. Ja, man kroch sogar mit gebrochenen Gliedmaßen zu den größten Konkurrenten, die einen vom totalen Bankrott retteten. So wie es der FC Bayern auch schon in diversen Benefizspielen bewiesen hat. Niemand mag den Verein so wirklich, mich eingeschlossen, aber gut für den Fußball ist er dennoch. So, oder so ähnlich wird es damals auch bei Sega gewesen sein – zumindest rede ich mir das gerade ein während ich die Zeilen tippe. Ich schreibe denen am besten mal eine E-Mail und frage das ganz explizit nach.

Wie bei den anderen “Wir stellen vor” Artikeln versuche ich euch das Unternehmen näher zu bringen. Wie fing alles an? Wann kam der Durchbruch? Knackpunkte? Zusammenbruch? Wo steht Sega heute? Und so weiter.

Alles begann im Jahre 1940. Gegründet wurde das Unternehmen von drei Amerikanern. Ja genau, eure Stirn runzelt sich wahrscheinlich gerade. Martin Bromley, Irving Bromberg und James Humpert entschlossen sich im schönen Honolulu Standard Games zu gründen. Nach Ende des 2. Weltkrieges überzeugte Bromley seine Kollegen dazu, das gesamte Unternehmen nach Tokio zu verlagern. SErvice GAmes for Japan wurde geboren. Kurz: Sega. Zu Beginn importierte man Münzautomaten für die amerikanischen Soldaten die in Japan stationiert waren. 1966 entwickelte Sega seinen ersten Spieleautomaten – Periscope. Der Automat war ein durchschlagender Erfolg und wurde kurze Zeit darauf weltweit exportiert.

Wie der Name es vermuten lässt, schaut ihr durchs Periskop und knallt mit eurem U-Boot feindliche Schiff ab.

Das Geschäft blühte wie überall und Arcadeautomaten wie auch Videospiele schossen überall aus dem Boden. Keiner konnte sich mehr retten und gespielt wurde überall. Wenn man so darüber schreibt und an heute denkt – viel geändert hat sich eigentlich kaum oder? 1976 war es mit dem ersten japanischen Videospiel soweit. Heavyweight Champ war das erste kommerzielle Arcade-Videospiel und erinnert sehr stark an Titel wie Punch-Out – bzw. eher umgekehrt. Der Erfolg blieb auch in den kommenden Jahre nicht aus. Der Umsatz stieg und Sega bewies vor allem eines: Geschick. Sega sorgte sogar für bahnbrechende Entwicklungen! Das erste Laserdisc Spiel (Astron Belt) und sogar 3D-Spiele (SubRoc-3D) feuerte der Konzern auf den Markt. Man muss daran denken – das war Anfang der 80iger! Aber wie wir alle wissen kollabierte der Videospielmarkt in den USA und traf auch Sega schwer. Der amerikanische Standort musste 1983 an die Bally Manufacturing Corporation verkauft werden. In Japan und Europa hingegen lief es weiterhin gut möchte ich sagen. So konnten z. B. alle Sega-Fabrikationsstätten in Japan aufgekauft werden und Sega-Europe wurde ins Leben gerufen. 1984 konnte der einstige Verkauf sogar wieder zurückgekauft werden und Sega hieß von diesem Tage an Sega Enterprises Ltd.

In dieser Zeit wurden auch die ersten stationären Konsolen veröffentlicht. Unter dem Namen Sega Game 1000 (SG-1000) wagte man den Schritt in die heimischen Wohnzimmer. Das gelang sogar und sorgte dafür, das man kurze Zeit später sogar eine Revision SG-1000 II – die technisch identisch war – aber etwas komfortabler im Umgang war (wie z. B. überarbeitetes Gehäuse oder der Controller war nicht mehr fest mit der Konsole verbunden). Erschienene Spiele waren unter anderem Wonder Boy, Hang On 2, Pitfall, Choplifter, etc.

Es wurden mehrere Millionen Einheiten vom SG-1000 und SG-1000 II verkauft. Technische Daten: 4 MHz CPU, 8 Kbit (1 Kilobyte) RAM, Grafikspeicher 16 Kilobyte und eine Auflösung von 256 × 192 Pixel bei 16 Farben

1985 erschien das Sega Master System und war die erste stationäre Konsole von Sega die weltweit vermarktet wurde. Drei Jahre später erschien bereits die erste 16-Bit Konsole, das Sega Mega Drive. Ab dann ging es richtig los und der Konsolenkrieg war geboren. Sega does what Nintendon’t brannte sich bei vielen ins Gedächtnis ein.

Im Mutterland Japan selbst lief es für das Sega Mega Drive nicht besonders gut und man hatte große Schwierigkeiten mit Nintendo mitzuhalten. In Europa und auch in den USA gelang es ihnen besser, gerade weil man deutlich eher auf dem Markt mit einer 16-Bit Konsole war und das SNES eben später erschien. Leider und da man im Laufe der Jahre immer etwas hinterherhinkte und Nintendo dementsprechend deutlich auf- und überholte, begann die große Leidensgeschichte mit unzähligen Fehlentscheidungen und Fehlplanungen. Im Grunde besiegelte sich dort allmählich der Untergang von Sega, den man natürlich noch nicht voraussah, aber Jahre später wie eine Bombe alles zerschmetterte.

Ich lege mal los. Mit völlig überteuerten Erweiterung wie das Sega Mega-CD, welches zwar 3D-Fähigkeiten bot, aber nie gut am Markt angenommen wurde. Und was sich nicht verkauft wird auch schnell für die Entwickler uninteressant. Es floppte also. Und es ging munter weiter. Es kam zu einem Eklat zwischen Sega of America und japanischen Mutterkonzern. Die Japaner wollten lediglich eine neue Revision des Mega Drives mit einer breiteren Farbpalette veröffentlichen – denn der Sega Saturn stand kurz vor der Veröffentlichung. Sega of America hingegen hätte gerne für das Mega Drive eine 32-Bit Erweiterung veröffentlicht. Wir alle kennen die Geschichte. Das 32X erschien 1994 und floppte. Ja, sie floppte so richtig. Wer hätte das nur gedacht. Man haute das Geld nur so aus dem Fenster ohne eine Sekunde rational und überlegt nachzudenken.

Am 22. November 1994 erschien der Sega Saturn in Japan. Im Mai 1995 in den USA. Und ab Juli 1995 waren wir Europäer dabei. Anfänglich verkaufte sich die Konsole ganz ordentlich und führte sogar kurze Zeit die Verkaufscharts an. Zum Unmut aller erhob sich aber ein neuer Riese auf den Konsolenmarkt. Aus dem Zweikampf wurde ein Dreikampf und Sony schickte mit der PlayStation einen Koloss in den Kampf. Das Problem am Saturn war: Es sollte die ultimative 2D-Konsole werden. Nintendo und Sony läuteten aber schon das 3D-Zeitalter an. Demnach war die Technik, wenn auch etwas überarbeitet als Gerüchte die Runde machten bzgl. 3D, aber im Grunde dafür gar nicht ausgelegt und der Saturn wurde übereilt auf den Markt geworfen. Ach ja, Sega. Zum Pech verabschiedeten sich auch zahlreiche Entwickler vom Sega Saturn, wie Core-Design (entwickelten Tomb Raider) es tat. Die schlechten Verkaufszahlen der Konsole gruben das Grab immer tiefer.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=0QExIyWUsIA

Sega ging es wirtschaftlich schlecht. Es kamen sogar Gerüchte auf, das Sega und Bandai fusionieren würden, da sich auch Bandai komplett mit ihrer Konsole dem Pippin verkalkulierten. Aber auch hier meinte es das Schicksal nicht gut mit den Japanern. Denn Bandai entwickelte aus der Not heraus die Tamagotchis. Der weltweite Erfolg dieser pixeligen Haustiere war der Grund weshalb die Fusion nicht mehr Zustande kam.

Der Sega Dreamcast sollte der rettende Anker werden. Und zunächst sah es auch gut danach aus, wenn auch die Entwicklung sehr merkwürdig von statten ging. Man stelle sich vor: Sega geht es schlecht und anstatt die Kräfte zu bündeln, konkurrierte man intern mit zwei verschiedenen Entwicklerteams um die Gunst des Vorstandes, welcher der beiden Vorschläge nun gewinnen sollte. Absolut bescheuert. Am 27. November 1998 erschien die Konsole in Japan und gut ein Jahr später in den USA und Europa. Und es ging richtig gut los für die Konsole. Gerade in den USA wurden sämtliche Verkaufsrekorde gebrochen. Eine halbe Millionen Konsolen wurden in zwei Wochen verkauft. Die eine Millionen Marke wurde kurze Zeit später geknackt. Die hohen Verkaufszahlen konnte zwar nicht konstant gehalten werden, aber dennoch zeigte man sich zufrieden. Bis … die PlayStation 2 auf den Markt kam. Das war im März 2000 und zwei Monate später hatte Sony schon mehr Geräte verkaufen können, als Sega in den vergangenen 1,5 Jahren. Teilweise waren die Verkaufszahlen der PS2 um ein 10-faches höher. Bis Ende 2000 fiel die Sega-Aktie um 76% und in den ersten 6 Monate wurde ein Verlust von über 350 Millionen Euro erwirtschaftet.

technische Daten: 32-Bit 200MHz, 16MB SD-RAM, Auflösung 640×480 bei 16,7 Millionen Farben, Internetfähig

Im Januar 2001 gab Sega bekannt die Produktion der Konsole ab März 2001 einzustellen. Die sich noch in Entwicklung befindlichen Spiele sollten veröffentlicht werden, was nur bei wenigen der Fall war. Die meisten wurden eingestellt oder für andere Plattformen veröffentlicht. Danach gingen die Lichter aus und ein Konzern der für viele Jahre faszinierende und tolle Spiele veröffentlichte verabschiedete sich ein für alle mal aus dem Konsolenmarkt.

So war es und Sega veröffentlichte fortan an nur noch Software für allen anderen Hersteller, die einst die größten Konkurrenten waren. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Die bekanntesten Spielereihen aus der Feder von Sega waren und sind:

  • Sonic the Hedgehog
  • Alex Kidd
  • Virtua Fighter
  • Virtua Tennis
  • Shenmue
  • Shinobi
  • Rez
  • Ecco the Dolphin
  • Crazy Taxi
  • Jet Set Radio
  • Shining Force
  • Streets of Rage
  • Golden Axe
  • Wonderboy
  • Sega Rally
  • Daytona USA
  • Vanquish
  • Yakuza
  • Valkyria Chronicles

Ich erinnere mich gerne an die Zeit. Gerade an das Master System und dem Mega Drive und hatte viel Freude und wunderschöne Momente mit der Konsole. Egal ob mit Freunden, meinem Papa oder auch alleine. Sega hat für ewig einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.