FilmReview

Alien: Covenant – oder wie ich lernte ein Franchise zu hassen

Und dieses schicke Motiv ist leider auch eines der wenigen positiven Elemente des Films.

Es hätte eigentlich klar sein sollen, wenn man die Vorgeschichte des Projektes verfolgte. Der Film-Riese FOX will ein Mio-Franchise wie Star Wars. Das war schon der Grundgedanke, aus welchem der geniale erste Film geboren wurde.

Dem aktuell wenig erfolgreichen Blomkamp (sowohl Elysium als auch Chappie darf man als Reinfall betrachten) traute man nicht so recht und als Branchen-Urgestein Ridley Scott (aufgrund der schlechten Kritik) seinen geplanten Prometheus 2 hin zu Alien Paradise Lost und schließelich Alien Covenant entwickelte, war man schnell bereit ihm die Leitung des Franchise zu geben.

Damit will ich nicht behaupten, dass die ursprüngliche Fortsetzung von Aliens, wie es der südafrikanische Regisseur geplant hatte, automatisch ein Erfolg geworden wäre. Nur hörte sich seine Idee interessanter an und mit Covenant hat Scott endgültig bewiesen, dass er nicht versteht was die Faszination seines damaligen Meisterwerks ausmachte.

Das Motiv des genialen ersten Films

Aber eines nach dem Anderen. Die Handlung von Alien Covenant ist schnell erklärt. Nach einem Umfall an Bord des gleichnamigen Kolonieraumschiffes versucht die frisch aufgeweckte Crew ihr Glück auf einen plötzlich aufgetauchten, aber zur Besiedlung geeigneten Planeten, statt dem weiter entfernten ursprünglichen Ziel. Anfangs läuft auch noch alles gut, nur stellt sich die Frage wieso eine so fruchtbare Welt frei von allen Lebewesen ist. Kaum hat man etwas Luft auf dem Planeten schnappen können, geht aber schon der Ärger los. Als Retter erscheint überraschend der aus Prometheus bekannte Android David.

Fassbender in der Doppelrolle David/Walter

Hier sind wir leider auch schon beim großen Problem des Filmes. David & Walter also die beiden Androiden die von Hr. Fassbender so gut verkörpert werden, sind tatsächlich die interessantesten weil vielfältigsten Charaktere des Films. Die restliche Crew wird derart schlecht aufgebaut, dass man bei Einigen den Namen erst wenige Sekunden vor ihrem Ableben erfährt. Wie soll man so mit den Figuren mitfiebern? Noch unverständlicher ist, dass ausgerechnet die auf YouTube hochgeladene Vorgeschichte mehr mit den Charakteren macht, als der ganze Film. Wieso wurde dieser wichtige Part raus geschnitten?

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=BByaMlt4JX8

Nicht besser wird es, dass trotz Kritik dieser Film genau wie Prometheus voller offensichtlicher Logiklöcher steckt. Wieso werden nicht nur die 2.000 in Tiefschlaf befindlichen Kolonisten in Pärchen eingeteilt, sondern auch die über Tod und Leben entscheidende Crew? Warum läuft man auf einem fremden Planeten ab der ersten Sekunde ohne Atemschutz herum? Warum sind die Kolonisten bis an die Zähne bewaffnet?

Wo aber die Geschichte zu wünschen übrig lässt, sind Bild und Ton hier wieder 1A. Eine prägnanter Titel wie ihn Alien und Prometheus hatten, fehlt aber hier. Eine 3D-Version sucht man auch vergeblich (vermutlich aus Budget-Gründen).

Okay also Bild/Ton gut, Charaktere eher nicht und anfänglich lässt die Story auch zu Wünschen übrig. Liest sich auch mehr nach Prometheus als nach Alien. Ja denn im Grunde hat man bis zur Hälfte des Films Prometheus 2, nur leider wird die Schöpfer/Shaw-Geschichte so schlecht weitergeführt, dass sich Fans des Vorgänger-Films vermutlich leicht verarscht vorkommen.

im Vorgänger noch die Hauptfigur, im Nachfolger leider nur auf Bildern zu sehen: Noomi Rapace

Schade, aber ist es dann ein guter Alien-Film? Leider werden auch Fans des Alien-Franchise mit Füßen getreten. Man bekommt eine sehr enttäuschende Geschichte zum Ursprung der Biester und generell wirken sie eher nachträglich rein geschrieben. Alle Entwicklungen sind lange vorher zu erahnen, weil sie sich über lange Zeit und das auch noch sehr deutlich ankündigen. Die wenigen spannenden Ausschnitte kennt man auch schon fast gänzlich aus den Trailern. Zu dieser Enttäuschung trägt leider auch die Art der Xenomorph-Präsentation bei. War dieses Monster aufgrund technischer Limitationen in den Vorgängern immer nur teils zu sehen und versteckte sich immer wieder im Dunkeln, zeigt man es jetzt dank CGI komplett in teils gut beleuchteten Sets. Das sieht auch manchmal wenig überzeugend aus, ein paar unabsichtlich peinlich wirkende Momente verschlimmern diesen Eindruck leider noch. Der Star ist da noch eher der Facehugger, der auch dieses Mal  unangenehme Gefühle auslöst.

Wem stellt es schon beim Anblick nicht die Haare auf?

Lediglich Fassbender und seine doppelte Rolle als David bzw. Walter bleiben hängen. Das liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung und die durchaus interessanten Motive. Nur leider kennt man Letztere aus genug anderen Filmen und wollen hier weder zu Prometheus noch zum Alien-Thema passen. So schafft es Hr. Scott in diesem Film sogar zwei Zielgruppen zu vergraulen. Lediglich einige Alien-Fans, die schon froh sind überhaupt die Biester nochmal in Aktion zu sehen, werden wirklich Spaß mit dem Film haben.

Ach ja und wer befürchtet sich vor Angst in die Hosen zu machen: LIFE (Sony’s Ansatz an die Alien-Thematik) ist hier jederzeit mehr Horrorfilm als Alien Covenant. Es gibt lediglich einige übertrieben brutale Szenen, aber den Terror der früheren Alien-Filme sucht man hier vergeblich, kann man ihn also auch mit der Freundin/Frau ansehen.

Zur recht vorhersehbaren Handlung gesellt sich dann leider auch ein (im Gegensatz zu den Vorgängern) offenes Ende, was den so schon recht mittelmäßigen Schluss dann noch weiter nach unten zieht.

Mein Fazit: wer Fan des Franchise oder Prometheus ist, sollte den Film auslassen. Nur wer damit eigentlich nichts anfangen kann und mit einem mittelmäßigen Sci-Fi Film zufrieden ist, wird den Kauf des Kinotickets nicht bereuen. Schade!

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