ActionFilmReview

Dunkirk – stimmt der Hype oder bleibt er am Strand liegen?

Filme von Christopher Nolan werden meist schon im Vorfeld von einem großen Hype begleitet. Nicht weil die Geschichten immer wasserdicht sind, sondern weil er wie sonst kaum ein anderer Regisseur einzigartige Bilder liefert.

Umso gespannter war ich, als er verkündete einen Kriegs bzw. Anti-Kriegsfilm zu machen. Nicht weil der Story-Ansatz bahnbrechen sein würde, sondern weil die Bildsprache wieder alles umhauen wird. Etwas enttäuscht war ich dann auch als er sich für den zweiten Weltkrieg entschied (einen Blick auf den kaum beachteten ersten Welt- oder Koreakrieg habe ich schon lange auf meiner Wunschliste) und schon fast durch war der Film für mich als die Evakuierung um Dünkirchen das Thema sein sollte.

Warum?

ACHTUNG! GESCHICHTSUNTERRICHT: Nun anders als von ALLEN vermutet stießen die deutschen Truppen so schnell hinter die britischen & französischen Linien, dass selbst der Nachschub kaum Schritt halten konnte. Denn statt entlang der gut vorbereiteten Maginot-Linie anzugreifen, umgingen die deutschen Truppen diese mit ihren schnellen Panzertruppen. Frankreich & die unterstützenden englischen Truppen sahen also bald alt aus und mussten sich schnell zurück ziehen.

So standen nun am Hafen von Dünkirchen 380.000 Soldaten (davon gut ein Drittel Franzosen) mit dem Rücken zum Kanal. Zu ihrem Glück gab Hitler seinen Truppen den Haltebefehl (es wurde hier viel spekuliert, wahrscheinlich hatte er Angst ohne den kaum nachkommenden Nachschub in einen langen Kampf mit den Briten & Franzosen verwickelt zu werden) und 338.000 Soldaten konnte nach England im Rahmen von Operation Dynamo evakuiert werden.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=F-eMt3SrfFU

Also nicht das was ich mir von einem Nolan (Anti)Kriegsfilm erwartete und gleich vorweg: Wer hier große Materialschlachten erwartet wird bitter enttäuscht. Zwar werden auch immer wieder die Dimensionen gezeigt wenn es drauf ankommt, aber meist erzählt Nolan die Handlung mit einem interessanten Kniff:

Der Film konzentriert sich auf drei kleine Schauplätze:
1. Mole: hier zeigt er wie die jungen britischen Soldaten Tommy, Gibson & Alex wenig heroisch ALLES tun um noch vor dem Ansturm der Deutschen evakuiert zu werden. 

2. Wasser: Der alte Seefahrer Dawson ist einer der Zivilisten die freiwillig mit ihren kleinen privaten Booten nach Süden steuert um dort Soldaten an Bord zu nehmen. Das Wasser vor Dünkirchen ist nämlich zu seicht um das Anlegen großer Landungsschiffe zu ermöglichen. Unterstützt wird er von seinem Sohn Peter und dessen Freund George.

3. Luft: die Royal Air Force hält sich eher zurück, aber einer den wenigen  Flügel bestehend aus den Piloten Farrier und Collins versucht verzweifelt sich um die deutschen Jagdmaschinen zu den Bombern durchzukämpfen um größere Schäden zu vermeiden.

Dunkirk hält sich im Großen und Ganzen an die historischen Ereignisse, nur die Bedeutung der Zivilisten wird etwas übertrieben. Ein Großteil der Soldaten wurde von der Royal Navy evakuiert, auch wenn die zivilen Boote (auch anders als im Film großteils von Navy-Besatzungen gesteuert) tatkräftig halfen.

Aber wie ist nun der Film? Ich war überrascht wie gut die Konzentrierung auf diese kleinen “lokalen” Schicksale funktionierte. Auch wenn man weiß wie es ausgeht fiebert man mit den Soldaten mit. Vor allem der Sound und die Schauspieler tragen einen großen Teil dazu bei.

Gerade wenn man mit Nolan’s Liebling (und einen der besten Schauspieler aktuell meiner Meinung nach) Tom Hardy (Farrier) in der Spitfire “sitzt” fühlt man jede Kurve, jedes Manöver & zuckt zusammen wenn er seine MGs abfeuert oder Kugeln einschlagen. Das war das erste mal das ich froh war, mir im Kino den Saal mit Dolby Atmos ausgesucht zu haben!

Dazu ist der ganze Film passend zum Zeitdruck mit einem Uhrticken hinterlegt, der beim Zuseher dauerhaft eine Spannung aufbaut und so die Handlung unterstreicht. Wird es gefährlicher wird das Ticken lauter. PERFEKT!

Ähnlich ergreifend ist das Schicksal der Bodentruppen, wenn sie es doch mal auf ein Schiff schaffen, dass kurz darauf von der deutschen Luftwaffe angegriffen wird. Leider gehen hier die (eher unbekannten) Schauspieler etwas unter, weil sie einerseits immer in (passender) dicker Kleidung und mit ähnlichem Haarschnitt in vielen dunklen Szenen leicht verwechselt werden können.

Nicht ganz so gut hat mir der Part auf See gefallen, der trotz Cillian Murphy (ebenfalls von anderen Nolan-Filmen bekannt) immer wieder gewollt wirkt. Die Motive des Vaters, seines Sohns und des verzweifelten Soldaten überzeugen leider nicht wie die Angst der Soldaten am Strand oder das Pflichtbewusstsein der Piloten.

Auch hat der Film leider ein paar unnötige Längen, gerade zum Ende hin wirkt es als wollte Nolan den Zuseher doch noch etwas länger auf die Folter spannen, übertreibt es dabei jedoch etwas.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=hap6PLB_JUI

Dunkirk ist ein gut inszenierter Kriegsfilm, der wie von seinem Regisseur gewohnt tolle Bilder liefert und diese auch akustisch perfekt untermalt, nur leider ist er nicht mehr. Denn im Gegensatz zu Inception, The Dark Knight oder Interstallar blieb mir kaum etwas in Erinnerung, was ihn von anderen Genrefilmen abhebt.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.