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Hellblade – Senua’s Sacrifice – So hart wie alle sagen?

Hellblade kam diese Woche auf PC und PS4 heraus und hat bisher nur gute Wertungen abstauben können.

Doch wie lässt sich das Ganze spielen und ist dieser ganze Diskussionsstoff vonwegen Permadeath aka Spielstandlöschung wirklich so ein Spannungskitzler, wie alle sagen?

Ja, ist er.

Senua ist geisteskrank, sie hat diverse Stimmen in ihrem Kopf und als Spieler hat man das Gefühl, auch genau das zu sein – eine weitere Stimme im Kopf einer Verrückten.

Schon ab der ersten Minute spricht uns das Spiel an. Die Stimmen scheinen unsere Präsenz zu spüren und wir sind uns anfangs nicht sicher, mit wem eigentlich gesprochen wird. Alles ist sehr konfus. So geht Senua in ihrem Wahn immer weiter und wir dürfen ihr erst einmal nur folgen und versuchen zu verstehen, was da eigentlich passiert.

Dies erzeugt eine immense Spannung und mit jeder Spielminute wird das Gefühl, dass irgendetwas nicht richtig ist, gestärkt. Das Spiel vermittelt uns weiterhin nur ein Zuschauer im Kopfe Senuas zu sein, denn wir bekommen kein HUD und auch keine Tutorialnachrichten.

Bislang habe ich diese Tutorialnachrichten in anderen Spielen immer gehasst, denn wer braucht schon eine Textbox, die einem sagt, dass man mit “X” springen kann? In diesem Spiel ist einem das Fehlen dieser Textboxen erst nicht bewusst, bis man den Charakter das erste Mal steuert und mit etwas interagieren möchte. Einem wird nicht gesagt, dass man hier interagieren kann, aber dieser Stein, der uns so farbenfroh anlächelt und weiter leuchtet, sobald wir darauf zu steuern, schreit einfach zu sehr nach “Fass mich an”, als dass man an ihm vorbeilaufen könnte. So geht man dahin, ganz intuitiv und fragt sich, warum man ihn nicht mit “X” anfassen kann.

Dies ist nur ein kleines, wie ich hoffe, spoilerfreies Event, dass zum Ausdruck bringen soll, wie intuitiv das Spiel zu spielen ist und wie hilflos man sich fühlt, wenn man die Tastenbelegung nicht angezeigt bekommt.

Diese Hilflosigkeit wird weiter gefördert, indem man immer wieder mit der Verrücktheit Senuas zu kämpfen hat. Manchmal driftet sie einfach ab und wir sehen uns einer Vielzahl Gegner gegenüber, die nebenbei bemerkt, sehr gut gestaltet sind. Was mich anfangs am meisten irritiert hat, war, dass die Gegner auf Augenhöhe zu Senua stehen, d.h. sie sind nicht sehr viel größer, wie in den meisten Rollenspielen, aber auch nicht kleiner, wie man das aus Brawlern wie Diablo kennt. Jeder Gegner scheint in seiner Statur uns ebenbürtig zu sein – doof nur, dass sie fast nie allein auftauchen.

Wenn wir diese Gegner bekämpfen, fühlt es sich sehr wie ein For Honor an. Wir sind langsam, können uns aber in Rage kämpfen, werden schneller, stechen zu, weichen aus, kontern und … werden auch mal getroffen. Wenn wir getroffen werden, wird Senua schwächer, sie muss sich erholen. Nichts scheint mehr so einfach zu sein und man sucht nur noch nach dem Knöpfchen, um den Schwierigkeitsgrad herunterzustellen. Wir wollen ja nicht nach wenigen Toden schon wieder von Vorne anfangen. Also ab ins Pause-Menü, Schwierigkeit auf “leicht” stellen und glauben, man sei jetzt übermächtig und würde alles mit einem Schlag weghauen – falsch gedacht. Die Gegner töten uns, wenn wir nicht aufpassen und nicht regelmäßig kontern oder ausweichen. Senua hält nicht wirklich viel aus, vielleicht ein paar Schläge. Um uns das alles ein wenig zu vereinfachen, gerade da die Kamera so nah am Körper ist und wir nicht hinter uns schauen können, schreit ab und an mal eine Stimme in Senuas Kopf: “Hinter dir!”. Wir hören natürlich auf die Stimmen und lernen, ihnen zu vertrauen. Wenn also das nächste Mal ein Gegner hinter uns steht und wir unachtsam sind, wird uns eine Stimme schon Bescheid sagen – wieder falsch. Die Stimmen scheinen sehr willkürlich. Manchmal helfen sie, manchmal schreien sie zum Angriff, obwohl Ausweichen die einzige Möglichkeit zum Überleben scheint. Wir können den Stimmen nicht trauen und das ist ein sehr ungewohntes Gefühl in einem Spiel. Normalerweise werden wir immer gut behütet, ganz nach dem Motto: Die Entwickler werden sich schon etwas ausgedacht haben, um uns zu schützen.

Aber auch unsere anderen Sinne sind ständig manipulierbar. Man schaue auf einen großen Stein und komme nicht weiter. Man ärgert sich, läuft ein paar Mal im Kreis und entdeckt ein Portal. Man schaut hindurch und schwups, die Umgebung verändert sich. Der große Stein ist auf einmal ein Durchgang, die kaputten Treppen wieder in Ordnung. Zuerst traut man der Sache nicht über den Weg und geht noch einmal durch das Portal, denn wir leiden ja jetzt schon an Paranoia und schwups, schon wieder ist der blöde Fels da. Also noch einmal durch das Portal…

Hellblade ist kein schweres Spiel, es ist leicht fordernd und schafft eine unglaublich tolle Atmosphäre. Man fühlt sich im Körper einer verrückten gefangen und staunt dennoch über ihre Sicht der Dinge. Alles, was man bisher so aus Videospielen kennt, wird einfach so über den Haufen geworfen und man fühlt sich recht infantil, egal, wie viele Spiele man schon auf dem Buckel hat. Dazu kommt noch die umwerfend gute Grafik und die sehr gute Performance. Ein großes Lob an die Performance von Melina Juergens, da sie den Charakter Senuas sehr gut rüberbringt sowohl ihre Ängste als auch ihre Verrücktheit. Mimik, Gestik, einfach alles scheint zu stimmen.

Hab ich schon den Preis erwähnt? Das Spiel bietet zwischen 6 und 8 Spielstunden, also so lang wie das erste Uncharted -ungefähr- und es kostet nur 29,99€!

Also noch einmal zum Hauptausgangspunkt: Ist das Spiel zu hart, weil es eine Permadeath-Funktion hat, die gerüchteweise nach 8 Toden eintreten soll?

Das Spiel ist sehr spannend und bietet einem einen echten Nervenkitzel. Ständig hat man Angst in eine Falle zu laufen oder irgendetwas falsch zu machen und deshalb zu sterben. Die Bosse in dem Spiel sind auch nicht gerade die einfachsten und könnten schon mit Dark Souls mithalten – so ein bisschen zumindest. Durch diese ständigen Versagensängste kann man schon einmal schnell auf die Idee kommen, es einfach auf “leicht” zu stellen und die Story zu genießen. Aber ganz ehrlich: Selbst auf “leicht” ist das Spiel noch eine harte Nuss. Beim ersten Boss wurde ich so panisch, dass ich nach meinem ersten Tod sofort den Schwierigkeitsgrad heruntergestellt habe, mit dem Ergebnis, dass ER immer noch hart war und ICH immer noch ängstlich. Das Spiel mag durch das Permadeath-System frustrierender sein, es mag Spannung erzeugen, die nicht jedem gefällt, aber es ist nur ein sehr kleiner Teil. Das wahre Feeling, die wahre Angst wird eigentlich durch die Stimmen, die Umgebung und die Hilflosigkeit erzeugt, die sich in einem breit macht, sobald man das Spiel startet und auf sich allein gestellt ist. Wäre Hellblade ein Film wäre es kein Horror-Film, hätte aber das Zeug zu einem verdammt guten Psycho-Thriller.

Sollte man sich das Spiel also kaufen?

Ja.

Bei knapp 30€ kann man nichts falsch machen. Es hat eine anständige Spielzeit, grandioses Gameplay, viel Story und ein sehr gutes, unverbrauchtes Setting. Wer Spiele wie Dark Souls, Horizon und For Honor mag und schon seit langem nichts Neues in der Videospielwelt gesehen hat, der sollte sich den Titel sofort und ohne Bedenken anschauen. Hier kann man meiner Meinung nach nichts Falsch machen, da sogar Rätsel-Fans auf ihre Kosten kommen, ohne Rätsel-Hasser zu sehr zu überfordern.

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7 comments

  1. Das Review macht Bock auf das Spiel!

    1. Danke, Paul :). Das freut mich sehr. Falls du es mal zocken solltest, fänd ich es klasse, wenn du deine Meinung dazu posten würdest – wäre mal interessant zu wissen, wie andere das Spiel finden

  2. […] sich das Spiel so spielen lässt und wie gut es wirklich ist, könnt ihr hier […]

  3. […] und ihr Wissen und Wesen in einen neuen Körper hochladen. Also keine Angst vor dem Permadeath (Erinnerungen an Hellblade) – unsere Charaktere sind quasi […]

  4. […] Hellblade: Senua’s Sacrifice (One) – Review  […]

  5. […] Wie viel Spaß macht es, einer verrückten zu folgen? Das seht ihr in unserem Review: Hellblade – Senua’s Sacrifice […]

  6. […] Hier ein Review zu dem etwas bizarren, jedoch auch sehr abenteuerlustigen Spiel: Hellblade -So hart wie alle sagen? […]

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