Action / AdventureFilm

Shin Godzilla – bleibender Eindruck ohne Hollywood?

Nachdem sich Hollywood bereits zwei Mal an dem japanischen Monster versuchte und 2014 Gareth Edwards dabei sogar tatsächlich den erfolgreichen Grundstein für ein Monster Universe (Warner) legte, fragte man sich auch in Japan, ob es nicht an der Zeit war, den Riesen neu zu schaffen.

So gab Ende 2014 Studio Toho (Filmstudio aktiv seit den 30ern und unter Anderem seit dem ersten Film für das Godzilla-Franchise verantwortlich)  bekannt, dass man zusammen mit Hideaki Anno (schuf u.A. die Neon Genesis Evangelion Anime-Reihe) und  Shinji Higuchi (arbeitete bereits mit Toho, Attack on Titan und auch Evangelion) 2016 das Franchise mit dem 31sten Film rebooten werde.

Ist dies gelungen, oder nur ein weiterer billig wirkender Real-Film aus Japan?

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=2uPA24TrTfs

Der/Die Eine oder Andere hat vielleicht schon mal gehört, wie Godzilla eigentlich entstanden ist. Es war ein Monsterfilm (Kaiju nennt sich das Genre) der Mitte der 50er die Angst Japans vor den damals alles bestimmenden Atomwaffen manifestierte. Seitdem wechselte das Franchise immer wieder die Richtung, mal kämpften (billig wirkende) Monster untereinander, mal war Godzilla der Retter vor außerirdischen Invasoren, usw. was schließlich in Godzilla: Final Wars gipfelte.

Die ursprüngliche Botschaft war aber kurioser Weise eher im letzten US-Film das bestimmende Thema und weniger in den letzten Werken aus Japan. Diese bedienten eher die Genre/Franchise-Fans, welche wiederum nicht mit den US-Filmen warm wurden.

Dies ändert sich nun mit Shin Godzilla, der sich wieder mehr auf die Botschaft als um das Monster ansich dreht.  Anders als vermutet, dreht sich aber nicht alles um die destruktive Seite der Atomkraft (was nach Fukushima nur verständlich wäre), sondern um die fragwürdige Reaktion der Regierung auf diesen und andere Krisenfälle.

Entscheidungen – ein wichtiges Thema

Denn die ersten 40min wird das Titel-gebende Monster kaum gezeigt, stattdessen sehen wir, wie hilflos und übertrieben bürokratisch die japanische Regierung versucht, den Katastrophenschutz aufzubauen und die “Störung” einzuordnen. Was ist das, wie geht man dagegen vor, wer muss wo wann evakuiert werden, wann informiert man die Bevölkerung mit welchen Informationen und das größte Thema: wer trifft wichtige Entscheidungen?

Gerade Letzteres fällt dem Zuseher über den ganzen Film verdächtig oft auf, nur nimmt man viel von der dadurch entstehende Dramatik. Denn vermehrt tauchen mutige Figuren aus dem Hintergrund auf, die sehr wohl Mut und Courage zeigen. Leider auch fast so übertrieben, wie man es von überzeichneten Anime-Figuren kennt.

die Evakuierung wird eindrucksvoll in Szene gesetzt

Dies führt mich auch schon zum nächsten Punkt, der mich etwas störte. Gerade weil der Film vor allem im ersten Drittel viel Wert auf die Charaktere legt, störte dieses leichte Overacting mancher Schauspieler etwas. Auch ohne es deutlich zu machen, sieht man selbst als Nicht-Japaner, wann eine Figur eine dramatische Entdeckung macht, wenn eine Entwicklung besonders tragisch ist, oder die Bemerkung eines Unterstellten seinen Vorgesetzten in Verlegenheit brachte. Hier hätte an manchen Stellen weniger mehr sein können. Auch dass Toho selbst bei ausländischen Personen entweder auf Japaner (US-Japaner z.B.) setzt, oder nur mit Silhouetten arbeitet, hätte nicht sein müssen.

der US-Kontakt in Japan

Aber trotzdem schafft Toho hier einen glaubwürdigen Katastrophen-Film, der trotz des deutlich eingeschränkteren Budgets hier gute, teils sogar fantastische Arbeit bei den Effekten leistet. Gerade wenn Godzilla unvermeidlich auf die Streitkräfte trifft, wirkt alles recht authentisch und anders als früher wird dem Monster sogar eine Spur Verletzlichkeit zugestanden.

das Militär wirkt glaubhaft

Gerade mal ein Punkt hat mich hier persönlich gestört: Godzilla wird in mehreren Formen gezeigt, aber gerade die Augen vor seiner ersten Metamorphose wirken SEHR “puppenhaft”. So leblos sollte gerade bei Nahaufnahmen kein Ungetüm wirken. Das reist leider etwas aus den ansonst guten Szenen der Zerstörung etwas raus.

Dafür entschädigt Toho mit dem besten und glaubhaftesten Godzilla aus eigenem Hause, welcher sogar Tier-näher (und weniger menschen-ähnlich) reagiert als sein westlicher Kollege.

auch die Zerstörung wirkt weniger beliebig wie im US-Film von 2014

Wirkliche Länge vermeidet man damit auch bei immerhin fast 2h Dauer. Zwar ist der Anfang etwas zäh, später tappt man aber nicht in die Falle übertrieben lange das Scheitern der Armee zu zeigen, in welche sogar die US Kollegen gelegentlich treten.

So muss ich auch als Fazit sagen, dass hier Toho nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat (die Katastrophe als bestimmendes Thema ist aber auch eher an Japaner gerichtet), ich aber trotzdem gut unterhalten wurde und den Neustart zu schätzen wusste. Es kann jedoch sein, dass Kaiju-Fans dem kritischer gegenüber stehen.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.