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Star Trek Discovery: (Un)endliche Weiten?

 

Das Weltall – die letzte Grenze. Ein Intro das vor allem mit der richtigen Stimme (sowohl Wiliam Shattner als auch Patrick Stewart gelang dies im Original-Englisch sehr gut) immer noch überzeugt.

Seit gestern ist es soweit und nach 12 langen Jahren ist erstmals wieder eine neue Star Trek Serie verfügbar. In Europa via Netflix, in den USA muss man auf CBS neuen Streaming-Dienst zurück greifen.

Die Frage die sich alle Fans stellen: Enterprise oder Next Generation? Sprich, wird man furchtbar enttäuscht (wie beim letzten Versuch Enterprise), oder positiv überrascht (was damals bei Next Generation der Fall war, wo fast JEDER einen Flop erwartete).

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Cgz4si_RC80

Nachdem ich mir die beiden ca. 40 minütigen Episoden des Piloten zuerst auf Englisch und anschließend auf Deutsch angesehen habe will ich behaupten: Auch wenn es mich nicht völlig aus den Socken gehauen hat, kann ich es kaum erwarten Episode 3 zu sehen -es wird wöchentlich eine Folge veröffentlicht!

Space …
Zuerst zum Intro. Man hat sich an einem Mix aus klassischer und moderner Musik versucht, wie zuletzt auch bei den Filmen. Ganz gelingt dies hier leider nicht. Das Theme ist ähnlich schnell vergessen wie damals bei Enterprise. Dafür fand ich die Optik gelungen. Langsam wird die Discovery am Reißbrett gezeichnet und fliegt in diesem Stil auch in die unendliche Weiten. Hier haben die Produzenten genau den richtigen Punkt getroffen. Bei der Musik kann man ja bei Staffel 2 noch nachbessern, wäre nicht das erst Mal.

die USS Discovery aus dem Intro

Number One …
Wichtiger sind die Charaktere und hier bin ich mir noch nicht sicher. Selbst nach der ersten Staffel The Next Generation hatte ich manche Charaktere nicht so sehr ins Herz geschlossen, wie nach dem Abspann von “Gestern, Heute, Morgen”. Discovery hat es hier schwerer, da man heutzutage die Staffeln kürzer hält, dafür aber lieber eine durchgehende Geschichte erzählt. Bestes Beispiel der letzten Jahre im Genre war Battlestar Galactica, deren Produzenten es geschaffen haben die angestaubten Figuren der 60er gelungen in die Neuzeit zu transferieren.

Außerdem wird sich erst zeigen welche Figuren bleiben. Denn anders als bei früheren Star Trek Serien hat man hier weniger Bedenken etablierte Charaktere sterben zu lassen. Anders als früher, wo aus Sicht eines neutralen Beobachters erzählt wurde, beschränkt man sich nun großteils auf die Sicht des ersten Offiziers Michael Burnham. Der Twist: Sie ist ein Mensch, aufgezogen von Vulkaniern. Sie braucht also ihre Emotionen nicht zu verstecken, reagiert aber meist ungewohnt kalt und berechnend. An ihrer Seite ist Captain Philippa Georgiou, welche das in die Jahre gekommene Schiff USS Shenzhou kommandiert. Sie stellt einerseits den bekannten Föderations-Captain dar, der alle Aspekte vor dem Handeln abschätzt und dabei auch manchmal mit dem kalten Vorgehen ihres ersten Offzier kollidiert.

Die anderen nennenswerten Figuren sind der Wissenschafts-Offizier Saru, dessen Rasse die Kelpien zum ersten Mal in Discovery gezeigt werden. Es handelt sich um eine der aufwendigeren Masken und die Tatsache dass seine Spezies lange als Beutetiere diente, macht die Sache noch interessanter. Ihnen allen gegenüber steht der Anführer der klingonischen Abtrünnigen T’Kuvma. Auch hier wurde SEHR viel Arbeit in die Maske gesteckt, dazu reden die Klingonen im Piloten fast die ganze Zeit klingonisch. Umso beeindruckender ist, dass man trotzdem an ihren Stimmen deren Emotionen einschätzen kann, was auch notwendig ist da man sonst leider keine Mimiken erkennt.

Red Alert!
Da die Charaktere noch zu wenig Zeit bekommen um auf sich gestellt zu überzeugen, muss die Handlung des Piloten sitzen. Etwas das bei Star Trek immer etwas … problematisch war. Der Käfig als Einstieg in die ursprüngliche Serie wurde abgelehnt und wirkt auch aus heutiger Sicht übertrieben langweilig. Mission Farpoint wurde um den Q-Plot erweitert und wurde von der damaligen Führung kaum verstanden. Und auch Aufbruch ins Unbekannte hat mehr Elemente als dem Serien-Start gut taten.

Die Klingonen wie sie in Discovery dargestellt werden

Umso überraschter war ich beim Abspann der zweiten Episode. Während man zu Beginn noch DEUTLICH auf die Charaktere und den Forschungsauftrag setzt, wird es ab Kampf beim Doppelstern richtig interessant. Denn Discovery hat sich eine der bekanntesten Rassen des Franchise bedient und stellt sie aus einer sehr interessanten Perspektive dar. Das Reich der Klingonen ist alt & voller Traditionen, intern jedoch vollkommen zerstritten. Ihnen gegenüber steht die Föderation die durch Politik ihre Grenzen, aus Sicht der Klingonen, gefährlich schnell erweitern konnte.

Schon in Star Trek (Classic oder auch TOS aka The Original Series genannt) fragte man sich, wie der erste Kontakt dieser so unterschiedlichen Spezies ausgesehen haben mag. Enterprise hat dies dann (wie leider viele Trek-Themen) schnell und übertrieben oberflächlich abgehandelt. Die Bedrohung dieser Kriegerrasse wirkte nicht ernsthaft genug. Discovery stellt das quasi in nur einer Episode richtig. Die Klingonen sind gefährlich und im Zweifelsfall würde man in einem Kampf nicht auf die Föderation setzen!

On the Screen …
Ein Punkt der bei heutigen Sci-Fi Serien immer wieder vergessen wird: Ein einzigartiger Stil. Zu oft reduzieren sich Serien auf Effekten aus dem Computer, bleiben dabei aber austauschbar. Nach Star Trek haben es nur wenige geschafft sich auch durch Bild/Ton zu etablieren. Babylon 5 versuchte es durch mehr Aliens & glaubwürdigere Effekte und Battlestar schaffte es mit seinem verbrauchten dreckigen Look. Die neuen Reboot-Filme holten das Franchise mit jeder Menge Lens Flare und ungewohnten Kamerafahrten zurück in die Neuzeit.

Discovery bedient sich bei diesen Stilmittel, übertreibt es aber nicht und schafft sogar noch einige neue Akzente. Die Brücken der Föderationsschiffe sind genauso überbeleuchtet wie in JJ Abrahms Star Trek, jedoch nicht so überstilisiert wie deren Enterprise. Alles wirkt recht praktisch und nicht als würde man alle paar Meter gegen eine Projektionsfläche laufen. Dazu kommt ein sehr glaubwürdiger erdiger Stil bei den Aliens. Sei es der Wüstenplanet aus den ersten Trailern, oder die Klingonen und deren Schiffe. Dabei verliert sich Discovery nie in zu vielen Sets und auch bei den Effekten übertreibt man es nicht. Während Star Trek im Kino mit viel “in your face”-Effekten und Masken arbeitet, werden solche Dinge hier viel ruhiger gezeigt und passen so mehr zum Tempo einer Serie. Einzige Beschwerde von mir: An zwei Stellen der ersten Episode ist mir aufgefallen, dass der Kontrast von einer auf der anderen Szene stark abnimmt. Hier handelt es sich vermutlich eher um einen Fehler als um ein gewolltes Mittel.

Die Brücke der USS Shenzhou

Auch der Sound weiß zusammen mit der Musik zu überzeugen. Einziges Manko hier: Durch die deutlicheren Dialekte (die auch von den Produzenten forciert werden um gerade bei der Föderation die Vielfalt unter der Crew zu verdeutlichen) habe ich mich auf Englisch deutlicher schwerer getan den Dialogen zu folgen, als noch bei den früheren Serien mit ihrem vorbildlichen Theater-Englisch. Wer also nicht 100% sattelfest ist mit Englisch, sollte sich den Ruck geben und die deutsche Tonspur favorisieren. Hier sind auch die Stimmen großteils auch sehr gut gewählt.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=9KSOrKIn-Ak

… where no man has gone before
Was kann also Star Trek Discovery? Ich kann es noch nicht sagen, aber im Gegensatz zu Star Trek Enterprise bin ich wirklich gespannt auf die nächste Folge. Man bedient sich einiger Elemente früherer Serien und sogar der aktuellen Filme, ist aber stets eigenständig, hat interessante Charaktere und Geschichten die hoffentlich ausgebaut werden. Ja, Star Trek ist möglicherweise wieder auf Kurs. Bleibt zu hoffen, dass sie diesen Esprit die  Staffel über halten können. Wünschen würde ich es diesem Franchise.

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