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E3 2018 – war alles gut?

Die Schatten für die Electronic Entertainment Expo oder kurz eben E3, werden lange im Vorfeld geworfen und sind bereits weit vor Start der Messer zu erkennen. Gleichermaßen sind die Nachwirkungen nach Ende der Messe und die Fragen, was uns wohl im nächsten Jahr erwartet von den Dächern der Kritiker und Fans zu hören. Konzentrieren wir uns aber zunächst auf 2018, denn diese E3 war inhaltlich sehr voll und hat einen der großen Konzerne unter den Fans wieder strahlen lassen.

Ich fange also ganz klassisch und in der offiziellen Reihenfolge an und wusel mich dann so durch die einzelnen Pressekonferenzen. Den Startschuss zum Auftakt in LA hat wie bereits im letzten Jahr Electronic Arts geboten. Einen kleinen Aha-Moment gab es – andere wirklich große Überraschungen hat es nicht gegeben. Seit Jahren murkst sich das Unternehmen über die Zeit und bleibt sich immerhin in einem Punkt treu – den Pokal für die beste PK überlassen sie gerne den anderen. Was gab es denn zu sehen? Battlefield V schaffte es auf die Bühne, der Sport-Block wie gewohnt ebenfalls und Respawn Entertainment kündigte vom Publikum aus an, an einem Star Wars Spiel zu arbeiten das auf den Namen Star Wars Jedi: Fallen Order hört. Zu Anthem zeigte man neues Gameplay, das wirklich schick aussah, aber auch vorerst für mich persönlich nicht wirklich nach mehr. Mit Sea of Solitude schaffte es ein Entwickler aus Berlin auf die Bühne und ließ mich den deutschesten Akzent seit Jahren hören; das Spiel hinterließ ebenfalls einen bleibenden und durchaus positiven Eindruck. Unravel Two wurde bereits während der offiziellen Ankündigung veröffentlicht und der einstige Primus im Echtzeit-Strategie-Gerne Command & Conquer findet mit Rivals seinen Weg auf’s Smartphone. Fans sind alles andere als begeistert. Der letzte Satz steht gleichermaßen auch für den Auftritt von EA.

Am Sonntag bestieg dann Microsoft die gut gefüllte Halle und ließ einige Korken Knallen und Feuer abbrennen. Das war mit Abstand die beste PK die Microsoft seit Jahren abgehalten hat! Das liegt vor allem am endlich stattfindenden First-Party-Support. Die Microsoft Studios werkeln nicht nur an eigenen Titeln für die Konsole, sondern haben auch die Scheine fliegen lassen und gleich fünf neue Studios akquiriert. Undead Labs, Playground Games, Ninja Theory, Compulsion Games und The Initiative werden zukünftig und einige davon sowieso schon, exklusive Spiele für die Xbox entwickeln. Die bisherigen Studios arbeiten währenddessen an Halo Infinite, Forza Horizon 4, einem bestimmt schicken und fordernden DLC zu Cuphead und insgesamt drei Gears of War (Gears Pop, Gears Tactics und Gears 5) Spielen. Dazu kamen verdammt viele Third-Party-Spiele von den unterschiedlichsten Entwicklern. Erstmals war etwas zu Sekiro: Shadows Die Twice, The Division 2, Dying Light 2, Just Cause 4, Devil May Cry 5, Jump Force und zum Beispiel Cyberpunk 2077 als Höhepunkt zum Ende zu sehen. Nach Ende der PK hieß es erstmal durchatmen und die Flut an Spielen abschütteln und wieder klar kommen.

Nach dem Paukenschlag sollten es alle später kommenden Pressekonferenzen schwer haben. Davon nimmt sich aber zum Beispiel Devolver Digital selbst komplett raus. Wie bereits im letzten Jahr nahm der Publisher im Grunde alles auf die Schippe, was von klassischen Videospiel-PKs so zu erwarten ist: Selbstbeweihräucherung und Verkaufszahlen und wie wichtig die Konsumenten sind und sowieso die besten Fans und das alles nur Mögliche investiert wird, mit den besten Mitarbeitern die gar nicht ausgebeutet und überarbeitet sind und noch vieles mehr. Davon fand man erneut bei Devolver Digital nichts. Ein Publikum aus der Sitcom und derbe Sprüche. Spiele gab es auch, die aber für meine Begriffe gänzlich nebensächlich schienen. Mir persönlich war es zu einfallslos das Konzept aus dem Vorjahr eins zu eins zu übernehmen und hätte mir da ehrlich gesagt mehr gewünscht. My Friend Pedro war mein persönliches Highlight und sieht nach fulminanten Spaß aus!

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=zaPBAKg3VT4

Grundsätzlich zählt der Auftritt von Devolver wie auch der von EA zu meinen Lowlights der diesjährigen E3 2018. Ähnlich bescheiden war auch Square Enix mit deren Präsentation. Die Überraschung von Just Cause 4 überließ man bereits und zu meinem Unverständnis anderen. Für mich kein Spiel das hoch im Kurs steht, JC3 fand ich grauenhaft schlecht. Shadow of the Tomb Raider sah mehr als ordentlich aus und wird außer Konkurrenz laufen, denn ein Uncharted oder ähnliches wird es erstmal nicht geben. Auch Kingdom Hearts III war bereits bei Microsoft zu sehen – warum auch immer so große Titel “einfach abgegeben” werden. Der E3-Trailer zu KH III war zudem mehr als komisch?! Ich fand die Zusammenstellung der Musik ziemlich unpassend und das zog mich ehrlich gesagt komplett raus. Und auch The Awesome Adventures of Captain Spirit von DONTNOD sah die Premiere bereits auf einer anderen Bühne. Da kann man sich schon fragen wieso man überhaupt den Weg nach LA beschritten hat … kleinere Ausrufezeichen gab es immerhin von Babylon’s Fall und The Quiet Man die auf der Konsole für die PS4 erscheinen sollen. Mehr als einen Trailer gab es zu beidem jedoch nicht und so verblasst das Satzzeichen ziemlich schnell wieder und für die meisten dürften beide Titel bereits wieder in Vergessenheit geraten sein.

Ich möchte aber nochmals auf Microsoft zu sprechen kommen. Denn nach Meinungen vieler Videospieler fegte und wischte Microsoft mit dem Rest den Boden auf. Nüchtern betrachtet kann man der gleichen Meinung sein. Ich sehe das Ganze etwas anders. Ja, es gab verdammt viele großartige Spiele während der Show. Ja, der Großteil wird auch für andere System erscheinen. Und was ich mich als erstes fragte als ich beispielsweise Halo Infinite gesehen habe – das soll noch auf der Xbox One S erscheinen? Für die Xbox One X möglich, auf der Xbox One S sehe ich keine Chance. Auch Gears of War 5 wird mit dem gesehenen Maßstab in keiner Weise vernünftig auf der schwächeren Xbox One laufen. Die Diskrepanz zwischen den beiden Konsolen ist jetzt schon so enorm groß, das es mir schwer fällt “das noch mehr von allem”, noch irgendwie funktionieren soll.

Im Doppelpack versuche ich einmal Bethesda und Ubisoft unter einen großen Hut zu bringen. Beide begangen musikalisch. Auf der Bühne von Bethesda legte der Mann namens Andrew W. K. mit seiner Band unterhaltsam los und liefert gleich auch den Titelsong zum neuen Rage 2, das ja bekanntermaßen bereits im Vorfeld durch Walmarkt Kanada geleaked wurde.

You better get ready to die / You better get ready to kill / You better get ready to run / ‘Cause here we come / You better get ready to die / Your life is over now / Your life is running out / When your time is at an end / Then it’s time to kill again / usw.

Der Song passt wie die Faust aufs knallbunte Auge vom Nachfolger zu Rage. Und apropos Auge, Andrew W. K. war bereits vorher schon in einem Titel von Bethesda involviert. Als Charakter Redeye tauchte er im Nuka-World DLC auf. Bei Ubisoft gab es keine bösen Wörter und es wurde etwas mehr getanzt. Just Dance 2019 wurde wie bereits in den Jahren zuvor am Anfang abgefrühstückt und mittlerweile ist das auch vollkommen in Ordnung so. Im Anschluss folgten bei beiden der Fokus auf deren Marken, deren Spiele und das, worauf man sich bei Ubisoft und Bethesda in den letzten Jahren stets verlassen konnte: Spiele die begeistern. Neu war bei beiden aber im Grunde nur die Fortsetzung … The Crew 2, Doom Eternal, Wolfenstein: Youngblood (ich hätte Wolfenstein: The Young Blood als Titel und Anspielung auf The Old Blood besser gefunden), Trials Rising und Beyond Good & Evil 2. Zu Tom Clancy’s The Division 2, Fallout 76 und Assassin’s Creed Odyssey gab es jeweils ausführliche Gameplay-Szenen die das jeweilige Spiel detaillierter vorgestellt haben. Frodo war so frei und hat sich aus dem unsterblichen Land Valinor auf die Bühne von Ubisoft gewagt und “sein” Spiel Transference vorgestellt. Starfield und The Elder Scrolls VI wurden mit einem belanglosen Trailer angekündigt. Auf eine baldige Erscheinung könnt ihr daher lange warten – außerdem werdet ihr dafür eine neue Konsole brauchen.

Sony – wie immer hieß es früh aufstehen und wach bleiben. Anders als sonst wurde eine ähnliche Form von Pressekonferenz abgehalten wie man es von Nintendo gewohnt ist; dem sich aber auch Square Enix bedient hat. Sprich, Videos die nacheinander ablaufen. Dafür hätte ich nicht zwingend wach bleiben müssen. Dennoch gab es eine gewohnt hohe Qualität an Spielen: The Last of Us Part II, Ghost of Tsushima, Death Stranding und Spider-Man haben mich allesamt abgeholt und begeistert. Alle vier Spiele werden wir auf der aktuellen PlayStation sehen. Zudem gab es erstmals bewegte Bilder vom neuen Remedy Projekt Control und auch das Resident Evil 2 Remake wurde wohlwollend und raunend aufgenommen. Leider gab es peinliche Moderationen dazwischen und ebenfalls musikalische Untermalungen, die aber ein wenig zu lang waren. Ich kann die Kritik von vielen verstehen, aber scheiße, Mist und Kacke – eben das was man so gelesen hat, war es definitiv nicht! Musik ist wichtig und beide Darbietung im Vorfeld der Gameplay-Szenen richtig. Mir persönlich und für das Medium Videospiel ebenfalls zwingend notwendig um Stimmungslagen besser zu transportieren. Schließlich gibt es nicht einfach so ganze Konzerte wo riesige Orchestra Soundtracks nachspielen, weil es großartige Soundtracks gibt die einem nie wieder aus dem Ohrwurmareal im Gehirn verschwinden. Ein wenig kürzer darf es demnächst aber sein. Was mich aber am meisten störte war, das es keine Überraschung gab. Ich dachte es mir schon im Vorfeld, aber leider ist die Hoffnung doch gestorben.

So. Was mag man am Ende lieber? Viele Spiele und kurze Trailer? Oder weniger Spiele und dafür mehr Gameplay?

Traditionell schloss Nintendo den großen Rahmen E3 mit seiner Nintendo Direct Show. Fans der Switch dürfen sich weiterhin auf zahlreichen Third-Party-Support freuen: Overcooked 2, Monster Hunter Generations Ultimate, Dragon Ball FighterZ, ARK: Survival Evolved, Hollow Knight, Fortnite: Battle Royale und Octopath Traveler. Und unverändert präsent bleiben auch die eigenen Franchises … Mario darf Tennis spielen, sich wieder auf eine Party stürzen und Pokémons dürfen in Let’s Go, Pikachu und Let’s Go, Eevee gesammelt werden. Rasante Mech-Action in Daemon X Machina und Super Smash Bros. Ultimate mit allen Kämpfern die ihr aus allen vorherigen Teilen kennt. Mehr habe ich ehrlich gesagt nicht zu Nintendo zu sagen – verzeiht.

Was bleibt am Ende? Wie immer viel zu viel. Es gab unendlich viele Spiele und viel zu wenig Zeit um sich mit allem wirklich in Ruhe zu beschäftigen. Selbst eine Woche danach finde ich noch immer neue Infos, Videos, gifs oder was weiß ich. Die E3 2018 war ziemlich gut und zählt mit zum Besten was abgefeuert wurde und das ohne Hardware-Release. Ich muss mir selbst aber auch die Frage stellen: Was mag ich mehr? Mehr Spiele und kurze Game Engine/Trailer? Oder lieber weniger, dafür mehr echtes Gameplay? Microsoft war dieses Jahr der “Angeber” und Sony eher der “Bedachte”. Wichtig ist am Ende: Die Spiele werden uns nicht ausgehen und für jeden Geschmack sollte etwas am reich gedeckten Tisch dabei sein.

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