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This is the Police ist ein “Cold Case”

In This is the Police schlüpfen wir in die Rolle von Jack Boyd, einem in die Jahre gekommen Cop, der als Polizei Chief nun das Sagen hat und sich nicht nur gegen Bürokratie, sondern auch gegen Korruption zur Wehr setzen muss.

Jack soll nur noch 6 Monate in seinem Amt bleiben, dann wird er abgesetzt, weil es der Bürgermeister nämlich so will. Dieser hat einen besten Freund und der soll dann Jacks Platz einnehmen.

In 180 Tagen möchte Jack eine halbe Millionen Dollar verdienen. Nur so kann er friedlich in seinen Ruhestand eintreten.

Und wenn sein baldiger Jobverlust nicht schon schlimm genug wäre, verlässt ihn auch noch seine Frau – für einen 30 Jährigen. Jack tut sich mit seiner Schwiegermutter zusammen, um seine Frau zu finden und zur Vernunft zu bringen.

Kein Wunder also, dass Jack den ganzen lieben Tag vor sich hin flucht und sich so vulgär ausdrückt.

This is the Police kann und sollte man daher nicht als Polizei-Simulation betrachten. Es hat eine recht morbide Geschichte mit sehr viel schwarzen Humor und eine Prise Thriller.

Jack hat in seinem Leben einfach kein Glück und das Spiel zeigt einem dieses in jedem Moment auf. Doch Jack ist auch kein Unschuldslamm. Oft müssen wir uns mit seiner Pillenabhängigkeit, mit seinem Griesgram und seinen schlechten Entscheidungen auseinandersetzen.

Wenn wir nicht gerade die Zwischensequenzen mit ihren gutgeschrieben Dialogen betrachten, die aber auch wie ein Comic aufgebaut sind und Menschen ohne Gesichter darstellen, fahren wir zur Arbeit, suchen uns Musik aus und schubsen unsere Kollegen herum.

In This is the Police haben wir eine Übersichtskarte des gemütlichen Städtchens und dort werden immer wieder Notrufe entgegengenommen. Wir können dann entscheiden, wie viele Polizisten wir hinschicken – wenn wir überhaupt Polizisten zu einem Fall schicken, der sich einfach nicht echt anhört – und welche Unterstützung die Polizisten bekommen. Manchmal können wir ein SWAT mitschicken, manchmal einen Truppentransporter und manchmal müssen wir weitere Unterstützung in Form von weiteren Polizisten nachschicken.

Das einzige Problem dabei ist, dass wir eigentlich nur ein Dialogfenster haben, in dem der Fall beschrieben wird. Dann schicken wir Polizisten los und bekommen manchmal eine Auswahlmöglichkeit präsentiert – auch alles in einem Dialogfenster.

Wenn unsere Polizisten im Einsatz sterben oder sich totfahren, weil sie mal wieder betrunken Auto gefahren sind, dann bekommen wir ein Dialogfenster.

Wir sehen also nichts von den doch immer spannend klingenden Fällen. Selbst wenn wir unsere Detectives einsetzen, die mal einen Raub und mal einen Mord aufklären, bekommen wir nur eine Bilderreihe, die wir anhand von Zeugenaussagen passend ordnen müssen – case closed.

Interessanter wird es dann, wenn wir die Möglichkeit haben, einen Serienkiller dingfest zu machen. Dann müssen wir unsere unterschiedliche Tatorte anschauen und Hinweisen folgen. Tun wir dies in einer falschen Reihenfolge oder lassen uns in die Irre führen, war’s das.

Natürlich gibt es auch eine Art von Micromanagement. Wir dürfen entscheiden, wen wir einstellen, feuern oder zu welcher Schicht wer eingeteilt wird. Wir dürfen auch mit der Mafia kooperien, um unser schweizer Bankkonto zu stärken. Wir dürfen aber auch gut sein und uns nicht auf ominöse Geschichten einlassen – doch das überleben wir mit aller Wahrscheinlichkeit nicht lange.

In This is the Police müssen wir also teils böse sein und böse Entscheidungen treffen, um unsere wohlverdiente Rente zu kassieren und auch um unser Leben uns das unserer Kinder zu schützen.

Pressekonferenzen, Beratungen mit Ratsmitgliedern, nächtliche Arztbesuche, weil uns die Pillen ausgehen – in This is the Police ist kein Thema tabu.

Leider zieht es sich dafür aber auch nach einer gewissen Weile. Die ersten Spielstunden sind fantastisch, da sie nicht nur Humor beweisen und auch immer wieder eine interessante Geschichte erzählen, sie sind auch noch vielfältig und abwechslungsreich. Doch nach ca. 5 Stunden fragt man sich, wann Jack denn endlich stirbt, damit die Qual endlich ein Ende nimmt. Das Spiel hat gut 12 Spielstunden, daher zieht es sich wirklich immens in die Länge.

Das Gute ist: Der zweite Teil, der kürzlich erschienen ist, fasst alle Geschehnisse des ersten Teils nochmals zusammen und gibt einem auch ein Maß an Entscheidungsmöglichkeiten, sodass man den ersten Teil nicht spielen muss.

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