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Life is Strange: Before the Storm

Die erste Season von Life is Strange konnte in allen Belangen überzeugen. Es gab eine angemessene Grafik, ein wunderschönes Art Design, spannende Dialoge und eine Geschichte, die zwischen Teenager-Drama und dem Übernatürlichen hin und her sprang.

Das Prequel zu dieser Staffel, das sich rein um den beliebten Nebencharakter Chloe Price dreht, scheint leider in ganz andere Gewässer zu fließen.

In Before the Storm gibt es keine Max, denn diese hat Chloe kurzerhand verlassen, als ihre Eltern, und damit auch sie, weggezogen sind. Sie meldet sich nicht. Sie hat noch nicht einmal Zeit für einen Anruf.

Chloe, deren Vater gerade erst verstorben ist, als ein LKW über rot gefahren ist und ihn mitgenommen hat, ist nun mutterseelen allein.

Apropos Mutter: Chloes Mutter lebt noch, doch sie ist zuerst unglücklich und sucht dann ihr Glück in einer neuen Liebe, die Chloe überhaupt nicht zusagt. Der “Stiefdödel”, wie sie ihn nur allzu gerne nennt, ist zu autoritär und hat eindeutig Narben aus dem Krieg mitgebracht.

Chloe fühlt sich in ihren Teenagerjahren also ungeliebt und hat keinen sicheren Rückzugsort. So sucht sie sich in der Blackwell Academy, einer hoch angesehenen Schule, neue Freunde. Neben den sehr zugänglichen Nerds, die auch mal gerne ein Tabletop spielen, findet sie eine weitere Person sehr interessant: Rachel Amber.

Diese wird von allen geliebt und vergöttert und zu Chloes erstaunen, schließt sie ebenfalls Rachel ins Herz. Rachel und Chloe werden schnell sehr gute Freundinnen, die einen Hang zu mehr verspüren.

Doch Rachels Leben wirkt nur auf den ersten Blick perfekt. Schnell wird klar, dass ihr perfekter Vater, der Staatsanwalt ist, ein dunkles Geheimnis hat.

Als ihr Leben allmählich aus der Bahn geworfen wird, hilft ihr Chloe aus.

Und hier sehe ich auch schon den ersten Kritikpunkt in der Story. Eigentlich sollte sich das Prequel um Chloe drehen, doch immer wieder hat man das Gefühl, dass Chloe nur ein Nebencharakter ist, der eben den Hauptcharakter, Rachel Amber, begleitet und beobachtet. Chloes Sequenzen sind teils fürchterlich langweilig und von sehr viel Teenie-Drama begleitet.

An den Stellen, an denen Life is Strange noch ein wenig Spannung herauskitzeln konnte, gerade dann, wenn der Stadtuntergang in greifbarer Nähe war, kann sich Life is Strange: Before the Storm nur mit müdem Teenager-Geheul und doch teils sehr langweiligen Story-Strängen schmücken.

Ganz klar hat Life is Strange: Before the Storm seine Stärken. Es weiß zum Beispiel unangebrachte Momente und vor allem unangenehme Momente in Szene zu setzen. Es zeigt zum Beispiel auch die Seiten Chloes und wie sie sich zu dem Menschen entwickelt hat, den man in Life is Strange kennengelernt hat, doch ist das alles auf Sparflamme.

Das Prequel ist wirklich eher was für Fans und eignet sich in keiner Weise als Einstieg für Neulinge. Es ist ein reines Drama, das sehr schnell zu durchschauen ist. Und trotz dass es ein Drama ist, weiß es nicht, wie man diverse Themen dramatisiert. Fremdgehen allein ist leider nicht Rekordverdächtig. Auch die Probleme von Teenagern, die der Schule verwiesen werden, krönen von wenig Innovation.

Mir persönlich hat Before the Storm nur wenig Spaß gemacht. Es war ein schöner Lückenbüßer, um zum einen die Geschichte noch einmal zu vertiefen und zum anderen, um die Zeit zum zweiten Teil zu verkürzen.

Dieses Gefühl wird auch dann bestärkt, wenn es pro Episode immer weniger neue Orte zu erkunden gibt. Gegen Ende hin gibt es 4 Orte, an denen man sich halbwegs frei in je einem Raum bewegen darf. Das ist zu wenig, um als eigenes Spiel und nicht nur als DLC durchzugehen! Auch Graffiti-Einlagen á la InFamous helfen da nicht weiter.

Das, was wirklich mehr Spaß gemacht hat als im Vorgänger, waren die Entscheidungsmöglichkeiten. Hier konnte man in einer kurzen Zeitspanne und anhand des Wortlautes des Gegenübers bestimmen, was man antwortet. Dies konnte man auch sehr oft gehörig daneben hauen, sodass es auch wirklich Konsequenzen hatte. In Life is Strange konnte man solche Fehlschläge rückgängig machen, was leider dafür gesorgt hat, dass Konsequenzen nicht wirklich Folge einer Fehlentscheidung war.

Das war immerhin gut an Life is Strange: Before the Storm!

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