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StarCraft: Ghost – Mission gescheitert

Mit Blizzard werden die meisten von euch grandiose Spiele und lange Abende vor dem PC oder der Konsole verbinden. Blizzard Entertainment steht vor allem für Warcraft, Diablo, StarCraft, World of Warcraft und natürlich auch Overwatch. Aber das muss ich wohl keinem erzählen der auf dieser Seite gelandet ist. Es gibt definitiv noch mehr Spiele aus der Entwicklerstube, aber das sind wohl die bekanntesten Marken. Doch nicht alles woran hinter verschlossenen Türen gearbeitet wird, wird am Ende auch gut oder ausgezeichnet. Ja, manch ein Titel erscheint nie. So geschehen bei StarCraft: Ghost.

Als Silicon & Synapse war man den Konsolen zu Beginn der Ära nicht abgeneigt und auch als dann aus dem Unternehmen der heutige Riese Blizzard Entertainment entstand, war der Support für die 16-Bit Konsolen stets vorhanden. Erst mit dem Aufkommen von PlayStation und dem N64 entfernte man sich allmählich vom Konsolenmarkt und breitete die Flügel auf dem Personal Computer aus. So gab es für die ersten 3D Maschinen im heimischen Wohnzimmer durchaus ein Diablo oder StarCraft, welche aber nie wirklich angenehm spielbar waren. Am besten ließ man die Finger davon. Das Diablo durchaus auf Konsolen funktioniert, ist hinlänglich bekannt – es hat nur seine Zeit gebraucht. Bei reinen RTS-Spielen ist die Beziehung noch immer schwierig und angespannt.

Am 20. September 2002 wollte man aber mit voller Kraft zurück auf die Konsolen und nahm sich mit dem Franchise StarCraft einen prominenten Star aus den eigenen Reihen. StarCraft: Ghost wurde angekündigt. Es sollte auf der PlayStation 2, der Xbox und auch auf dem Nintendo GameCube erscheinen. Die Fans rasteten aus! Die Presse wusste gar nicht mehr wohin mit ihren Lobeshymnen und dem Überfluss an Euphorie. Doch all der Jubel und die Freude verging mit der Zeit in Schall und Rauch.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=TGoUsd-RHqU

 

Als Entwickler heuerte man das, zumindest bis dahin, talentierte Studio Nihilistic Software, die einen damaligen Geheimtipp entwarfen, der auf den Namen Vampire: The Masquerade – Redemption hörte. Zwar waren die Wertungen nicht allesamt überschwänglich gut, aber der Titel weckte sehr viel Interesse und ist das einzig nennenswerte Spiel von NS. Bis heute tragen viele das Spiel in ihrem Herzen und zählt heutzutage zu den Klassikern. Aber was ging schief? Wieso traf es ausgerechnet das neue Konsolen-Projekt und wieso hat Blizzard nie wieder einen Neustart versucht? Die Antwort darauf ist nicht so einfach.

Ich versuche es mal. Im Jahre 2000 trat eben genau jenes Studio an Blizzard heran und verkaufte die Idee rund um StarCraft: Ghost. Inspiriert durch Titel wie Metal Gear Solid und Splinter Cell, schien die Idee hinter Ghost grandios. Schließlich gab es bereits eine umfassende Geschichte, ausgearbeitete Charaktere und eine Welt die bereits fertig war. Auch Blizzard zeigte sich begeistert und gab grünes Licht. Zwei Jahre später, 2002, wurde das Spiel dann offiziell angekündigt. Nicht nur die Euphorie der Fans und der Presse war groß, auch innerhalb von Nihilistic Software, denn der Deal war folgender: Keine Deadline und Blizzard gibt regelmäßig Feedback und steuer die Zwischensequenzen bei.

Klingt gut oder? War es zu Beginn auch. Mit der Zeit bauten sich aber Spannungen auf, da Blizzard regelmäßige Wünsche äußerte, dem Spiel Feature X und Y hinzuzufügen, anstatt sich auf den Kern zu konzentrieren. Denn StarCraft: Ghost sollte von Beginn an ein Stealth-Action-Spiel werden. Oder doch nicht? Genau da lag der Hase im Pfeffer, oder wie das Sprichwort genau heißt. Denn Blizzard forderte mal mehr Action, dann Tarn-Level, dann wieder Koop-Multiplayer und in der nächsten Woche wieder etwas anderes. Oder etwas von zuvor. Die Entwicklung geriet ins Stocken und auch wenn einzelne Level bereits fertig waren und diese sich wohl gut spielen ließen, fühlte jeder einzelne Abschnitt sich wie ein komplett anderes Spiel an. Unmut machte sich breit.

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Zwei Jahre nach Ankündigung und auf der E3 2004 kam, was kommen musste. Auf der Messe flimmerte eine spielbare Version von Ghost auf den Bildschirmen und hinter der Bühne trafen sich Blizzard und Nihilistic Software – NS war raus. Ende.

Nicht ganz und das nächste Kapitel wird ein kurzes und trauriges dazu. Blizzard hielt zu diesem Zeitpunkt noch an Ghost fest und glaubte an das Potenzial. Ein neues Studio musste her und wurde gefunden. Mit den Swingin’ Ape Studios fand man nicht nur neue Entwickler, man kaufte gleich den ganzen Laden. Wie auch schon zuvor lief es zu Beginn rund und alle waren Feuer und Flamme. StarCraft: Ghost wurde komplett umstrukturiert. Mehr Action und einen Multiplayermodus. Auf der Blizzcon 2005 war “das neue” Ghost bereits wieder spielbar und kam außerordentlich gut an.

Doch dann, ja dann kam World of Warcraft ins Spiel und den Rest der Geschichte kann man sich nun fast denken. WoW sollte das bisher größte Projekt werden und so ziemlich alle Ressourcen wurden gebündelt. Schließlich wurde WoW riesengroß und war ein weltweiter Erfolg, ja es machte das MMORPG-Genre populär und massentauglich. Auch auf Kosten anderer Spiele, wie eben Ghost. Hinzu kam die Frage wie machen wir weiter? Nicht das sie schon vorher zu genüge gestellt wurde, aber die nächste Konsolengeneration wurde 2005 eingeläutet und die Xbox 360 von Microsoft veröffentlicht. Wohin also mit StarCraft: Ghost? Schnell alles “zusammen schustern” und auf den alten Konsolen veröffentlichen, oder die nicht vorhandenen Ressourcen (WoW hat diese beansprucht) investieren und noch mehr Entwicklungszeit in Anspruch nehmen? Die Antwort darauf ist nun Geschichte und StarCraft: Ghost hat den Platz bei den unveröffentlichten Spielen eingenommen. In den vergangenen Jahren hatten Fans jedoch immer wieder Hoffnung, auch wenn niemand mehr so recht daran geglaubt hat. Den Zahn zog schlussendlich Mike Morhaime, Blizzard Präsident und sprach aus, was alle schon längst wussten. StarCraft: Ghost ist gescheitert.

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