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Shadow of the Tomb Raider – Eine Explosion aus Wut und Verzweiflung

Shadow of the Tomb Raider soll eigentlich das vermeintliche Ende von der im Jahr 2012 eingeführten neuen Lara bedeuten. Dementsprechend dachten sich die Entwickler, dass sie Tomb Raider mit einem Knall beenden sollten.

Doch wie viel Knall ist erträglich und wann ist das Spiel von Knall auf Fall zu Ende?

Im Gegensatz zu den Vorgängern möchte der dritte Teil der Reihe einiges anders machen. Lara Croft kraxelt nun nicht mehr nur an Sandwänden oder auf einsamen Inseln die Wände empor, sie findet sich neben ihren Ruinentümpeln nun auch in einem Dschungel wieder.

Und dieser Dschungel hat es mächtig in sich – und das nicht nur grafisch.

Doch fangen wir einmal von Vorne an: Lara ist noch immer auf der Suche nach Trinity, einer geheimen Organisation, die nicht nur immer mal wieder die Weltherrschaft an sich reißen, sondern diese auch gerne mal neu aufbauen möchte. Außerdem, und dass ist nun wirklich für Laras Daddy Issues entscheidend, hat jene Organisation ihren Vater umgebracht.

Normalerweise würde man an dieser Stelle einen roten Schriftzug mit “Marvel” erwarten und auf Laras Superheldenkräfte hoffen, doch diese sind nur partiell ins Spiel miteingeflossen. Doch dazu später mehr.

So begibt sie sich auf die Suche nach Peru. Von einer Ruine in die Nächste stolpert sie ins nächste Unglück und löst schreckliche Katastrophen aus, als sie versucht, ein Artefakt vor Trinity zu entwenden.

Ab diesem Punkt nimmt Tomb Raider, zumindest was die knüppelharte Action angeht, kein Ende mehr. Ob es nun ein Erdrutsch, ein Tsunami oder ein Flugzeugabsturz ist, Lara ist unsterblich und oft auch nicht wirklich verwundbar. Manchmal gibt es ein kurzes “Autsch”, wenn dann mal das Bein durchsiebt wurde, doch mehr Gejammere hören wir auch nicht.

Dabei sind die Mechaniken sehr ähnlich zu den Vorgängern. Hier muss man lobenwerterweise erwähnen, dass alle alten Fähigkeiten, wie zum Beispiel der Eingangsdurchschuss mit der Schrotflinte oder der weltberühmte Kletterhaken von Anfang an nutzbar sind – außer Lara verliert mal wieder bei einem spektakulären Absturz ihren Krempel.

Es gibt aber auch einige Neuerungen. So kann Lara nun mit gespickten Schuhen über Kopf klettern und ihren Kletterhaken weiter werfen, um nicht abzustürzen.

An ihrer Seite befindet sich natürlich ihr bester Freund und Koch Jonah, der ein wenig mehr Charakter zugesprochen bekommt.

Auch dies ist eine Neuerung im neuen Tomb Raider. Alle Charaktere sind nicht mehr ganz so eindimensional. Lara ist dieses Mal in der Lage, richtig egoistisch zu agieren. Sie möchte etwas erkunden und dafür müssen andere nun einmal leiden. Doch das interessiert sie nur an wenigen Stellen im Spiel . Sie ist ein Forschergeist durch und durch.

Jonah nimmt dabei die Rolle des Sidekicks ein. Er unterstützt sie, wo er nur kann und versucht, sie etwas menschlicher zu machen. Dabei findet Jonah in seiner ewigen Friendzone auch mal etwas Glück.

Dass Lara zwischendurch zu einem richtigen Rambo mutiert, hilft der Sache nicht wirklich. Klar, Lara hat rein auf psychologischem Niveau mit Sicherheit schon sehr viel Schaden genommen, doch im Laufe des Spiels entwickelt sie sich zu einer richtigen Serienkillerin. Ein Uncharted kann vielleicht beim Killcount mithalten, nicht aber, wenn es um Brutalität geht.

Shadow of the Tomb Raider ist sehr düster. Die Sonne scheint nicht mehr, die Wälder sind voller Feinde (tierische und menschliche und menschliche, die sich wie Tiere verhalten) und Lara ist auf einem sehr kalten Pfad der Rache unterwegs. Ihre Wut über ihren Verlust lässt sie dabei sehr gerne an allem aus, dass ihr begegnet. Hat sie früher gegen einen imposanten Bären gekämpft, muss sie sich nun gegen schnelle, intelligente Raubkatzen wehren.

Auch wenn sich nun viel negativ anhört, macht Tomb Raider auf einem ganz besonderem Level Spaß. Es ist ein reiner Action-Streifen, der bis zum Ende (nach knapp 8 Stunden) kein bisschen an Verfolgungswahn und Kugelhagel abnimmt. Die Rätsel sind sehr kurz gehalten und leider auch nur mit ablesen verbunden. Sie sind sehr einfach und gliedern sich deshalb auch gut in das Action-Setting ein. Ein handlicheres Menü für die Notizen, um mal nachzuschlagen, wäre aber wirklich nicht von Nachteil gewesen. Auch die Fähigkeiten, die man am Lager ausrüsten und freischalten kann, sind kaum nennenswert, da sie nicht wirklich auf das Spielgeschehen Einfluss nehmen. Ab der Hälfte des Spiels bin ich komplett ohne Fähigkeitenpunkte ausgekommen…

Die optionalen Gräber sind wie zuvor marginal gut versteckt. Man kann sie wieder nur durch Backtracking öffnen, aber das sollte man eher als Feature sehen und nicht als Behinderung.

Doch meist verläuft das Spiel so schnell, dass Nebenquests und Gräber eher störend wirkend. Man möchte wissen, wie es weitergeht und man möchte sofort weiterspielen und nicht noch irgendeinen nahen Verwandten von irgendeinem dahergelaufenen NPC suchen. Doch für solche Luxusprobleme gibt es auch eine einfache Lösung: Shadow of the Tomb Raider hat von Beginn an ein Neues Spiel +, d.h. man kann im ersten Durchgang genießen und zum Beispiel einfach die Story durchziehen und dann mit seinen Fähigkeiten und der Ausrüstung, die man gesammelt hat, noch einmal von Vorne beginnen – mit sehr wenig Verlust.

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