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Marvel’s Spider-Man: Insomniac Finest?

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=J9cylZsnud8

Wer an Insomniac denkt, hat meist einen Artikel über Ratchet & Clank gelesen, oder trauert noch dem FPS-Franchise Resistance hinter her. Vielleicht kommt einem noch der Name Spyro ins Gedächtnis, aber kaum die erste große eigene Marke dieser Konsolengeneration Sunset Overdrive.
Zugegeben, das Spiel erschien damals auf der “falschen” Konsole und hatte viele unrunde Ecken, die eher an Sandbox-Titel einer Generation davor erinnerten. Es machte Spaß und hatte sehr viel Inhalt zu bieten, konnte aber an einigen Stellen auch langweilen.

Nun versucht es Insomniac noch einmal im Open-World-Action-Genre und bedient sich ungeniert dabei an Serien wie Assassin’s Creed, oder der Batman Arkham-Reihe. Haben sie aus den Fehlern gelernt, überstrahlt Spidy die Mängel, oder handelt es sich doch nur um ein weiteres Franchise-Spiel mit schicker Grafik?

der Fotomodus passt hier sogar in die Geschichte selbst

Nach weit mehr als 20 Spielstunden bis zum Abspann und noch einigen mehr bis zur anvisierten Platin kann ich behaupten: Ja und nein.

Gegenüber Sunset fühlt sich Spider-Man eine Generation neuer an. Wo man beim MS-Exklusivtitel noch Elemente von sogar noch PS2/GC/Xbox Sandboxen spüren konnte, fühlt sich dieses Spiel deutlich wie aus der Post-Assassin’s Creed Zeit an. Sprich weniger generische Gameplay-Elemente, mehr Abwechslung & vor allem mehr Fokus auf die Geschichte.

Tante May arbeitet für die Wohltätigkeit, hat aber immer ein offenes Ohr für Peter’s Probleme

ABER wie eine offene Welt vor Witcher 3, God of War, Zelda Breath of the Wild. Das Spiel startet wundervoll angenehm indem es euch gleich in die Geschichte wirft ohne langer Tutorial-Phase. Gleich bei der Verfolgung von Oberschurke Fisk lernt ihr quasi im Vorbeischwingen die Steuerung kennen, wie ihr kämpft & wie ein Videospiel 2018 beginnen kann, nein sollte! Nur um euch im Anschluss die ersten Ubi-Formel-Türme zu präsentieren … klar auch Zelda und Horizon Zero Dawn hatten die, dort waren sie aber deutlich optionaler (gerade bei Nintendo) und auch origineller. Hier wirkt es tatsächlich als hätte man Watch_Dogs noch nicht gesehen!

Auch die Nebenaufgaben haben dezenten Sammel-Sinnlos-Charme. Alte noch zum Beginn der Karriere platzierte Rucksäcke sind überall in Manhattan verteilt, überall gibt es kleine “Polizei-Aktionen” wie ein gestohlener Transporter oder einen Überfall, später dann Rettung von Zivilisten, oder ein Umweltschutzprojekt von Freund Harry Osborn. Sogar Fotografien sammeln ist dabei!

Kocht die Beziehung zwischen Peter & MJ wieder auf?

Wer diese Aufgaben als zu formelhaft empfindet hat VÖLLIG recht. Gerade dank vieler positiver Beispiele im diesem Genre ist man hier eigentlich schon längst Besseres gewohnt. Trotzdem haben sie mir fast durchgehend Spaß gemacht! Gerade zu Beginn lässt sich vieles im Durchqueren der Stadt erledigen. New York ist so authentisch umgesetzt und das Schwingen macht soviel Spaß, dass ich Sachen wie das Touristen-Album on the fly erledigte.

Auch das Kampfsystem wirkt anfangs wie eine simple Kopie aus der Batman Arkham-Reihe, stellt sich aber schnell als eine schnellere (jedoch weniger tiefer gehende) Fortsetzung eben dieser heraus. Gerade zu Beginn wo euch noch viele Fähigkeiten fehlen (den Großteil müsst ihr selber freischalten) geht ihr öfters mal K. O. Doch das ist in Ordnung, da ihr so schnell auf simples button smashing verzichtet und euch in den Kampfrythmus des Spiels einarbeitet. Parker ist agiler als Bruce und setzt weniger auf möglichst lange Kombo-Ketten.

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Wieder etwas old school wirken dafür die Bosskämpfe. Da waren definitiv Batmans Auftritte kreativer. Hier wirkt es eher wie ein Mix aus den alten Ratchet & Clank-Spielen (Kampf um einen großen Gegner, der immer wieder die selben 2-3 Aktionen startet) und Quicktime Elementen wie ich sie zuletzt in God of War 3 gesehen habe. Sieht schön aus, macht aber nicht immer Spaß.

Ein richtiges Highlight ist das Schwingen, dass einerseits recht einfach von der Hand geht, aber ähnlich wie das Kampfsystem doch mehr Tiefe als erwartet bietet um WIRKLICH schnell durch die Häuserschluchten zu sprinten. Selten hat mir ein so simples Element wie die Bewegung von A nach B soviel Spaß gemacht.

Ebenfalls großartig ist die Geschichte bzw. der Ansatz von Insomniac an die Spider-Man Marke. Wie beim letzten Film oder der Batman Arkham-Reihe wird hier nicht wieder eine Origin-Geschichte runter gebetet, oder einfach nur ein Comic gewählt. Man nimmt sich Figuren und Geschehnisse aus dem Comic-Universum und mischt sie entweder geschickt zusammen, oder interpretiert sie hier neu.

Anfangs macht euch so ein großer Brocken noch Probleme

Denn im Gegensatz zum Alter-Ego in Warner/Rocksteady’s Spielen ist hier Peter Parker und dessen Beziehungen ein wichtiger Teil der Handlung. Dazu wurde auch die Zeit geschickt gewählt. Peter ist in seinen 20ern, hat einen fixen Laborjob unter dem gutmütigen Doktor Otto Octavius & versucht mit Mary Jane Watson trotz deren Trennung klar zu kommen. Die Geschichte lässt sich auch sehr viel Zeit und gut die erste Hälfte werdet ihr damit verbringen euch mit den ganzen Figuren zu arrangieren.

Auch Spider-Mans Persönlichkeit wirkt hier erfrischend dynamisch im Vergleich zum dunklen Ritter und es macht einen Spaß den zahlreichen Handy-Gesprächen zuzuhören. Sie gingen sogar soweit und haben unterschiedliche Tonspuren aufgenommen, wenn Peter/Spider-Man unter Belastung ist (läuft oder schwingt) oder in Ruhe spricht! Auf alle Fälle würde ich allen empfehlen, die mit Englisch kein Problem haben, diese Tonspur zu wählen. Die deutsche Synchro ist OK, kommt aber leider nicht an andere Spiele ran und manche Figuren wirken im Original deutlich passender.

oft kommen in solchen Szenen QTE’s zum Einsatz

Insomniac hat auch hier versucht das Geschehen etwas aufzulockern und lässt euch an manchen begrenzten Stellen in die Haut von Peter (also ohne Anzug), oder MJ schlüpfen. Das wirkt in ruhigen Momenten tatsächlich passend, nur leider bleibt es nicht dabei. So dürft ihr mit ihnen immer wieder durch Schleichabschnitte, die bestenfalls nett, im schlimmsten Fall aber wirklich lästig sind. Wenn man z. B. vor einem Superschurken flüchtet, verkommt das gerne mal zum Trial & Error und gerade im späteren Spielverlauf kann das nerven & den Spielfluss bremsen.

Davon abgesehen ist Marvel’s Spider-Man eines der besten Spiele dieses Jahr und obwohl es dann doch teils zu konventionell ist, gerade im Vergleich mit Titeln wie God of War, konnte es mich fast durchgehend motivieren, auch neben der fantastischen Handlung den Sammelkleinkram zu erledigen.

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