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Telltale Games – “Pixeltyp will remember that”

Nächstes Jahr ist Schluss. Das wissen wir nun alle und die Nachricht kam einerseits unerwartet und für viele andere doch nicht überraschend. Telltale Games kam plötzlich aus dem Nichts und wird dorthin auch wieder verschwinden. Sie haben es geschafft einem totgeglaubten Genre wieder neues Leben einzuhauchen. Das klassische Point-And-Click-Adventure hat wieder einen festen Platz im Bereich der Videospiele und Telltale Games darf sich ruhig und gerne einige Stücke vom Lobeshymnen-Kuchen abschneiden. Bis in die Anfänge/Mitte der 90er war das Genre ungebrochen beliebt und hatte großartige Klassiker von LucasArts, Sierra und Co. zu präsentieren. Mit dem Aufkommen von moderner Grafik und dem Wandel verpasste man jedoch den Sprung in die neue Zeit und so sammelte sich Staub an.

Es erschienen in den Jahren immer wieder Spiele, doch für großartigen Trommelwirbel konnte keines mehr so richtig sorgen und einstige Klassiker wie die Monkey Island-Reihe verschwanden am Firmament.

Als ein neues Sam & Max von LucasArts eingestellt wurde, gründeten Kevin Bruner, Dan Connors und Troy Molander Telltale Games im Jahre 2004. Als erstes Spiel und zu Testzwecken der eigenen Engine Telltale Tool, wurde Telltale Texas Hold’em entwickelt und veröffentlicht. An Sam & Max war man noch immer interessiert, jedoch fehlten zur Gründung noch die finanziellen Mittel um sich die Lizenz zu kaufen. So versuchte man sich weiter und fand mit der Fernsehserie CSI ein erstes größeres Franchise und der Weg der Veröffentlichung einzelner Episoden wurde mehr und mehr gefestigt – zu Zeiten von CSI wurde jedoch ein Komplettpaket verkauft. Die Spiele waren weder gut, noch großartig erfolgreich … es reichte aber um endlich einen Deal mit LucasArts in die Wege zu leiten um den Traum und den Wunsch Sam & Max in die Neuzeit zu befördern wahr werden zu lassen.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=3blzGwd4xLg

 

In den Jahren von 2005 – 2010 erschienen mehrere Spiele zu Sam & Max, CSI, Wallace & Gromit und sogar ein Monkey Island konnte zur Liste der eigenen Projekte hinzugefügt werden. Großes Aufsehen hatte man zwar noch immer nicht erlangt und die Spiele lebten eher ein Nischendasein, aber Telltale Games war zumindest auf der Landkarte der Entwickler angekommen und hat sich in den Jahren mausern können. Die Büros mussten vergrößert werden um Platz für die ganzen Mitarbeiter zu schaffen. Von einer handvoll waren es zwischenzeitlich auf 90 und bis 2010 auf 140 Mitarbeiter angewachsen.

Die kommenden Jahre sollten sich das Unternehmen weiterhin drastisch verändern. Neue Verträge und Abkommen wurden geschnürt und zwei Klassiker an Land gezogen. Zurück in die Zukunft war einer davon und der andere nannte sich Jurassic Park. Mit dem Dinosaurier-Spiel fügte Telltale Games auch neue Funktionen wie Quick-Time-Events und zeitlich begrenzte Entscheidungen hinzu, die sich später als Kernelement für alle weiteren Entwicklungen festigen sollten. Zu dem Zeitpunkt reichte es dem Entwickler aus, von den Spielen um die 100.000 Exemplare zu verkaufen um wirtschaftlich stabil und sehr gut über die Runden zu kommen. Der Absatz lag außerdem weit darüber und so wurden stets neue Pläne und Ideen entwickelt. Der erste mag da vielleicht schon einige Probleme riechen …

… Telltale jedoch nahm sich ganz anders war und die Erfolgsspur wurde lange nicht verlassen. The Walkind Dead. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und der Hype der Serie schob den Hype Train unentwegt voran. In 20 Tagen verkaufte sich das Spiel eine Millionen mal und ging bis 2013 gute 8,5 Millionen Mal über die digitale Ladentheke. Nun wusste jeder wer Telltale Games war und der Entwickler fand sich in sämtlichen Jahresrückblicken wieder. Jeder und noch mehr sprachen über die Rückkehr des Adventure-Games und Telltale wurde mit Lobeshymnen überschüttet, gefeiert und auf den Thron gehoben.

Wirklich unzählige Franchises wurden eingekauft und eine Zeit lang schien es so, als müsse jeder, der etwas von sich hält, mit dem Entwickler aus San Rafael, Kalifornien zusammenarbeiten. Borderlands, Game of Thrones, Minecraft, Batman, Guardians of the Galaxy, Stranger Things und The Wolf Among Us. 

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=RtkkHAmgYWs

 

So wurde die typische Telltale Games-Struktur der Erzählung und des Spielens auf jede Marke gestülpt. Alles wirkte austauschbar, wenig bis gar nicht innovativ und nutzte sich schnell und das sehr schnell ab. Wer weit oben ist, kann tief fallen und die Kritik am Unternehmen wurde mit jeder weiteren Episode größer. Neben der uninspirierten Kopie des eigenen Schaffens machte die hauseigene Engine ebenfalls immer häufiger Probleme und war schon lange nicht mehr zeitgemäß. Optisch verfiel sie immer weiter und machte es uns Spielern immer schwerer Emotionen und Gefühle aus der angestaubten Grafik zu erkennen. Telltale Games stagnierte und schaffte es einfach nicht sich neu zu erfinden. Das andere es besser können wie DONTNOD Entertainment mit Life is Strange mag vielleicht noch zu einem klitzekleinen Prozentsatz dazu beigetragen haben dem Studio schlussendlich das Genick zu brechen. Am Ende wird es aber die Größe mit 400 Mitarbeitern, den teuren Lizenzen, den Verzögerungen bei der Entwicklung, die Unzufriedenheit und dem Unmut bei dem Prozess der Fertigstellung geschuldet sein, das es weit mehr als 100.00 verkaufte Exemplare gebraucht hätte, damit der einstige Hype Train nicht komplett gegen die Wand ballert. Bums, aus und Ende.

Telltale Games hat sprichwörtlich den Zug der Umstrukturierung verpasst und hat sich leider nicht ein Beispiel an Ubisoft und Assassin’s Creed mehr nehmen können.

It’s been an incredibly difficult year for Telltale as we worked to set the company on a new course. Unfortunately, we ran out of time trying to get there. We released some of our best content this year and received a tremendous amount of positive feedback, but ultimately, that did not translate to sales. With a heavy heart, we watch our friends leave today to spread our brand of storytelling across the games industry. — Pete Hawley, CEO of Telltale

Liest man das Zitat von Pete Hawley vom 21. September 2018, mag der Eindruck entstehen das Mitarbeiter betrübt über die Schließung seien und man versucht habe alles gemeinsam zu ändern. Das mag in Ansätzen wohl auch stimmen; Umstrukturierungen wurden angestrebt und sich selbst hinterfragt. Doch bleibt der fade Beigeschmack, das den Mitarbeitern wohl bekannt war, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken, aber das Ausmaß wussten wohl nur sehr wenige. So hatten die Mitarbeiter 30 Minuten nach Bekanntgabe der Schließung Zeit ihre Büroräume zu räumen, erhielten keine Abfindungen und standen innerhalb weniger Minuten ohne Job auf der Straße. Auch wenn sie drei Tage später noch einmal zurück in die Büros konnten um das mitzunehmen, was vergessen wurde.

So ist im kalifornischen Gesetz verankert (Worker Adjustment and Retraining Notification Act of 1988), das Unternehmen ihre Mitarbeiter vor Massentlassung bis zu 60 Tage im Vorfeld informieren müssen. Das sei nicht erfolgt. Somit werden wir auch noch in Zukunft und das wohl eher negativ über Telltale Games hören und der einstige Glanz platzt ab. Unschön und sehr traurig. Auch für die nicht fertig gestellten Projekte wie Stranger Things, das sich im neuen grafischen Gewandt zeigte, kam jede Hilfe zu spät. Man kann Telltale Games danken, einst den Mut gehabt zu haben, den schweren Weg im Adventure Genre gegangen zu sein um für mehr Abwechslung im Bereich der Videospiele zu sorgen. Aber auch ich habe mich schon vor zwei Jahren gefragt, wie lange dieser Weg der ewigen Selbstkopie gegangen werden kann, ohne mal so richtig zu stolpern. Das es am Ende nun so kommt, das der Entwickler gar nicht mehr aufstehen kann, hat mich dennoch sehr überrascht.

Fans von The Walking Dead werden aber ein Ende finden, denn Skybound Games wird die letzten beiden fehlenden Episoden zu TWD zum verdienten Ende bringen.

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