AdventureHorrorReviewVideospiel

Call of Cthulhu – Der Wahnsinn ist erst der Anfang

Edward Pierce diente im Ersten Weltkrieg und hat sich bis heute (1924) noch nicht davon erholt. Er versucht sich daher als Privatdetektiv – erfolglos. Mehr und mehr greift er zu der einzigen Medizin, die ihn klar denken lässt: Alkohol.

Seine Trinksucht wird ihm schnell zum Verhängnis, denn es wollen immer weniger Kunden seine Dienste in Anspruch nehmen.

Eines Tages erscheint ein alter Mann auf seiner Türschwelle und möchte, dass Pierce herausfindet, was mit seiner Tochter, seinem Schwiegersohn und Enkel passiert ist. Diese sind bei einem Brand in dem mysteriösen Örtchen Darkwater ums Leben gekommen.

Seine Tochter, eine begnadete Malerin der dunklen Künste, zeichnete kurz vor ihrem Tod ein Gemälde, das Fragen aufwirft.

So begibt sich unser trunkener Protagonist auf die beschwerliche Reise nach Darkwater und versucht herauszufinden, was es mit den Gemälden, dem Brand und vor allem den seltsamen Bewohnern auf sich hat.

Schnell wird Pierce bewusst, dass der Alkohol nicht das Einzige ist, was ihn nicht ausnüchtern lässt.

So steuern wir einen Charakter, der trotz seiner düsteren Vergangenheit und den immer präsenteren Folgen dessen, einer der wenigen ist, die noch voll bei Verstand sind – so glaubt er zumindest.

Immer weiter sucht er nach schwierigen Rätseln, die er lösen muss, um weiter zu kommen. Je weiter er in diesen Rätseln und Problemen der Leute verstrickt wird, desto schwieriger wird es, die Realität vom Wahnsinn zu trennen. Immer häufiger sieht er Dinge, die eigentlich gar nicht da sein können – oder etwa doch?

Viele Entscheidungen haben Konsequenzen. Wenn man sich verspricht, den falschen Ton anschlägt und die Leute einem nicht mehr helfen möchten, bleibt manchmal nur der Griff zur Selbstjustiz. Man muss dann andere Wege finden und auf eigene Faust agieren. Ob dieser Weg genau der ist, den wir einschlagen wollten, erfahren wir erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt.

Manchmal schalten wir, wie in einem Rollenspiel, gewisse Attribute frei. Wir können auf Stärke, Befragung oder auch Intellekt skillen, um neue Gesprächs- und Interaktionsoptionen freizuschalten. Mit der Findung von speziellen Items können wir besondere Aspekte auflegen, z.B. Medizin und Okkultismus.

Dabei bleibt Call of Cthulhu bis zum Ende hin eine ganz eigene Erfahrung. Es bleibt konstant spannend, weiß mit wenigen und gut platzierten Jump Scares zu überzeugen und zeigt immer wieder an, dass es sich um ein Horrorspiel mit Spannungsbogen handelt. Die Monster sehen schrecklich aus und man ist ihnen ausgeliefert. Man spielt zwar einen Kriegshelden, ist aber noch lange kein Kämpfer. Bewaffnet mit einem Feuerzeug, einer Taschenlampe und dem nicht immer funktionierenden Verstand, kämpft man in der Regel gegen Puzzle und sucht Büsten, die einen neuen Hinweis auf den Verbleib eines Quest-Gegenstandes geben. Dies macht durchaus Spaß und wirkt zu anderen Horrorspielen, die rein auf die Waffe und das Monster vertrauen, sehr erfrischend.

Es gibt nur einen Kritikpunkt: die Grafik. Call of Cthulhu läuft flüssig, doch weiß bei Weitem nicht mit seiner Grafik zu beeindrucken. Die Menschen sehen aus, als sei bei der Modellierung ein schwerwiegender Fehler unterlaufen und auch die Umgebung ist meist eine Mischung aus Matsch und grüner Farbe. Genauso verhält es sich mit dem Licht, das im Spiel grün und in der Rendersequenz dann rötlich wird. Na ja, aber Grafik ist nunmal nicht alles.

Nach gut 7-8 Stunden Spielzeit weiß Call of Cthulhu zu überzeugen. Am ehestens könnte man es mit The Evil Within vergleichen, wenn man den die Schießerei weglässt. Es hat auch Anwandlungen von The Council, wenn man auf den Rollenspielaspekt in einem Dialog eingeht.

Fazit:

Mir hat Call of Cthulhu sehr viel Spaß gemacht. Ich wollte stets wissen, wie es weitergeht und habe es in einem Rutsch durchgespielt. Die Charaktere wissen ohne Mimik und Gestik zu überzeugen. Die englische Sprachausgabe ist sehr gut und der komplette okkulte Tonus ist im Einklang mit einer sehr guten Detekivgeschichte.

 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.