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Anthem – Noch (k)ein Stern am Loot-Shooter Himmel

Eigentlich würde ich an dieser Stelle eine Review zu einem, gefühlt, halb-fertigen Spiel schreiben, das wie so ziemlich jedes Game in diesem Genre zu den “Games as a Service” gehört. Ein Begriff, der so ziemlich jedem Gamer geläufig ist, aber von vielen Gamern verteufelt wird.

Doch was bedeutet dieses Geschäftsmodell eigentlich?

Also “Games as a Service” oder kurz GaaS, sagt eigentlich nur aus, dass Spiele erst einmal als ein Service gesehen werden und nicht mehr als ein abgeschlossenes Produkt, so wird eigentlich immer weiter an diesen Spielen gearbeitet, bis der Service endet, das wird dann meistens irgendwo im Kleingedruckten festgelegt oder aber groß kommuniziert, über sogenannte Roadmaps, die den weiteren Verlauf der Entwicklung zeigen und auch zeigen, welche Inhalte auf den Gamer noch zukommen. Meistens steht das in Verbindung mit den allseits beliebten Season Passes oder aber anderen Abo-Funktionen. So hat zum Beispiel in Destiny 2 eine Mischung aus Pay2Play, also das Spiel kaufen und dann kann man es spielen und einem so genannten Freemium-Service. So muss man das Spiel kaufen und kann trotzdem einen Season Pass kaufen, der einem mit Premium-Content versorgt, aber trotzdem gibt es noch kostenlosen abgespeckten Inhalt, den alle nutzen können. Ein etwas anderes Modell verfolgen da die meisten Free2Play-Spiele, also Spiele, die “eigentlich” nichts kosten, aber euch trotzdem was bieten, diese finanzieren sich meistens über kosmetische Gegenstände. So gibt es also heutzutage für jeden Publisher eine Möglichkeit, sein Spiel perfekt zu monetarisieren, also damit Geld zu verdienen, ohne dass sich die Gamer abgezockt fühlen. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass es auch bedeutet, dass Spiele teilweise nur mit einer Grundausstattung ausgeliefert werden und dann wird das ganze Spiel über die nächsten Monate immer weiter aufgebaut. So viel also zum Thema GaaS.

Was hat das denn nun alles mit Anthem zu tun?

Anthem nutzt auch das Games as a Service-Modell und bedient sich einer Mischung aus Pay2Play und Mikrotransaktionen, dass große Problem ist hierbei nur, dass Anthem wegen Bugs, mangelndem Content und einer nicht ganz so epischen Story schnell in der Kritik stand. So ist der Metascore bei Metacritics und openCritics doch sehr vernichtend, mit einem Score um die 60. Der User-Score sieht da noch schlimmer aus mit einer 4,5 bei Metacritics. Begründet wird das meiste mit dem fehlenden Content, die vielen Bugs, dem schlechten Lootsystem und natürlich der furchtbaren Story und da scheiden sich die Geister, denn es gibt auch Gamer, die einfach nur Spaß mit dem Spiel haben und dazu gehöre ich auch. Fangen wir aber nun ganz von Vorne an und vor allem, wie ich den Start von Anthem erlebt habe.

Als Anthem angekündigt wurde, hatte ich schon meine Bedenken, denn bei der Grafik habe ich schon Downgrade geschrien und wusste ganz genau, dass es nicht so aussehen kann, wie sie es gezeigt haben. Meine Meinung hat sich vor allem darauf bezogen, dass BioWare, der Entwickler von Anthem, Mass Effect und Dragon Age, immer schlechtere Qualität gebracht hat und die Spiele dementsprechend auch verbuggt und langweilig wurden, gerade nach dem mein Dragon Age: Inquisition Spielstand nach 20h einfach gestorben ist. So kommen wir aber zu meinem ersten Anspielen, dass muss wohl Ende letzten Jahres gewesen sein, im Zuge der Alpha, hier hat man schon gemerkt, dass vieles im Argen liegt und Anthem eigentlich zu früh kommt, aber gut, es war eine Alpha und die muss nicht perfekt sein, wobei ich die Grafik und das eigentliche Gameplay schon ganz gut fand. Dann habe ich die erste VIP-Demo gespielt, die technisch ein Total-Ausfall war, es hat irgendwie nichts funktioniert und es war ein Wunder, wenn man mal spielen konnte, also es hätte spätestens da um ca. 6 Monate verschoben werden müssen, wurde es aber nicht. Dann habe ich ca. 1,5 Wochen vor Release einen Stream von BioWare gesehen, in dem sie erzählt haben, dass sie schon viel Feedback umgesetzt haben und versuchen, so schnell wie möglich Verbesserungen und Content zu bringen. Also habe ich Anthem noch einmal eine Chance gegeben, in der Hoffnung, dass es nicht so eine Katastrophe wie Fallout 76 wird.

So habe ich das Ding dann auch schnell im PlayStation Store vorbestellt, damit die Freundin auch mitspielen kann und Punkt Null Uhr ging es am 22. Februar los und was soll ich sagen? Ich war positiv überrascht, es lief halbwegs stabil und ich hatte kaum Verbindungsabbrüche. Das einzige große Problem war, dass Anthem dreimal bis heute (dem 5.3.2019) meine Firmware gekillt hat, aber okay, sogar die Story ist meiner Meinung nach ganz okay und zweckdienlich.

Kommen wir aber nun auch erst einmal zur Story, denn diese dreht sich um unsere Figur, die den Freelancern, eine von drei verbündeten Fraktionen angehört, diese beschützen die Menschen und Bastion, die Welt in der Anthem spielt, vor Gefahren. Dann gibt es noch die Arkanisten, eine Mischung aus Wissenschaftler und Archäologe. Zum Schluss sind da noch die Sentinels, die machen dasselbe wie die Freelancer, allerdings nur im Bezug zur Königsfamilie und den Siedlungen, denn Bastion ist sehr gefährlich.

Bastion ist gerade durch die Gestalter, einer Vorgänger-Zivilisation, so gefährlich geworden, denn diese haben mit dem Gefüge der Realität rumexperimentiert und sich dadurch scheinbar selbst vernichtet, aber nicht ohne riesige Monster und andere fiese Kreaturen zurückzulassen. Doch genau um diese Macht geht es: In Anthem wird sie liebevoll Hymne (engl. Anthem) genannt. So möchte das Dominian diese Hymne kontrollieren, um die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten und bei einem Angriff auf eine Siedlung wird genau diese Kraft kurzzeitig freigesetzt. Dadurch wird ein Kataklysmus ausgelöst, der die Siedlung zerstört hat und auch für alle Lebewesen sehr gefährlich ist, da Menschen verrückt werden und in dem Einflussbereich der Kraft gelten auch nicht unbedingt die Naturgesetze und genau hier setzt die Story von Anthem an.

Auch wenn die Story nicht unbedingt einen Preis für Innovation gewinnt, ist sie gut geschrieben und hat mir dank einiger Wendungen Spaß gemacht und wer wirklich in der Welt von Anthem versinken möchte, kann sich super viele Gespräche von NPCs anhören, die noch einmal die Welt vertiefen und einem interessante Informationen geben.

Nachdem man dann die Story durch hat und bis Level 30 gelevelt hat, beginnt Anthem aber erst so richtig, eigentlich wie jeder Loot-Shooter/ MMO, wird hier viel Wert auf die perfekte Zusammenstellung eurer Fähigkeiten und eurer Ausrüstung gelegt, denn das Endgame, erinnert mehr an Diablo 3, als an Destiny oder The Division. So geht es eigentlich darum, dass man nach der Story die Grandmaster-Schwierigkeitsgrade hochklettert und sich immer besser auf die Gegebenheiten dieser einstellt. So machen die Gegner im Vergleich zu Normal oder Schwer enorm viel mehr Schaden und ihr werdet am Anfang schnell zu einem One-Hit-Wonder und könnt eigentlich alleine gar nicht gegen die Gegner bestehen. Das ändert sich aber mit jedem Masterwork, was ihr bekommt, also dem Endgame-Gear, dieses hat zusätzliche Fähigkeiten und extra Perks, die euren Cooldown beschleunigen, mehr Schaden machen oder aber dafür sorgen, dass ihr mehr einstecken könnt. All das muss perfektioniert werden, damit ihr noch stärker werden könnt und ihr euren Javelin, die Anzüge die ihr nutzt, immer mehr beherrschen könnt. Dort kommen auch zwei große Kritikpunkte zum Greifen, das fehlende Endgame und der schlechte Loot.

Eines schon mal vorne Weg, die Waffen sehen leider alle ziemlich gleich aus und machen fast nur in ihren Werten und Handling einen Unterschied, jedoch ist die “Loot-Kritik” eher auf die Perks eurer Ausrüstung bezogen, denn diese waren zu Anfang sehr sehr mies und machten Teilweise absolut keinen Sinn und das war großer Mist. Wie ich aber jetzt schon geschrieben habe, WAR es großer Mist, denn BioWare hat sie schon korrigiert und einen Loot-Patch rausgebracht, der das und noch eine andere wichtige Sache korrigiert hat, denn das Craften von Masterworks hat unfassbar viele Ressourcen verschlungen und auch das wurde wieder zurückgeschraubt. Das Einzige, dass jetzt noch nervt ist, dass man oft noch viele weiße und grüne Items bekommt, also die schlechtesten Sachen, die es gibt, aber auch das soll in einem späteren Patch wegfallen, also gelobt BioWare hier schon Besserung und hat hier auch den Schritt in die Richtung gemacht.

Kommen wir aber jetzt zum fehlenden Endgame, denn dass ist aktuell leider wirklich etwas mager, allerdings auch nicht ganz so extrem, wie man es gerne hinstellt. Es gibt so genannte Aufträge, diese könnt ihr beliebig oft machen und sind so eine Art prozedural generierte Mission, die euch Ziele abklappern lässt, davon gibt es einmal am Tag auch drei legendäre Varianten, diese haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit Masterworks zu droppen, vor allem ab Grandmaster I, und bieten stärkere Gegner und stärkere Bosse, als ihre “normalen” Versionen. Dann gibt es noch die Festungen, davon gibt es auch drei, allerdings ist eine davon die letzte Story-Mission und das ist leider schon sehr mies. Trotzdem erinnern diese stark an Raids oder Dungeons, die extrem hart sind und sehr gute Belohnungen bringen. Gerade auf den Grandmaster-Stufen braucht man schon gutes Gear und man muss seinen Javelin auch spielen können, denn sonst klappt da leider nichts. Zu guter Letzt gibt es noch Herausforderungen, mit denen ihr Geld verdienen könnt, mit diesem oder einer Echt-Geld-Währung könnt ihr euch kosmetische Items, wie Rüstungsanpassungen oder Emotes kaufen, also nichts, was einen weiterbringt. Also hier haben die großen Kritiker Recht, allerdings ist Nachschub auf dem Weg! Denn im März Startet Akt 1, hier soll es eine neue Festung und viele neue Events geben, die die Spieler, die noch übrig sind, am Spielen halten sollen. Zu dem gibt es im Mai einen Kataklysmus, der die Spielwelt noch einmal gehörig auf den Kopf stellen soll, was dort passieren wird weiß aber noch keiner.

Zu guter Letzt kommen wir noch zu den Bugs, denn von denen wird ja so gut wie jedes BioWare-Spiel geplagt, so habe ich in Mass Effect 3 und in Dragon Age: Inquisition schon den ein oder andern Spielstand verloren. Anthem aber läuft zumindestens flüssig und da die Daten Online gespeichert werden, gibt es an dieser Front keine Probleme, trotz Verbindungsabbrüche und Crashes. Jedoch gibt es eine Sache, die eigentlich nur PS4-Spieler betrifft und das ist der Totalabsturz der Konsole und der macht den Leuten gehörig Angst. Mir ist das jetzt auch schon insgesamt dreimalpassiert, allerdings gibt es dafür einen kleine Workaround, so solltet ihr das Spiel, bevor ihr es einfach beendet erst einmal verlassen, also ins Hauptmenü zurückkehren, damit ihr nicht mehr im Spiel seid und dann sollte das ganze Problem seltener auftreten. Das Problem, das bei mir aber am häufigsten vorgekommen ist, waren Verbindungsabbrüche, aber hier kann ich nicht genau sagen, ob es am PSN liegt oder an den EA-Servern. Alles in allem ist Anthem von der technischen Seite aber nicht gerade im optimalen Zustand, wenn man es vorsichtig ausdrückt, denn durch lange Ladezeiten wird das Spiel oft unterbrochen und Ausrüstung könnt ihr nur per Schmiede ändern und das bedeutet leider wieder mal eine lange Ladezeit und das nervt!

Hab ich nun trotzdem Spaß an Anthem?

Ja, denn es ist genau die Art von Endgame, die ich liebe und auch wenn jetzt immer noch nicht alles wirklich geil ist, steckt in Anthem einfach so viel mehr Potenzial, als in anderen Genre-Vertretern. Das beginnt schon dabei, dass Questlines nicht hinter irgendwelchen Zeitschlössern warten oder dass man pro Woche nur so viel spielen darf. Ich bestimme das Tempo, aber genua wie jeder andere rege ich mich über die technischen Probleme auf, denn diese nerven einfach nur enorm! Der ganze Hass, der zu Anthem entsteht, ist aber einfach ungerechtfertigt, denn wie oft gab es noch eine 80%-Wertung auch wenn das Spiel in einem noch schlimmeren Zustand war und dass für eine Singleplayer-Erfahrung, wie zum Beispiel Prey, da wurde sogar teilweise noch nachgetestet, aber Anthem wird diese Chance wohl nicht mehr bekommen. Denn für die einen ist es kein BioWare-Spiel, obwohl das im Vorfeld kommuniziert wurde und für die anderen ist es halt nicht wie die anderen Loot-Shooter. Tja und dann gibt es noch die Leute, die sich eh keine eigene Meinung bilden und einfach nur Person X, also irgendwelchen Streamern, YouTubern oder Online-Journalisten nachplappern.

Also hat Anthem Aktuell eine schlechtere Bewertung (um die 60-70 Punke) verdient?

Ganz klar, Ja! Aber es hat Potenzial und wenn EA und BioWare sich jetzt endlich mal hinsezten und etwas tun anstatt BioWare zu schließen, dann kann Anthem eiinfach nur super werden, aber bis dahin ist es ein harter und steiniger Weg, der gegangen werden muss. Allerdings durch die offene Kommunikation über Twitter und Twitch macht BioWare schon viel besser als der Genre-Primus Destiny, denn die verstecken sich seit 5 Jahren einfach nur hinter holen Phrasen! Also ich bin gespannt und hoffe, dass BioWare seinen Weg finden wird.

Zu Anfang habe ich erwähnt, dass ich eigentlich ein Review schreiben würde, aber dieser Artikel wird eher unter der Kategorie Angespielt laufen, denn ein Review bei einem Spiel, das sich hoffentlich ständig weiterentwickelt macht unserer Meinung nach keinen Sinn, so würde man nur einen Stempel aufdrücken, der in ein paar Monaten einfach nur noch falsch ist, ob es jetzt besser oder schlimmer wird. Ich hoffe, dass ihr diese Haltung akzeptiert und wir lesen uns dann am Ende vom ersten Akt noch einmal wieder!

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