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‘Playing Hard’ – Selbstdarstellung in par excellence

Auf der Streamingplattform Netflix ist eine Dokumentation zum Spiel For Honor erschienen, das von und für Ubisoft produziert wurde. Das Team hinter ‘Playing Hard’ hat die Entwicklung vom Pitch bis zum Release verfolgt und insgesamt vier Jahre lang begleitet. Das Team rechnet Ubisoft die Offenheit sehr hoch an, auch wenn man zwischenzeitlich für einige Monate nicht drehen durfte, da der Publisher/Entwickler Angst vor ungewollten Leaks hatte – nach zahlreichen Diskussionen durfte das unabhängige Team aber ihr Werk fortführen. Das Ergebnis ist eine knapp 90 Minuten lange Dokumentation.

Unabhängig ist auch hier das richtige Stichwort, denn Ubisoft war weder an der Produktion beteiligt oder war auf anderem Wege in das Projekt involviert. Da kann man durchaus den Hut vor ziehen – die Türen so bereitwillig zu öffnen ist eher selten in der Branche. Im Fokus der Dokumentation stehen folgende Personen: Creative Director Jasen VandenBerghe, Produzent Stéphen Cardin und Brand Manager Luc Duchaine. Der Rest des Teams kommt eher selten in den Fokus, was bei der großen Anzahl an Mitarbeitern ehrlicherweise auch nicht ganz einfach ist, aber dennoch liegt der Fokus mir persönlich zu sehr auf die drei genannten Personen, die ohnehin präsent in den Medien waren.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ia_iw4omC9Q

Es ist durchaus möglich einen winzig kleinen Eindruck in die Branche zu erhaschen, gerade weil die Arbeitszeit und der Druck mitunter enorm gewesen sein muss, da die Mitarbeiter schon mangelnde Pausen, Freizeit, etc. anprangern. Auch gehen reihenweise Kündigungen ein und es ist schwer die Mehrarbeit auf noch weniger Schultern zu verteilen. Logisch. So beginnt die Dokumentation für mich persönlich spannend und interessant, gerade auch durch die Persönlichkeit namens Jasen VandenBerghe. Der Mann, der an jedem Finger und Daumen einen Ring trägt und einen Gehstock mit sich führt. Vielleicht erinnert sich ja noch der ein oder andere von euch an die E3 2015 von Ubisoft, wo For Honor vorgestellt wurde. Doch und leider mit jeder weiteren Minute nahm meine persönliche Zuneigung zu ihm ab. Sogar soweit das er mir am Ende unsympathisch war und ich ihn als unauthentisch empfand und widersprüchlich in seinen Äußerungen. Generell sind seine Monologe immer wieder über das Bildmaterial gelegt worden, indem er sehr pathetisch von Krieg, Frieden und seinem sensiblen und introvertierten Charakter spricht. Leider knallte mir irgendwann nur noch der Gedanke der Selbstdarstellung in den Kopf. Menschen die wirklich weinen, deren Augen sehen definitiv und einfach anders aus.

Das mag auch alles gar nicht stimmen was ich und wie ich über ihn denke; fair ist es ohnehin nicht, da ich ihn nicht persönlich kenne. Aber schlussendlich wird er für all das sein “OK” gegeben haben und mein Eindruck wandelte sich rasch. Zumal die Dokumentation einen ganz großen und gravierenden Fehler macht – sie stellte mich vor vollendete Tatsachen. Mit mal ist die Stimmung am Boden, Jasen VandenBerghe ist raus und maximal angepisst. Warum? Ich habe keine Ahnung. Es wird einfach nicht ge- oder erklärt warum er angepisst auf seine ehemaligen Kollegen ist. Auch Stéphen Cardin braucht und nimmt sich wohl seine verdiente Auszeit. Aber warum genau? Er ist erschöpft und müde, denke ich und wäre verständlich. Aber das erfahre ich nicht wirklich und die Dokumentation dokumentiert das nicht. Und was mich wirklich verstimmte ist tatsächlich die Tatsache, wie ich es schon erwähnte, das der Scheinwerfer zu sehr auf die drei Persönlichkeiten gerichtet ist. Die haben “zumindest” den Luxus und dürfen sich die Zeit nehmen auf Messen zu fahren, Interviews zu führen und all die wohl etwas angenehmeren Dinge wahrzunehmen. Ja, ich weiß … auch das ist weder leicht, noch immer angenehm und wirklich Arbeit. Aber im Studio sitzen hunderte von Menschen die ihre komplette Freizeit opfern und nur noch fürs Projekt leben.

Im Ansatz eine ordentliche Dokumentation, der aber weniger Jasen VandenBerghe gut getan hätte. Wie ich es im Titel schon schrieb und dabei bleibe ich auch am Ende: Selbstdarstellung par excellence.

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