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A Plague Tale – Innocence

Wir starten im 14. Jahrhundert, im Mittelalter, in Frankreich, zu einer Zeit, in der es noch Königreiche, Burgen und leider auch die Pest gab.

Was zu Beginn noch sehr wundervoll klingen mag, wird ganz schnell zu einer sehr düsteren Erfahrung. In A Plague Tale schlüpfen wir in die Rolle einer Teenagerin namens Amicia.

Diese begibt sich mit ihrem Vater auf einen kleinen Spaziergang. Auch ihr Hund ist mit dabei und leitet sie pflichtbewusst zu Wild und mehr. Doch gerade dieses “mehr” bringt sehr schnell sehr düstere Wendungen mit sich. Amicia und ihr Vater entdecken einen Schlund, ein kleines Loch, das endlos tief wirkt, aus dem Kreaturen herausströmen, die Lebewesen sehr schnell vertilgen: Ratten.

So fliehen sie schnell ins Chateau zurück, um dem ganzen auf den Grund zu gehen. Und da beginnt auch schon ganz schnell die Düsternis. Das Chateau wird angegriffen, Amicia wird zu einer Waise und muss sich zudem auch noch um ihren kleinen, leicht andersartigen Bruder kümmern.

Zusammen fliehen sie von einer Misere in die nächste und kommen nur sehr selten zu Atem. Hugo, ihr kleiner Bruder, ist dabei sehr anstrengend. Er handelt seinem Alter entsprechend, möchte wissen, wo seine Eltern sind und wohin sie gehen. Amicia ist dieser Rolle nicht gewachsen und handelt dementsprechend grob und teils auch fahrlässig.

Auf ihrer langen Flucht, die gut die Hälfte des Spiels ausmacht, müssen sie sich oft vor Wachen verstecken, die sie mit einem Schlag niederstrecken können. Sie müssen teils weglaufen oder aber auch neue Wege in kleineren Rätselpassagen finden, um weiter voranzukommen und natürlich der Gefahr zu entkommen.

Wenn die Wachen nicht das Problem sind, dann doch die unzähligen Ratten, die sich in Strömen zusammenrotten und unüberwindbar scheinen – zumindest zu Beginn.

Nach und nach lernt Amicia, wie sie Wachen ablenken, dann niederstrecken und zum Ende hin sogar als menschlichen Köder nutzen kann, um ihr Ziel zu erreichen. Was am Anfang noch recht harmlos wirkt, wird also ganz schnell zu einem mörderisch finsteren Vergnügen. Dabei wird im Spiel aber oft angesprochen, das Amicias Taten nicht richtig sind und sie muss sich dann auch mit ihnen auseinandersetzen. Erst tut sie dies oberflächlich, doch gerade zum Ende hin, wird sie auch tiefgründiger.

Amicia und Hugo treffen auf ihrer Reise immer wieder auf neue Weggefährten. Manchmal sind diese alte Frauen, die ihnen einen Weg zur Flucht eröffnen, manchmal alte Männer, die ihnen den Weg zu einem sicheren Versteck weisen und meistens sind es Kinder, die sich ihnen anschließen und ihre Fähigkeiten ergänzen. Manche Kinder können Schlösser knacken, andere Türen rammen und wieder andere haben ein feines Gespür für Alchemie.

Und genau diese ist ein großes Thema in A Plague Tale. Die Beulenpest verbreitet sich über den Biss von Ratten. Es werden immer mehr Ratten und das einzige Mittel zum Überleben ist meist nur noch die offene Flamme, welche von den Biestern verabscheut und gemieden wird. Erlischt eine Flamme, gibt es also kein Halt mehr für die Übermacht der Ratte.

Die Geschichte dreht sich also um die Flucht, das Überleben, das Detektivspiel um die Seuche und zu guter Letzt um das Weiterleben mit den Konsequenzen.

Rein spielerisch bietet A Plague Tale dabei leider nur eine Taste zum Rennen, eine Taste zum Aufheben und Analysieren und ein Radialmenü mit Zusatzfähigkeiten. Manche Fähigkeiten, wie etwa die Möglichkeit, eine Steinschleuder zu benutzen, um Gegner in eine Richtung zu locken, sind sehr banal. Andere Fähigkeiten, wie etwa ein Feuer zu entfachen oder es zu löschen, bauen sehr gut auf anderen Fähigkeiten auf.

Stunde um Stunde gibt es neue Fähigkeiten, die auch sofort eingesetzt werden müssen, um weiter zu kommen.

An manchen Stellen herrscht das Prinzip des Trial and Errors, an anderen Stellen wiederum ist es wichtig, genau das zu tun, was das Spiel von einem möchte, an ganz wenigen Stellen müssen wir rätseln. Kommen wir an einem sogenannten Rätsel nicht innerhalb von 30 Sekunden weiter, bekommen wir einen Hinweis bzw. wird die ganze Lösung genannt. Das ist etwas schade, da die Rätsel nur aus schieben und anzünden bestehen und wirklich sehr einfach gehalten sind.

Schwieriger sind manche Passagen mit mehreren Gegnern, in denen eine gewisse Reihenfolge eingehalten werden muss, wie die Gegner zu umgehen oder sogar zu eliminieren sind. Entdecken uns Gegner und sind wir nicht schnell genug, um diese auszuschalten, sterben wir nach nur einem Schlag – eiskalt.

Gerade der letzte Bossgegner, von dem ich an dieser Stelle nichts weiter sagen werde, versteht sich im Ein-Schlag-Tot verteilen sehr gut, was auch manchmal für Frust sorgen kann. Das Gute ist aber, dass die Kontrollpunkte sehr fair gesetzt sind und man nie viel Spielzeit verliert.

Apropos Spielzeit: Diese beträgt ungefähr 8 – 10 Stunden und fällt genau richtig aus. Gegen Ende hin hätte mir sogar ein Kapitel weniger ausgereicht, um mit der Geschichte und ihrem Ausgang zufrieden zu sein. 16 Kapitel sind zwar in Ordnung, doch wirken manche Passagen leicht ausgedehnt. Gerade dann, wenn man auch einmal Hugo spielen darf, der nun wirklich nicht sehr spielenswert ist.

Sehr gut gelungen ist vor allem die Grafik des Spiels. Jeder Ort ist mit so viel Liebe zum Detail erstellt worden, dass manche düstere, von Ratten heimgesuchte und mit Menschenleichen übersäte Kulissen zum Gruseln einladen. Es gibt kein richtiges Backtracking, lediglich einen einmaligen Besuch eines völlig veränderten Ortes.

Die Framerate auf dem PC ist für diese Grafikleistung auch in Ordnung. Meistens hatte ich 60 FPS, gelockt, die nur an manchen Stellen leicht nachgaben – und dann war auch wirklich sehr viel Gewusel auf dem Bildschirm.

A Plague Tale ist ein Adventure durch und durch. Man muss zwar keine Entscheidungen treffen, doch weiß das Spiel seine großartige und auch fesselnde Geschichte zu erzählen. Es wird sehr oft Bezug zu den Charakteren genommen und der rote Faden ist deutlich ersichtlich. Nebenbei gibt es immer wieder Quests, die aufeinander aufbauen und dadurch, dass man keine Freiheiten in der Auswahl der Quests hat, erzählt das Spiel kontinuierlich seine Geschichte weiter und bekommt so auch keine Logiklücken.

Zwar fällt das Spiel schon fast aus einer Mischung aus interaktivem Film und Assassin’s Creed Light (wegen des vielen Schleichens), doch ist es immer noch ein grundsolides Spiel, das bis zum Ende hin Spaß macht. Dabei kostet es auch nur rund 30-45€, was wiederum angemessen zur Spielzeit und auch -Umfang ist.

Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung für Adventure-Fans, die nicht zu viel Rätseln wollen, aber auch nicht auf eine spannende Geschichte verzichten möchten.

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