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Anno 1800 – Bauen, versauen und wieder aufbauen

Ach, wie schön sind diese entspannenden Spiele, bei denen man mit wunderschöner klassischer Musik vor dem Rechner sitzt und man langsam aber sich in ein Stadium der Glückseligkeit verfällt, ohne dass irgendjemand die innere Mitte stört. So etwas erwartet man von einem Anno, oder nicht? Naja, die Realität sieht anders aus, denn anders als in Tropico 6 wird hier nicht auf Charm und Witz aufgebaut, sondern auf harten Fakten.

So ist zu Anfang der Kampagne schon mal Daddy gestorben, denn dieser hat sich im Gefängnis umgebracht, oder nicht? Auf jeden Fall will der böse Onkel nun, dass ihr eure Schulden für die Beerdigung bezahlt, die scheinbar schweine Teuer war, nachdem besagter Onkel auch noch das Unternehmen von Daddy übernommen hat. Deswegen baut ihr jetzt euer eigenes Unternehmen auf, damit ihr…

… also damit ihr, ja keine Ahnung. Im Verlauf der Handlung müsst ihr Berge sprengen und anfangen, Schiffe zu bauen, aber die Story alleine ist naja ein ausgebautes Tutorial, in dem ihr lernt, wie man Anno überhaupt spielt, deswegen ist die Story auch eigentlich nicht groß erwähnenswert, aber das Kernstück ist das verdammt geniale Gameplay, das euch zwingt, den Platz, den ihr habt, optimal zu nutzen, um eure Produktionsketten so effizient wie nur irgendmöglich aufzubauen. Deswegen gibt es ein paar Funktionen, die euch helfen, eure Insel, also den Stadtteil und die Produktion, besser zu planen und effizienter zu verändern.

Zum einen gibt es den Blaupausen-Modus, dieser erlaubt es euch, Gebäude zu planen, also ihr zeigt quasi einfach nur, wo ihr diese bauen wollt, aber diese werden nicht von selber gebaut oder halt sofort gebaut, das geht zwar auch und ist die Standardeinstellung, aber der Blaupausen-Modus hilft gerade im späteren Verlauf zu planen. Sobald ihr später dann auch noch Platz für neue Gebäude braucht, könnt ihr alte Gebäude per Drag and Drop einfach aus dem Weg ziehen, toll oder? Das sind die zwei Sachen, die mir geholfen haben und mein Erlebnis deutlich verbessert haben. Trotzdem bleibt Anno Anno und das ist auch gut so, denn es ist zu jeder Zeit fordernd und ihr müsst schon früh im Spiel darüber nachdenken, was als nächstes gebraucht wird.  Gerade wenn eure Stadt anfängt, rasant zu wachsen, müsst ihr darauf achten, dass ihr von jeder Arbeiterschicht genügenden Arbeitskräfte braucht.

Ihr habt noch nie von Arbeitskraft gehört und fragt euch gerade, was das sein soll in Anno? Tja, dann habe ich jetzt schlechte Nachrichten für euch, denn das ist die neue Hauptressource, die ihr verwalten müsst, denn ihr müsst, um euere Industrie am laufen zu halten, von jeder Arbeiterschicht genügend Bewohner zur Verfügung haben, denn ohne Bauern könnt ihr keine Felder bewirten und ohne Handwerker gibt es halt keine Fenster. So müsst ihr wie im echten Leben ein Gleichgewicht schaffen, dass euer empfindliches Ökosystem intakt hält. Falls ihr aber dann doch mal in den Minusbereich wandert, solltet ihr entweder schnell sein, oder aber genügend Speicherstände angelegt haben, denn sonst dürft ihr noch einmal ganz von Vorne anfangen. Mit der wachsenden Bevölkerung und mit den neuen Entwicklungsstufen müsst ihr auch neue Herausforderungen meistern, die euch zwingen, immer komplexere Produktionsketten zu errichten und eure Erzeugnisse zu immer neuen Waren verarbeiten. Darunter Konserven, Fenster, Seife, Brot, Bier und vieles mehr. All das macht Anno auf lange Sicht schon zu einem harten Spiel.

Falls euch das aber nicht reicht, gibt es auch noch die neue Welt, in der könnt ihr neue Waren erzeugen, damit eure Hauptinsel immer weiter wächst. Bis ihr auch die letzte Entwicklungsstufe gemeistert habt und extrem glückliche Bürger habt. Aber da wird euch die KI schnell einen Strich durch die Rechnung machen, denn ihr müsst auf Beziehungen achten und könnt nicht wild drauf lossiedeln, denn umso mehr Inseln ihr kolonisiert, umso verärgerter werden die KI-Kollegen und so kann es auch schon mal schnell zu Krieg kommen. Diesen kann man politisch austragen, indem um den Einfluss auf den Inseln gekämpft wird oder aber ihr baut eine Armada auf und holt euch mit Gewalt alles, was ihr wollt. So könnt ihr in Anno 1800 wirklich alles erreichen, aber immer ohne Stress, denn unter Stress macht man schnell kleine Fehler, die sich früher oder später rächen werden.

Technisch ist Anno leider nicht ganz so geil, da es extrem Hardware-hungrig ist, aber keine Angst: Ihr braucht keine Monster-Grafikkarte, denn Anno ist ein CPU-lastiges Spiel, dass gerade im späteren Verlauf viel Leistung benötigt. Trotzdem ist es wunderschön und es macht einfach nur Spaß, den eigenen Bürgern beim Arbeiten und Transportieren zuzugucken. Der Sound ist aber dafür umso mehr eine Wucht, ihr hört alles, die Bewohner, die Produktionen und das Meer. Dazu kommt noch die extrem entspannende Musik, die einem ein tolles Gefühl vom 19. Jahrhundert gibt.

Auch wenn Anno im  19. Jahrhundert spielt, wirkt es zu keinem Zeitpunkt altbacken, alles fühlt sich fantastisch an und mit jedem neuen Gebäude werdet ihr immer Tiefer in das Zeitalter der Industrialisierung gezogen. Anno 1800 ist ein Muss für jeden Aufbaufan, der so viel Gewusel wie nur möglich auf dem Display haben möchte!

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