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Spellforce III: Soul Harvest DLC unter die Lupe genommen

Spellforce 3 hatte keinen leichten Start. Zu Beginn sah sich das Hauptspiel vor unzähligen Bugs, die es teils unmöglich machten, das Spiel durchzuspielen. Nach sehr vielen Fixes und einiger Wartezeit war Spellforce 3 dann genau zu dem geworden, was ein Spielerherz höher schlagen lässt: Spellforce wurde zu einer geballten Macht von Rollenspiel und RTS.

Mit seiner unglaublichen Geschichte, die sehr tief wurzelte und jeden noch so kleinen Charakter lebendig und liebenswert werden ließ, mit seiner unglaublichen Rollenspiel-Manier und seiner fesselten Strategieanleihe war Spellforce 3 alles andere als das typische Spiel aus deutscher Hand. Es war einzigartig, fesselnd und konnte allein von seinen kleinen Geschichten her, so viel mehr als andere Spiele in diesem Genre bieten.

Geschnittene Szenen oder doch ein eigenes Spielgefühl?

Eine Erweiterung oder auch ein Downloadable Content hat meines Erachtens nach jeher schon einen faden Beigeschmack. Das Hauptspiel ist in der Regel in sich geschlossen und alles, was man dann noch so herausgeschnitten hat, wird eben gegen Bares herausgerückt.

Nicht aber so bei “Soul Harvest”. Dieses spielt nach der eigentlichen Geschichte vom Hauptspiel. Wir spielen nicht mehr Tahar – den vorherigen Protagonisten. Wir schlüpfen in die Rolle von Kommandant Aerev, der nun stellvertretend für Tahar das Kommando über die Wölfe nehmen soll. Aerev hat eine dunkle und unergründliche Vergangenheit, die es nach und nach zu entdecken gilt. Aerev kann sich nämlich nicht mehr an eine spezielle Nacht erinnern, die seinen Männern, die unter ihm dienten, den Tod brachte. Seine Vergangenheit ergründet er daher in seinen Träumen – Nacht für Nacht. So dauert es eine gewisse Zeit, bis man mehr erfährt, doch steht seine Vergangenheit nicht im Vordergrund. Sie bietet vielmehr interessantes Hintergrundwissen, um ihn besser zu verstehen – zumindest einen Großteil des Spiels.

Die Zwerge sind ein imposantes untergründiges Volk

In der Kampagne geht es um die verschiedenen Völker, die alle ihre eigenen Probleme haben. Man verteidigt zum Beispiel Dunkelelfen gegen heranrückende Zwerge, die eigentlich immer die Guten waren, doch plötzlich nicht mehr so gut sind und mit ihren diebischen Elsterblicken versuchen, an gewisses Gestein zu kommen. Generell scheint etwas nicht mit ihnen in Ordnung zu sein, weshalb sich der Kommandant immer weiter in ein riesiges Netz aus Spinnen, Zwergen und neuen Bekannten verstrickt. Im Gegensatz zum Hauptspiel geht es jetzt nicht mehr primär um die Fraktionen Mensch und Elfen, sondern um Zwerge und Dunkelelfen, die im Hauptspiel viel zu kurz kamen.

Gut ist auch, dass die Geschichte nicht vollkommen unabhängig vom eigentlichen Spiel abläuft. Alte bekannte, wie z.B. Yria, stehen uns weiterhin zur Seite oder gehen auch ihre eigenen Wege, sodass wir aber trotzdem mehr über sie erfahren. Ein sehr beliebter Zwerg aus dem Hauptspiel, der schon gegen Ende des Spiels gewisse Äußerungen tätigte, verfolgt sein Ziel auch mit weiteren Konsequenzen.

Auch wenn wir nicht Tahar spielen, wir spielen dennoch immer noch einen sehr guten Kommandanten, der sich seinen Ruf erarbeiten muss und dabei nicht an Charme verliert.

Gruppenkämpfe zu viert und zu einhundert – ganz ohne Unterschied?

Das Gameplay von Spellforce ist eine der größen Besonderheiten des Spiels. Man wechselt zwischen old School-Gaming, sodass man mit vier Charakteren herumläuft und diese automatisch angreifen. Zwischendurch dürfen wir Fähigkeiten einsetzen und so einen Kampf für uns gewinnen. Sterben wir, haben wir auf dem Schwierigkeitsgrad Normal nur eine begrenzte Anzahl an Continues. Dabei unterscheiden sich unsere Charaktere in ihren Klassen. Wir haben die typischen Krieger, die mit Flächenangriffen Gegnerhorden metzeln und wir haben Bogenschützen mit starken Pfeilen und Magier mit Verzauberungen. Doch hier hört die Liste noch nicht auf, denn egal, ob es sich um einen waschechten Krieger oder einen Pfeilspezialisten handelt, alle können einen zweiten Fähigkeitenbaum mit sich führen, der sie Tote wiedererwecken lässt, Gruppenmitglieder heilt oder mit ihrem Glauben den Feind den Gar ausmacht.

Kämpfen wir nicht in unserem Vierertrupp, bauen wir gerade eine Armee im Stile von StarCraft auf. Wir erschließen Militärkomplexe, die wir mit Bäumen, Steinen und Co. beliefern müssen.

Haben wir dann eine ausreichend große Armee herangezogen, machen wir uns mit dieser auf den Weg zum Feind und stürmen seine Basis, rotten Verseuchungen aus oder erobern einfach das gesamte Gebiet.

Grafik und Performance stellen das Hauptspiel nicht in den Schatten

Die Grafik kann zwar nicht mit einem Red Dead Redemption mithalten, doch sehen die einzelnen Gebiete sehr gut aus. Sie sind sehr detailreich und bieten einiges an Erkundungen. Jedes Gebiet hat sein eigenes Ökosystem und geht über Wüste und Eis weit hinaus. Die Hauptfiguren sind sehr schön gezeichnet, doch stellen viele Nebenakteure einen nicht so schönen Kontrast dar.

Die Performance tut fast genauso weh wie das Hauptspiel. Eher selten hält das Spiel die 60FPS. Sobald man an der Oberfläche ist, ruckelt es schon gewaltig. Ich hatte bisher keine Abstürze und auch keine nennenswerte Bugs. Ein einziges Mal konnte ich einen Questgeber nicht ansprechen. Als ich dann neu geladen habe, ging es aber sofort wieder. Fehler in der Übersetzung und auch Rechtschreibfehler gibt es leider auch, doch halten sie sich wirklich in Grenzen. Gerade dann, wenn man bedenkt, dass das Spiel tausende Zeilen an Text hat, ist die Leistung wirklich beeindruckend.

Am besten gefallen hat mir, dass jeder Dialog kommt synchronisiert wurde. Die Sprecher sind einfach der Wahnsinn und man hat das Gefühl, einem Hörbuch zu lauschen.

Preis-Leistung: Testsieger oder billige Mache?

Die Erweiterung, die gut 30 Stunden Spielzeit, neue Fraktionen, neue Fähigkeiten und neue Gebiete mit sich bringt, kostet gerade einmal 24,99€. Der Preis ist für das, was man am Ende bekommt, sehr gut. Auch wenn man den DLC einzeln und unabhängig vom Hauptspiel erwerben kann, rate ich dazu, erst das Hauptspiel zu spielen, da erst dann alle Unklarheiten beseitigt werden können und man nur mit einem emotionalen Bezug zu den “alten Charakteren” der Geschichte voll und ganz lauschen möchte.

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