AdventureHorrorReviewVideospiel

Gibbous: ein grandioses Horror-Adventure mit sprechenden Katzen und Lovecraft-Anleihen

Wie häufig hört man, dass das Genre Adventure eigentlich tot sei? Und wie oft kommen in letzter Zeit Spiele, vor allem auch aus dem Indie-Bereich, heraus, die einem genau das Gegenteil beweisen? Ohne nun zu viel vorweg zu nehmen, ist Gibbous – A Cthulhu Adventure genau ein solches Spiel, das ein ganzes Genre wiederbeleben kann und auch die Lachmuskeln. 

Denn neben dem ganzen Horror kann man Gibbous noch sehr viel mehr Positives nachsagen, doch dazu nun mehr im Detail. 

In Gibbous – A Cthulhu Adventure schlüpfen wir in unterschiedliche Charakterrollen. Der erste wäre Don R. Ketype – und ja, bitte den Namen einmal laut vorlesen, um den Gag zu verstehen. 

Ketype ist ein Privatdetektiv, dem als Fall zugeordnet wurde, das Necronomicon zu finden. Ja, genau, das Necronomicon, das schon durch einige Filme und auch Literatur sehr bekannt geworden ist. Denn in Lovecrafts Geschichten gibt es das eine böse Buch, welches jegliches Übel enthält, gebunden in Menschenhaut und mit einem Auge versehen. 

Und genau dieses Buch sucht unser Privatermittler in der Bibliothek auf. Es wäre zu einfach, wenn es so einfach wäre und dementsprechend wird Ketype in eine Spule von Ereignissen gezogen, die sowohl übernatürlich sind als auch herzerwärmend lustig. Ob es nun Anspielungen auf Filme, Bücher, Serien oder auch Videospiele sind – den Entwicklern ist nichts heilig. Und das ist auch gut so. 

Neben unserem archetypischen Privatermittler schlüpfen wir in die Rolle von Kerwan, einem etwas älteren Studenten, der seinen Lebensunterhalt als Bibliothekar verdient und rumänische Wurzeln hat – auf die er ganz sicherlich angesprochen wird und die auch ganz sicherlich wichtig sind, um den Verlauf der Geschichte in einem lustigen und überraschendem Maße voranzutreiben. 

Kerwan verhält sich dabei relativ häufig wie ein sehr bekannter Inder aus Deadpool. Er fährt zwar kein Taxi, doch gibt es auch Taxi-Szenen. 

Diesem fällt das Necronomicon in die Hände – wortwörtlich – und verzaubert versehentlich seine Katze. Kitteh heißt die Gute und ist nun leider dazu verdammt, sprechen zu können. Dies gefällt ihr so gar nicht, denn sie möchte sich nicht auf unsinnige Gespräche einlassen und noch weniger möchte sie, dass Menschen Forderungen an sie stellen, wie etwa irgendwo hochzuklettern, um etwas herunterzuholen. 

Um sein leicht zickiges Kätzchen glücklich zu machen, begibt er sich auf die Suche nach einer Heilung. Er möchte seine Katze zurückverwandeln und sucht Personen, die ihn dabei unterstützen können. 

Der weitere Verlauf der Reise versetzt den Spieler immer wieder in unterschiedliche Rollen, die aus Spoiler-Gründen aber nicht weiter genannt werden. 

Doch was macht man eigentlich in Gibbous?

Gibbous ist ein Point & Click-Adventure, d.h. dass man Bild für Bild nach Interaktionsmöglichkeiten sucht, einzelne Gegenstände miteinander kombiniert und diese dann wieder nutzt, um mit der Umgebung zu interagieren. Auch spricht man sehr viel. Jeder Charakter hat einem etwas zu sagen und die Dialoge sind dabei interessant und flüssig. Spricht ein Charakter nicht gern, wird er einem das auch sehr schnell verklickern. 

Manche Dialoge werden in Filmsequenzen abgespielt, die an Trickfilme erinnern und sich nicht weit hinter Disney verstecken müssen, vor allem nicht in Sachen Inszenierung, Atmosphäre und Charakterbildung. 

Die Rätsel, die durch Interaktionen immer wieder entstehen, variieren stark im Schwierigkeitsgrad. Es gibt sehr einfach Rätsel, in denen es lediglich darum geht, alles einmal anzuklicken, bis man den gewünschten Gegenstand gefunden hat. Es gibt aber auch schwierige Rätsel, die auf mehreren Ebenen aufbauen, ein wenig Kombinationsgabe voraussetzen und vor allem auch Textzeilen mehrdeutig formulieren. Ich möchte ehrlich sein: Ich kann mich an mindestens zwei Rätsel erinnern, die einiges abverlangen, wenn man nicht den richtigen Denkansatz hatte. 

Dennoch gibt es kein Rätsel, das nicht im Bereich des Machbaren wäre. Wahrscheinlich würde man sich nur selbst betrügen, wenn man auf Komplettlösungen zugreifen würde. 

Die Orte im Spiel variieren mindestens so sehr, wie es die Rätsel tun. Die Schauplätze finden manchmal in kleinen Räumen statt, manchmal in Städten, manchmal sind sie horizontal und manchmal vertikal. Jedes Bild ist sehr gut ausgearbeitet und lädt zum Erkunden ein. 

Wobei wir schon bei der Grafik angekommen sind: Gibbous sieht einfach toll aus. Es ist nicht fotorealistisch, sondern hat einen ganz wunderschönen zeichentrick-ähnlichen Stil, der sich konsequent bis zum Ende hin durchzieht und verfeinert. Die Performance ist, wie bei einem solchen Spiel zu erwarten, sehr gut. Ich hatte keine Dead-Ends, keine Ruckler und auch keinen anders ausgelösten Spielabbruch. Man kann immer speichern und ist dadurch auch nicht zu sehr frustriert, wenn es mal nicht so gut läuft – ihr wisst schon, falscher Denkansatz und so. 

Doch wie passt Humor und Horror zusammen? Man nehme Beispiele wie etwa Ash vs. Evil Dead. Das Setting mit Cthulhu und Mutationen und Weltuntergang und so ist an sich sehr düster, doch die Charaktere nehmen die dunklen Ansätze und machen sich darüber lustig. Auch der typische Deadpool-Humor auf der 4. Ebene, sprich, wenn der Zuschauer direkt angesprochen wird und sich das Spiel über das “Rumgeklicke” lustig macht, passen einfach wunderbar zu Cthulhu bzw. Lovecraft. Es gibt immer etwas zu lachen und die Geschichte wird Kapitel um Kapitel interessanter. 

Mag man also Adventures, hat man einen Faible für Lovecraft und lacht man auch mal gerne beim Spielen – dann bitte: mit Gibbous kann man nichts falsch machen. 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.