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Iron Harvest – mit gestählter Haut und gestähltem Verstand gegen Riesenroboter

Real Time Strategy gab es zuletzt bei Activision. Spiele wie Starcraft konnten nicht nur unter Fans guter Geschichten punkten, sondern haben auch Spieler an Land gezogen, die sich strategische Schlachten mit Menschen und nicht etwa mit einer KI liefern wollten. Nach einer sehr langen Dürre gibt es nun wieder ein neues Spiel in diesem Sektor: Iron Harvest.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg fanden Landwirte eine Unmenge von Ausrüstung, Stacheldraht, Waffen und Munition, während sie ihre Felder pflügten. Sie nannten es die “Eiserne Ernte” (Iron Harvest). Quelle: kingart-games.com

 

In Iron Harvest wird der Spieler in eine alternative Welt geworfen, die nach dem Ersten Weltkrieg, dem Krieg, der alle anderen Kriege beendet sollte, stattfindet. Diese Welt, die 1920+ spielt, hat ein ähnliches Problem wie die wahre Welt: Der Krieg, der alle anderen Kriege beenden sollte, hat genau dies nicht getan. Doch im Gegensatz zu den wahren Begebenheiten, haben die Menschen im Spiel gerade im Bereich der Wissenschaft ordentlich dazu gelernt. Nun muss man sich nicht mehr nur um menschliche Gegner sorgen, auch große Mechs stellen eine große Gefahr für das Überleben dar.

Eigentlich gibt es drei Fraktionen, die Krieg führen: Polania, Sächsisches Imperium & Rusviet. In 20 Missionen, die je um die 45 Minuten gehen, schlüpfen wir in die Rolle eines Kommandanten aus eine der drei Fraktionen, werden mit Spezialfähigkeiten ausgerüstet und begeben uns in die Schlacht. Wir befehligen unterschiedliche Einheiten, die ihre eigenen Fähigkeiten haben, wie etwa, dass sie Granaten werfen können. Töten wir Gegner, können wir ihre Waffen aufnehmen und unsere Einheiten somit verändern. Aus “langweiligen” Schützen werden plötzlich Bomber, die große Maschinerien mit sich führen und dem Gegner die Hölle heiß machen. So kriechen wir von Deckung zu Deckung, überlegen uns, wie wir den Feind am besten ausschalten und nutzen immer wieder einen gezielten Schuss aus der Waffe der Kommandantin der Fraktion Polania, um die Feinde den Gar auszumachen. Manchmal nutzen wir einen dressierten Bären, um die Aufmerksamkeit der Gegner auf eine andere Stelle zu lenken. Manchmal ist der Bär den Gegnern sogar überlegen. Stirbt der Bär, rufen wir halt einen neuen. Stirbt unsere Infanterie, haben wir ein Problem. Diese lassen sich nicht so einfach nachrufen, denn es sind ja Menschen. Wir müssen dann Stützpunkte einnehmen und hoffen, dass wir weitere Soldaten finden.

Doch so richtig schwierig wird es erst, wenn wir nicht gegen Menschen, sondern gegen die großen Mechs kämpfen. Ist eine Deckung erst einmal verloren, und jede Deckung bricht bei einem Hagelgewitter irgendwann ein, stehen wir ziemlich ungeschützt und dann auch schnell mit leeren Händen da. Gegen einen Mech ist keine Rüstung gut genug. Wir müssen also taktieren, uns in der Deckung fortbewegen und den Mech nach und nach eliminieren, um unser Überleben zu sichern und zum nächsten Stützpunkt zu kommen. Das Spielgefühl lässt sich dabei am besten mit Company of Heroes vergleichen. Wir steuern Einheiten gruppiert, dennoch haben sie genug “Hirn”, um nicht frontal auf einen Gegner zuzustürmen, sondern sich hinzulegen und zu kriechen, wenn sie unter Beschuss stehen. Der Kommandant ist dabei der wichtigste Faktor, da er Spezialfähigkeiten hat, mehr Lebensenergie und nun ja, ohne Kommandanten ist das Spiel halt vorbei.

Neben Spielen wie Battlefield, die vor allem auf wahren Begebenheiten arbeiten und einen mitten ins Spielgeschehen werfen, bleibt Iron Harvest etwas ruhiger. Hauptaspekt des Spiels bleibt die Taktik, das ausführen einer speziellen Strategie, die sich der Spieler erst einmal ausdenken muss. Es gibt einige Tricks und man wird Stunde für Stunde besser. Was aber nicht heißt, dass der Einstieg einfach ist. Gerade zu Beginn wird man viele Einheiten verlieren, Situationen falsch einschätzen und auch das Gebiet nicht so gut im Auge behalten, dass man auch nur ansatzweise sicher eine kleine Gruppe von Gegnern ausschalten kann. Oft ist es beispielsweise mir passiert, dass ich einen Hinterhalt geplant habe, den Gegner sogar überraschen konnte, nur dass dann von hinten links eine Gruppe mit einem Mech vorbeischaute und donnernd mit ihren Gewehren grüßten. Iron Harvest bietet genau die Herausforderung, die man sich von einem solchen Spiel wünscht und gleichzeitig hilft einem das Spiel, über sich selbst hinauszuwachsen. Kurz und knapp gesagt, ist Iron Harvest genau das, was man sich von einem RTS wünschen kann: eine gut erzählte, auch mal eine ernstere Story, diverse Einheiten, die zum Taktieren einladen und ein sehr unverbrauchtes Setting.

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