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Astral Chain: Verkettete Anime-Action mit Pistolen und Schwertern

Astral Chain ist das neuste Werk der Nier Automata-Entwickler und erschien vor einigen Wochen auf der Nintendo Switch. Nier Automata selbst gehörte vor allem zu Beginn zum Genre Geheimtipp, da es neben flatternden Röckchen eine sehr gute Geschichte erzählte, die einer Serie wie Fringe alle Ehre macht. Doch kann der neuste Ableger des Studios wieder dasselbe Phänomen herbeiführen?

Die Geschichte von Astral Chain beginnt recht einfach. Als Polizist oder Polizistin begibt man sich mit seinen Geschwisterpart auf einen Einsatz. Plötzlich wird man von etwas Unsichtbarem und außerordentlichem Starken angegriffen. Es bleibt nicht viel Zeit und auch über die Entscheidung des eigenen Vaters wird sich hinweggesetzt: Man wird nun mit einem Legion ausgestattet. Völlig perpelex hat man nun einen evtl. außerirdischen Begleiter an der Seite, der einem nicht nur ermöglicht, all jene Wesen, die vorher unsichtbar waren, zu sehen, sondern mit ihm zusammen auch ordentlich auszuteilen. Was mit einem Legion beginnt, endet in einem kleinen Pokémon-Spiel: Schnapp sie dir, Ash!

Doch woher kommen diese Legionen? Warum werden einzelne Polizisten als Legionate ausgebildet und wieso sollte man sich freiwillig an ein solches Biest fesseln wollen?

All das und viel mehr erfährt man im Laufe der Geschichte – so ziemlich gegen Ende, um genau zu sein.

Wir verbringen unser Polizei-Dasein also mit Polizeiarbeit, d.h. wir befragen Leute nach dem Tathergang, untersuchen Gebiete und wenn wir genug Spuren haben, nehmen wir den Übeltäter in der Regel Dingfest, solange dieser menschlich ist, versteht sich.

Die Dialoge sind dabei teils sehr ermüdend. Es gibt Kameras, die man anzapfen kann, und auch wenn man als geübter Spieler und Zuschauer amerikanischer Krimis bereits nach wenigen Minuten weiß, was genau wo und wieso passiert ist, muss man trotzdem eine Anzahl X an Personen befragen. Dabei braucht man  noch nicht einmal Fingerspitzengefühl, da es meist maximal zwei Antwortmöglichkeiten gibt, wobei die eine Antwort leicht beleidigend ist, sodass einem klar sein dürfte, dass man mit dieser Masche eher nicht so weit kommt. Droht das ganze Befragungs-Manöver zu scheitern, wendet man polizeiliche Kuschelpädagogik an.

Ganz im Fifty Shades of Grey-Style kann man Bürger beruhigen oder sie auch einfach nur am Weglaufen hindern, indem man sie mit seinem Legion einspannt. Der Umgang mit Menschen ist in diesem Spiel also eher nicht so gelungen, da er sehr eintönig wirkt und einem immer wieder dieselben Aufgaben vor die Füße wirft. Das zwangsläufige Tutorial beispielsweise muss man NACH 90 Minuten Spielzeit durchdrücken. Dabei hat man zu diesem Zeitpunkt schon Massen von Gegnern vernichtet, hatte eine krasse Motorradfahrt inklusive Ausweich-Mechaniken hinter sich und bereits den ersten Boss gelegt.

Im Tutorial lernt man aber wirklich noch etwas dazu. Das eigentliche Gameplay, das vor allem dann glänzt, wenn man gegen Monster aus einer anderen Dimension kämpft, ist gar nicht so leicht zu handhaben. Man schlägt oder schießt mit dem rechten Trigger. Seinen Legion steuert man mit dem linken Trigger und dem linken Analogstick. Heilen kann man sich auf X und das Ausweichen geht ebenfalls über einen Knopf. Dann hat man noch sein Menü, eine Ansicht, um besondere Hinweise zu erkennen und kann mit den Pfeiltasten auch noch in den Fotomodus bzw. die Waffen wechseln. Die Steuerung ist sehr überladen, da es für alles im Spiel eine Taste gibt und im Kampf auch sehr viele Tasten aktiv genutzt werden müssen. Doch was zu Beginn noch recht schwierig ist, wird im Laufe des Spiels einfach nur umwerfend. Hat man die Steuerung einmal gelernt, was gut 2 Stunden dauert, beherrscht man diese so gut, dass jeder Kampf eine Choreografie aus Blut, Schwertern, Pistolen und auch Monstern ähnelt. Es entsteht ein richtiger Tanz der Charaktere und deren Legionen, was sehr befriedigend wirkt, wenn man es hinbekommt.

In der Regel kann man Spiele in diesem Sektor nur schwer als zu einfach oder zu schwierig deklarieren. Es gibt für jeden Spieltyp einen Schwierigkeitsgrad, sodass sogar Spieler, die weniger Lust auf harte Kämpfe und begrenzte Revives haben, ihren Spaß an dem Spiel finden können. Bis zum letzten Drittel des Spiels hätte ich diese Aussage bedingungslos unterschreiben können, doch dann geschah etwas, dass mich zutiefst frustrierte: Ich war zu schlecht für das Spiel. Das Spiel war nicht zu schwer, es war weiterhin herausfordernd und hat mir auch alles beigebracht, was es forderte, doch ich schaffte es nicht, alle Tasten gleichzeitig in der richtigen Reihenfolge in der richtigen Zeit zu drücken. Die Gegner wurden knüppelhart und erlaubten einfach kein falsches Drücken. Beim letzten Kapitel, so sehr es mir auch leidtut, musste ich in den “Entfesselt”-Modus wechseln, einem so leichten Modus, der nicht nur das Sterben verzeiht, sondern auch Kombos alleine macht. In diesem Cheat-Modus kann man einiges einstellen: automatisches Ausweichen, Kombos, nicht sterben, … Es hat alles, was das Herz begehrt und führt zu einem sehr unschönen Gefühl: Dem Gefühl, versagt zu haben.

Normalerweise verspüre ich nach dem Durchspielen eines Spiels, vor allem dann, wenn es nicht so einfache Ballerkost war, eine gewisse Befriedigung. Ich habe das Spiel geschafft – und nicht andersherum. Nachdem ich aber Astral Chain durchgespielt habe, war ich enttäuscht. Nicht nur, dass das Spiel gegen Ende hin so schwierig wurde, sondern auch, dass die Geschichte nicht richtig zum Ende gekommen ist. Einige Fragen blieben unbeantwortet und wenn ich die Geschichte zusammenfassen soll, tue ich mich sehr schwer dabei, da es nur wenig Greifbares gibt.

Ist Astral Chain nun ein gutes Spiel? So weit würde ich dann doch nicht gehen. Es hat sehr gute Anfänge und auch sehr gute Ideen. Absolut positiv ist die sehr gute Grafik auf der Switch und auch die Performance ist nahezu perfekt. Manche Level werden aber nach dem sechsten Kapitel ständig wiederholt und man sieht auch immer nur Versatzstücke davon. Die Geschichte ist nicht typisch Anime-Like. Es gibt nur wenige Charaktere, die wirklich herausragen. Die meisten wirken generisch, sind nicht überspitzt und es fehlen einfach auch Charakterentwicklungen. Natürlich ist der Bruder im Spiel zum einen fürsorglich und zum anderen auch neidisch auf die Kräfte der Protagonistin. Natürlich ist der Vater overprotective und trotzdem abweisend. Naürlich ist die IT-Abteilung nerdig und läuft mit pinken Haaren rum. Und natürlich ist die Doktorin, als Schwester des IT-Nerds, mit konterfarbenem blauen Haar dargstellt und die Vernünftige.

So gerne ich Astral Chain auch empfehlen würde, da vor allem die ersten Spielstunden wie eine Bombe einschlagen, kann ich es nicht. Das Spiel ist für seinen Umfang von gut 12 Stunden und seinem zu kleinen Impact zu teuer. Wären es durchweg gute 12 Stunden, wären 60 Euro ja in Ordnung. Sind es aber nicht. Von gut 12 Stunden hatte ich 2 sehr gute, 4 mittelmäßige und 6 schlechte Stunden. Warum ich es dann überhaupt durchgespielt habe? Weil es teuer war. Warum ich nun einen Beitrag dazu schreibe? Weil ich ein Review gelesen habe, das dem Spiel satte 9/10 gegeben hat und ich es mir daraufhin gekauft habe. Dieses Review soll nicht vom Kauf abraten, sondern lediglich bei der Abwägung des Titels helfen. Manche Spiele machen sich in einem Sale nun einmal besser als für den vollen Preis. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, erst einmal in ein Let’s Play reinzuschauen und sich den Kauf vorab zu überlegen. Doch kann es dann auch passieren, dass man zuerst geflasht ist und dann bitter enttäuscht. Vielleicht ist dies doch eine Kaufwarnung, doch Geschmäcker unterscheiden sich, daher fällt es mir schwer, das Spiel komplett schlecht zu machen.

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