ReviewRollenspieleVideospiel

The Bard’s Tale IV – Konsolenversion im Test

The Bard’s Tale IV ist zwar der vierte Teil einer schon sehr in die Jahre gekommenen Marke, doch sollte man nicht vergessen, welche Marke. The Bard’s Tale war eines der ersten Rollenspiele. Eines, das Entscheidungen wichtig machte und gleichzeitig nicht das Gameplay vernachlässigte. Einige Spiele, u.a. auch einige amerikanische Big Player, machten sich Bard’s Tale zunutze, um sich eine gewisse Inspiration zu leihen. Immerhin erschien der erste Teil bereits 1985.

Nach all den Jahren ist The Bard’s Tale nun mit seinem vierten Teil der Reihe zurück und zeigt wieder einmal, wie neue Spiele im Rollenspielsektor funktionieren sollten.
In The Bard’s Tale steuern wir unseren eigens kreierten Charakter – entweder ganz klassisch als Barde oder ganz neumodisch als Ritter mit schicker Zweihänder-Optik.

Unser Spielfeld ist, wenn wir uns nicht gerade im Kampf befinden, eine Open World, die durch einige Türen, versperrte Durchgänge und auch kleinere Klettereinlagen wunderschön in Szene gesetzt wird. Meist befinden wir uns in mittelalterlischen Städten, manchmal aber auch in Dungeons und Kellern.

Im Kampf spielen wir dann immer noch in der First Person – Sicht. Anders aber als in Skyrim und Co. wechselt das Spiel in ein Kachelmuster.

Dabei bekommen sowohl Gegner als auch wir zwei Kachelreihen mit Mitstreitern zur Verfügung gestellt. Jeder Aktionspunkt ist wichtig. Am Anfang hat man 3, später dann natürlich mehr. Die Krux an der Sache: Mit läppischen drei Aktionspunkten müssen wir unsere ganze Gruppe steuern. Es kann also mal durchaus vorkommen, dass nicht jeder sein volles Potenzial ausschöpft. Gerade dann, wenn man drei Gruppenmitglieder mitnimmt, fällt schnell auf, dass nicht immer jeder an der Reihe sein kein, sodass eine sinnvolle Strategie und danach auch Taktik eingesetzt werden muss. Seitdem der Director’s Cut erschienen ist, gibt es zwar auch einen einfachen Modus, der nicht nur die Kämpfe erleichtert, sondern auch die Möglichkeit bietet, jederzeit zu speichern, doch entfaltet das Spiel seinen kompletten Spielspaß erst im dafür vorhergesehenen Schwierigkeitsgrad. Das wäre dann “Normal” für den alltäglichen Spieler und “Schwer” für ganz hart gesottene, die auch mal zwei Stunden am ersten Fight sitzen können, ohne Frust zu verspüren.

Was ist also The Bard’s Tale?

Kurz und knapp ist The Bard’s Tale ein Action-Rollenspiel, das auch mal langsamer in seinen rundenbasierten Kämpfen werden kann. Es erzählt eine epische Story, in der man natürlich den Helden verkörpert, der die Welt vor all dem Unheil erretten soll. Es hat eine wunderschöne Musik und begleitet nicht nur das Schlendern durch die mittelalterliche Metropole, sondern auch das Bekämpfen von Monstrositäten mit einem wankelmütigem Sound.

Doch kommen wir nun zum Punkt des Reviews. Macht The Bard’s Tale IV auch auf der PlayStation 4 Spaß? Kann ein taktiles Rollenspiel mit einer Vielzahl an Steuerungselementen auch auf den nicht ganz so leistungsstarken Konsolen brillieren?

Kommen wir erst einmal zur Steuerung, denn dieses Thema ist weniger heikel. Die Steuerung ist etwas, das mich positiv überrascht hat. Das Laufen ist wie gewohnt auf den Steuerknüppeln und auch die restliche Steuerung fühlt sich sehr immersiv und gelungen an. Selbst im taktilen Kampf funktioniert diese noch genau so, wie man es sich nur wünschen kann. Im Gegensatz zur PC-Version können wir zwar nicht einfach alles anklicken, was uns gerade so ins Sichtfeld kommt, doch haben wir alle Optionen parat. Die einzelnen verfügbaren Angriffs- und auch Buff-Möglichkeiten liegen nah beim Charakter, sodass man mit den Triggern nur noch zwischen den Charakteren wechseln muss, um ihre Angriffskette zu starten. Da man sowieso nur vier Angriffe pro Charakter mitführen kann, ist es natürlich außerordentlich praktisch, dass der Controller an einer Stelle genau 4 Tasten hat (Kreuz, Viereck, Dreieck & Kreis).

Außerhalb der Kämpfe können wir im Menü arbeiten, was nicht ganz so gut von der Hand geht, aber einem auch nicht wirklich Fingerkrämpfe beschert. Auch müssen wir mal Kisten zerschmettern, öffnen und looten – das klappt alles wunderbar mit einem Tastendruck. Die Umgebung mit speziellen Fähigkeiten auszukundschaften, um beispielsweise Verstecke ausfindig zu machen oder eben dem Türsteher ein Signal mit unserer Pfeife zum Einlass zu geben, ist ebenfalls sehr einfach und schnell – fast so wie auf dem PC, aber auch nur fast.

Neben der sehr gelungenen Steuerung kommen wir nun zum eigentlich Problem der PS4-Version: Grafik und Performance.

Die Grafik ist eigentlich in Ordnung. Die Kantenglättung fehlt, wie gewohnt, komplett und es gibt auch nur wenige Details. Trotzdem sieht The Bard’s Tale immer noch sehr gut aus, auch wenn es teils den typischen Wischi-Waschi-Look hat.

Schwieriger ist da die Performance. Das Spiel läuft nur in 30 FPS, wenn man denn Glück hat. Leuchtet ein Objekt in der Ferne, gibt es besonders lodernde Flammen, laufen zu viele Charaktere in der Hauptstadt durchs Bild, hat das Spiel ein echtes Problem. Dann kommt es ganz schnell zu rucklern, die wirklich störend sind. Zwar ist The Bard’s Tale kein Shooter, der auf jeden Frame angewiesen ist, doch ist das Spiel in diesem Punkt in keinem guten Zustand. Auf dem PC war es auch nicht sehr viel besser. Auch mit einem High-End-PC bekam man hier schnell Ruckler und hatte Frame-Pacing-Probleme. Nun kann man aber sagen, dass es Spiele gibt, bei denen es eine Unart ist und Spiele, bei denen es zwar nicht egal ist, die es aber aufgrund ihres Gameplays und auch ihrer Story, es irgendwie wieder rund kriegen. The Bard’s Tale gehört eben zu jenen Spielen, die es wieder rausholen. Es ist zwar nicht angenehm, aber so richtig gestört hat es nicht.

Was macht also eine gute Portierung auf der Konsole aus?

Wichtig ist, dass das Spiel genau das mitbringt, was es auch auf dem PC gezeigt hat: Es muss Spaß machen. Die Steuerung darf nicht zu fremd sein und auch die Grafik sollte nicht vollkommen anders sein. Außer es ist ein Nintendo-Spiel, dann erwartet man natürlich ein komplettes Remaster von 3D auf 2D.

Aber mal Spaß beiseite: The Bard’s Tale IV hat, genau wie auf dem PC auch, seine Macken. Die Steuerung ist gut, die Geschichte ist sehr gut, wenn auch so typisch Rollenspiel und die Grafik ist in Ordnung. Die Performance tut manchmal ein wenig in der Magen- und Augengegend weh, doch ist sie auch kein Totalausfall.

Außerdem ist es der Director’s Cut, d.h. es wurden einige Spielelemente und auch Verbesserungen hinzugepackt. Auch wenn die Performance nicht ganz rund ist, wurde das Spiel in eine neue Engine portiert, um die Grafik und auch den Sound zu verbessern.

Im Großen und Ganzen würde ich zur PC-Version raten, da diese etwas flüssiger läuft und meistens noch 45 FPS mit sich bringt, doch ist auch die Konsolenverison nicht von schlechten Eltern. Der Spielspaß bleibt voll und ganz erhalten und lädt mit rythmischer Musik und guten Charakteren zum Spielen ein.

The Bard’s Tale IV: Director’s Cut erschien am 06. September auf der Xbox One und der PS4 (zuvor schon auf dem PC). Außerdem ist es Teil des Xbox Game Pass-Programms, sodass es mit einer entsprechenden Mitgliedschaft sowohl auf der Xbox als auch dem PC kostenfrei gespielt werden kann.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.