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The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel III – Ein guter Anime mit Emotionen und taktilem Gameplay

The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel kam erstmals für die PlayStation Vita heraus. Später erhielt es dann Remaster, so auch der zweite Teil der Reihe. Mittlerweile gibt es eine PlayStation 4 – Fassung und man kann es auch auf dem PC spielen. Der dritte Teil indes kam bislang lediglich für die PS4 heraus, eine PC-Version ist aber abzusehen, da ja auch schon die ersten beide Teile auf Steam erschienen sind.

Doch was ist dieses Spiel mit diesem unglaublich langem Titel? Einem Otaku dürfte schnell auffallen: Ein langer Titel repräsentiert meist einen japanischen Anime, der nicht nur Klischées bedient, sondern über das Genre, in dem er steckt, hinauswachsen möchte.

Ähnlich verhält es sich auch bei Trails of Cold Steel 3. Hier schlüpfen wir in die Rolle des bekannten Protagonisten Rean Schwarzer. Dieser ist ein regelrechter Frauenschwarm, kämpft mit einem Taichi wie kein Anderer und kann sich wirklich sehr schnell ein kleines Harem um sich scheren. Wir treffen hier auf Anime-Humor, vollkommen unzensiert und vollkommen passend.

Rean Schwarzer war in der, nennen wir sie mal der Einfachheit halber Magierklasse, VII. Nachdem er und seine Klassenkameraden den Abschluss erreicht haben, im Bürgerkrieg mitgewirkt und die Welt in einer Hinsicht gerettet haben, verliefen ihre Wege, wie auch im echten Leben, in unterschiedlichen Bahnen weiter. Mancher wurde Troubadour, anderer wurde ein Mensch Gottes.

Der äußerst charismatische Rean jedoch wurde Lehrer an der Akademie Thor, einem Ableger seiner ehemaligen Schule. Nun unterrichtet er selbst Klasse VII, die dafür bekannt ist, Meisterliches zu vollbringen.

Als Lehrer bringt er zu Beginn drei Schülern bei, wie diese sich im Kampf verhalten müssen, wie sie mit Menschen umzugehen haben und vor allem, wie man überlebt. Seine Schüler erfüllen dabei nur teilweise Klischées. Zum einen hätten wir den Schwertkämpfer, der aus einer angesehenen und sehr bekannten Familie aus Weißhaarigen stammt. Er ist mürrisch, von sich eingenommen und kommt schnell zu Schlüssen, die nicht immer richtig sein müssen. Dann hätten wir noch eine Dame mit rosafarbenem Haar, die ihrem Lehrer nichts abkauft, ihn immer wieder in seine Schranken weist und selbst zu mehr imstande ist, wenn sie das richtige Training absolviert. Etwas weniger charismatisch, obwohl es nicht charismatischer sein könnte, geht es bei der letzten der drei Schüler zu. Atila düfte noch aus den Vorgängern bekannt sein: Eine kleine zierliche Gestalt, die Befehle befolgt, keine eigenen Entscheidungen treffen möchte und keinen Sinn für Ironie hat. Was könnte mit dieser jungen Dame wohl nicht stimmen?

In diesem Team von vier unterschiedlichen Personen geht es nach und nach ins Eingemachte. Trails of Cold Steel lässt sich Zeit – und das ist auch gut so! Die Geschichte beginnt voluminös in der Gegenwart, in einem Endkampf um Leben und Tod, ohne dass der Spieler auch nur ansatzweise erahnen kann, wen er denn da gerade spielt oder wie das Kampfsystem funktioniert. Man wird hineingeworfen und lernt zu schwimmen.

Nachdem es dann richtig spannend wird, gibt es einen Cut. Wir reisen wieder zurück in die Vergangenheit und lernen die Charaktere kennen, ihren Ursprung und ihre Beweggründe. Von Dorf zu Dorf, von Akademie zu Gründland und von Zug zu Pferd bahnen wir uns einen Weg durch die mitreißende Geschichte, die nicht nur die Haupthandlung in den Vordergrund stellt. Das Spiel zeichnet die Charaktere und ihren Weg und lässt den Spieler immer weiter in diese Welt eintauchen. Wer nun die Angst verspürt, dass er in eine Welt, gar in einen dritten Teil einer Reihe einfach so hineingeworfen wird, dem sei diese Angst genommen. Zum einen gibt es ein Menü, in dem alles nachgelesen werden kann, was bis zu diesem Zeitpunkt passiert ist. Zum anderen fängt die Welt für den Protagonisten in einer Zeit des Umschwungs an. Er lernt ein neues Umfeld, neue Freunde, neue Kameraden und eine neue Storyline kennen. Fans der Reihe werden aber trotzdem regelmäßig bedient. Immer wieder erscheinen Charaktere aus älteren Teilen, immer wieder werden diese kurz vorgestellt und immer wieder werden diese in die neue Geschichte mit eingebunden. Immerhin haben diese alten Charaktere ein Eigenleben und finden sich nach ihrer Schulzeit in neuen Berufen und Aktionen wieder.

So ist es nicht allzu schwer für einen Neueinsteiger, einiges, aber leider nicht alles, zu verstehen.

In Trails of Cold Steel 3 ist Lesen gefragt. Es wird zwar einiges vertont, aber das meiste will doch gelesen werden. Es sind immer nur kleinere Dialoge, die in ansprechenden Sequenzen und Sprechblasen ablaufen. Daher ist es nicht zu schwierig, diese zu lesen und der Spielspaß wird auch nicht vermindert. Das Spiel lebt hauptsächlich von seiner Art Geschichten zu erzählen.

Manchmal passieren Aktionen, wenn man auf einer vorher aufgezeichneten Fläche steht, sodass man weiß, dass hier ein wichtiger Punkt ist. Manchmal geht aber auch eine Zwischensequenz in die andere über, sodass man auch mal gut 30 Minuten oder länger eine Geschichte erlebt, nicht aber erspielt. Solange die Zwischensequenzen spannend und gut geschrieben sind, steht diesem ja nichts im Wege.

Wenn man nicht mit dem Inventar beschäftigt ist, sich unterschiedliche Steine einsetzt, um bessere Buffs und Aktionen freizuschalten und auch nicht von einem Dialog zum nächsten rennt, geht es in Trails in Gefechten auch mal heiß her. Es sind rundenbasierte Kämpfe, die aber dennoch sehr dynamisch wirken.

Jeder Charakter hat einen Zug – sowohl auf der eigenen als auch der gegnerischen Seite. In diesem Zug können normale Nahkampfattacken, magische Attacken oder aber auch spezielle Attacken ausgewählt werden. Je nachdem für welche Art der Attacke man sich entscheidet, wird diese direkt ausgeführt, oder etwa bei magischen Attacken, sobald diese bereit sind. Außerdem verwendet das Spiel einen Link-Modus, das bedeutet, dass zwei Charaktere miteinander verbunden sind und in diesem Verbund Attacken ausführen können, wenn beispielsweise ein Gegner gebrochen wurde. Diese sehen nicht nur sehr gut aus, sondern sind auch besonders stark.

Es gibt aber auch ganz krasse Spezialfähigkeiten, die natürlich längerer Zeit zum Aufladen benötigen und nicht bei jedem x-beliebigem Gegner eingesetzt werden sollten.

The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel III ist also emotional, funktional und bestimmt im Gegensatz zu anderen Spielen in diesem Sektor selbst, wie weit er gehen möchte. Es gibt keine Grenzen in puncto Dialoglänge, Sexualität oder dem typischen und geliebten Harem-Humor. Da kann es auch mal passieren, dass ein weiblicher Charakter einem anderen Charakter unter die Rüstung fasst, um die Brüste zu begutachten – so ist das halt im japanischen Anime.

Die Gegend erkunden, Informationen sammeln und Monster töten – an sich scheint man hier nichts Neues zu erzählen, doch ist es entscheidend, wie dieses präsentiert wird. Man läuft manchmal durch kleinere Schlauch-Gebiete, tötet Monster und untersucht eine bestimmte markierte Stelle. Dort wird dann irgendwas passieren, dass wiederum zu einer sehr coolen Cut-Scene und manchmal auch einem ziemlich fiesen Kampf führt. Dann geht das Geschehene weiter, es wiederholt sich auch mal, doch an bestimmten Punkten im Spiel, wenn man glaubt, erahnen zu können, was als Nächstes passiert, dann zeigt das Spiel, was es wirklich kann. Dann passiert eben genau etwas Anderes und genau dann hat Cold Steel seine größten Stärken. Das Überraschungsmoment liegt oft auf der Seite der Entwickler und es kommen immer wieder neue Charaktere hinzu, denen man einfach gerne zuhört, deren Geschichte man hören möchte und die das Spiel vor allem bereichern, auch wenn es nicht immer ganz so leicht zu durchschauen ist.

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