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Wenig Glück in Little MisFortune

Die Welt kann teils schon sehr erbarmungslos sein. Es gibt Kinder, deren Eltern sich nicht um sie kümmern. Es gibt Kinder, die spurlos verschwinden. Gewalt, Drogen und noch mehr Gewalt stehen auch bei dem täuschend süßen Spiel Little Misfortune an der Tagesordnung.

Hier spielt man ein kleines Mädchen, das von einem Erzähler, der sie Misfortune nennt, auf Reisen geht. Vorbei geht es an der überforderten und trinkenden Mutter über die Straße, in einen Wald, in einen Tunnel und in die Stadt. Viele Orte, die an sich unspektakulär klingen, aber für das kleine Mädchen eine Weltreise darstellen.

So läuft man in geschickter Point&Click Manier von Bild zu Bild, sucht die Gegend nach untersuchbaren Gegenständen ab, sammelt manche Gegenstände und bestäubt manche mit der allzeit bereiten Glitzerpulle. Süßer kann es eigentlich kaum werden.

Wenn man sich die Szenen einmal wegdenkt, die das Spiel einem vor die Füße wirft. Es regnet tote Raben, man sieht tote Kinder und manchmal passieren auch Lebewesen tödliche Unglücke, wenn sie auf die kleine Lady Misfortune treffen. Diese ist an sich ein unschuldiges Kind, dem aber leider die schlimmsten Dinge passieren und die leider auch mal gerne Sachen sagt, die Kinder in ihrem Alter nicht sagen sollten.

Bewegend, packend und absolut emotional spielt man das Spiel für 2,5 Stunden, bis dann das Ende erscheint, das alles in einem neuen Licht erscheinen lässt. In einem grausamen Licht.

Die wenigstens Entwickler trauen sich, den Tod von Kindern zu behandeln – oder auch von Tieren. Sie sind die Schutzbefohlenen der Gesellschaft und sollten nicht in die dunkle und grässliche Welt der Erwachsenen und ihrer Schwächen gezogen werden. Doch genau das tut dieses Spiel. Es nimmt sich ein kleines Mädchen und zeigt, was auf der Welt mit Kindern passieren kann. Einen kleinen mystischen Aspekt gibt es nebenbei bemerkt auch und sorgt sogar für den ein oder anderen morbiden Lacher, dennoch wird das Spiel von Minute zu Minute ernster.

Die Geschichte ist wirklich sehr gut geschrieben und es gleicht kein Ort dem anderen. Ständig gibt es Neues zu entdecken und ständig wird man mit Entscheidungen konfrontiert, die Konsequenzen mit sich tragen. Diese Konsequenzen sind aber keine Strafe bei einer “falschen” Entscheidung, sondern einfach nur Konsequenzen von Entscheidungen. Das Spiel geht immer weiter und lässt einen immer weiter in eine sehr obskure Geschichte eintauchen.

Die Grafik ist dabei sehr gut und auch die Performanz macht ihren Job perfekt. Das Spiel bleibt seinen Stil treu und es läuft einfach nur fantastisch. Die Sprecher geben sich wirklich sehr viel Mühe, was wohl auch daran liegen mag, dass sie auch gleichzeitig die Entwickler sind. Ein leichter Akzent lässt das Mädchen schon in einem ganz anderen Licht im Dunkeln erstrahlen – einfach super.

Dieses Spiel ist ein Beispiel dafür, dass ein Spiel nicht 100 Spielstunden braucht, um Spaß zu machen oder in Erinnerung zu bleiben. Manchmal sind es auch einfach die kleinen Dinge, die einem den Abend versüßen können – auch wenn ich manchmal schon schockiert war.

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