ReviewRollenspieleVideospiel

Everreach Project Eden: Ein One-Man-Mass-Effect

Mass Effect war vor allem noch vor seinen Zeiten von Andromeda ein Science Fiction-Erlebnis, das man so noch nicht zuvor erlebt hat und auch lange Zeit in der Form nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Wir sprechen hier nicht von den typischen Alienrassen, den grünen Männchen, welche die Welt zerstören möchten, sondern von KI-gesteuerten Robotern, denen man schon fast eine Seele zusprechen kann und von anderen Alienrassen, die nicht nur als Feindbild daherkommen, sondern ebenfalls einen Platz im Weltraum suchen.

In den meisten Weltraumspielen ballert man sich von Feindgebiet zu Feindgebiet und alles, was anders, tierähnlich oder auch humanoid aussieht, wird eingeschätzt und dementsprechend auch behandelt.

Everreach hingegen erzählt eine Geschichte. Eigentlich erzählt es die Geschichte der zukünftigen Menschheit: Die Menschheit hat einen Planeten gefunden, auf dem normales Leben möglich ist und macht sich auf den Weg dahin. Die Reichen zuerst, andere dürfen nur zum Schutz oder Aufbau dorthin. Eines Tages scheint aber etwas nicht zu stimmen, denn ein Rohstoff kommt nicht dort an, wo er benötigt wird. So macht sich die Protagonisten auf, ihren Söldner-Job zu erfüllen und den Planeten zu sichern, das Ziel zu identifizieren und… nun ja, eben auf den Putz zu hauen und die Heldin zu werden. Was zu Beginn wie eine eher langweilige Geschichte beginnt, entfaltet sich sehr schnell durch Dialoge zu einem einzigartigen Erlebnis. Während man den Planeten immer weiter erkundet, versucht, neue Aliens nicht direkt zu erschießen, dafür aber die Feinde aufzuhalten, begibt man sich auf eine Reise. Das beste Beispiel für die Tiefe der NPCs dürfte dabei der Roboter geben, den man zu Beginn trifft. Dieser hat ein Modul eingebaut bekommen, welches ihm mehr Persönlichkeit geben sollte. Da der Oberbefehlshaber leider aber keine Ahnung von Technik hat, wurde das Modul falsch eingebaut, was dafür sorgt, dass der Roboter versucht witzig zu sein, es aber einfach nicht kann. Der Versuch witzig zu sein ist dabei schon witzig genug, dennoch bemüht er sich so sehr, dass es wirklich herzerwärmend ist. Schnell packen wir ihn ein und nehmen ihn auf unserem besonderen Gefährt mit. Wir haben nicht nur ein langweiligen Automobil, sondern fahren ein futuristisches Motorrad ohne Räder, dafür aber mit der Möglichkeit über Wasser zu gleiten. Schnell gewöhnen wir uns an die Steuerung und müssen auch schon die erste rasante Ausweichfahrt hinter uns bringen – unser Roboter ist dabei keine große Hilfe.

Der Gute hat leider neben seinem verlorenen Humor ein weiteres Manko: Er hat keine ausgerüsteten Waffen oder Schilde, die im Kampf helfen. Er hat Schraubenzieher und kann so manches Problem beheben. Vieles in dem Spiel schreit nach Mass Effect: die Umgebung, die Ganzköperanzüge, das Menü, Schilde und Lebensenergieanzeigen, sogar die Kisten im Spiel lassen ein wenig sehr an den geistigen Vater erinnern. Dennoch zeigt Everreach in einem Punkt eine gute

Eigentleistung, denn das Leveln und vor allem das Verteilen von Skillpunkten auf einem riesigen Skill-Tree sind schon verlockend.

Looten, leveln und nebenbei noch einer gut erzählte Geschichte lauschen, die von eigenen Entscheidungen geprägt wird, genau das macht ein Mass Effect aus. Und GENAU das macht auch dieses Spiel aus. Es kitzelt Retro-Feelings hervor und versucht gleichzeitig so manches auch anders zu machen. Wer nun aber auf einen Triple-A-Titel hofft, dessen Bewegungsabläufe, -Animationen und auch dem generellen Auftreten in Zwischensequenzen einwandfrei sind, der hofft zu viel. Everreach wurde von einem kleinen Team entwickelt und kann nicht in allen Punkten mit einem 150 Mann Team mithalten, doch es kann die Gefühle an manchen Ecken besser vermitteln und an manchen wiederum schlechter. Es läuft auch noch nicht ganz so glatt, da es auch gerade erst erschienen und seine Zeit benötigt. Schön ist jedoch, dass das Spiel sich selbst treu bleibt, Action einbaut, wo Action gebraucht wird, Dialoge nutzt, wo die Story weitergehen muss und dennoch zwischendurch hier und da mal eine Abzweigung einbaut, die den Spieler zum Erkunden einlädt.

 

Everreach gibt es bei Steam für 24,99 Euro. Hier ein Link.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.