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Netflix' The Witcher – ein voreingenommenes Review

The Witcher basiert auf der Grundlage des Autors Andrzej Sapkowski, welcher nach seinen anfänglichen Kurzgeschichten über den Monsterschlächter Geralt zu einer fünfteiligen Saga überging.

Dem Roman bzw. der Romanreihe schenkte man zu Beginn leider weniger Aufmerksamkeit, bis dass ein kleines polnisches Studio sich der Geschichte rundum Zwergen, Elfen und Monster annahm. Dieses Studio war kein Geringeres als CD Projekt Red, welche für einen kleinen Obolus die Rechte erwarben, mit der Einschränkung, dass sie die Geschichte fortführten.

Doch wo genau ist die Netflix-Adaption nun einzuordnen?

Der Kurzgeschichtenband “Der letzte Wunsch” umfasst 12 Kurzgeschichten, welche vor der eigentlichen Romanreihe, welche Cirilla in den Fokus setzt, stattfindet. Es beginnt also mit der Einführung der Charaktere, einer kleinen Vorstellung jener Charaktere, die in den folgenden Romanen eine sehr wichtige Rolle einnehmen: Geralt von Riva, Yennefer von Vengerberg, Triss Merrigold,  Rittersporn und vor allem Dingen Cirilla Fiona Elen Riannon.

Geralt ist zwar auch in der Netflix-Serie bereits in die Jahre gekommen, doch wahre Liebe kennt er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch kennt er noch keine Ziele, Gefühle oder aber auch Herausforderungen. Er ist ein abgebrühter Hexer, der weder in der Welt der Menschen noch in der Welt der Anderlinge (Elfen, Zwerge) Anklang findet. Unter den Menschen ist er einfach nur ein Mutant, dessen Gefühle abgetötet wurden. Unter den Monstern ist er ein Schlächter, der zwar versucht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, doch nicht immer erfolgreich ist. Unter den Anderlingen ist er bestenfalls ein Anderling, meist aber dann eher ein Mensch – also ein Feind.

Denn in der Welt von The Witcher kamen zuerst die Elfen. Danach kamen die Zwerge und zuletzt die Menschen, welche die ersten beiden Völker unterjochten. So stehen sich Menschen und Anderlinge meist als Feinde gegenüber. Die Anderlinge werden unterdrückt und wie Sklaven behandelt. Sie leben in Slums und eine kleine Gruppe dieser Anderlinge rebellieren. Die sogenannten Sciotael stellen kleinere Gruppierungen auf, welche die Menschen versuchen zu vertreiben. Die anderen Elfen und auch Zwerge müssen sich dem Urteil der Menschen beugen und sid grundsätzlich, in den Augen der Menschen, Teil dieser Rebellion. 

Dann gibt es auch noch den Krieg zwischen dem Norden und Süden der Menschenwelt. Ein Königreich namens Nilfgaard möchte sich beweisen, mehr Land einheimsen und rückt dem Süden immer näher und nimmt Land ein, das nicht ihm gehört. Sie werden die “Schwarzen” genannt, da sie schwarze Rüstung tragen, sehr auf Hygiene aus sind und natülrich auch auf ihre Regeln. Nilfgaard stellt sich selbst als Ordnung hin, die den verwitterten und verwilderten Süden befrieden möchte.

Neben Königen, deren Krieg an erster Stelle steht, gibt es aber noch eine sehr wichtige Fraktion: die Zauberer und Zauberinnen. Diese nutzen jene Magie, welche auch die Monster während der sogenannten Sphärenkonjuktion erschaffen hat. ZauberInnen unterlaufen dabei einen sehr unangenehmen Prozess, der nicht nur Lehre, Weisheiten und die Verschönerung des Körpers mit sich bringt, sondern auch den Fluch der Unfruchtbarkeit.

Die Zauberer bilden eine Bruderschaft, welche sich in die Geschicke der Könige einmischt. Jedes Königreich, oder aber auch jeder, der Macht hat, wird von einem Magier begleitet, beraten und unterstützt.

Magier, Elfen, Zwerge – das hört sich nun alles nach High Fantasy an, wären da nicht die Monster. 

Hexer sind in der Welt sehr wichtig. Kleine Kinder werden genutzt, um einen schweren Prozess, der sehr tödlich ist, zu unterlaufen. 2 von 10 Kindern überleben die Mutation und werden zu Hexern. Diese Hexer werden jahrelang ausgebildet, um mit ihren übermenschlichen Geschicken den Monstern Einhalt zu gebieten – natürlich gegen Geld. Von den paar Kronen, welche die Hexer mit Einsatz ihres Lebens erhalten, müssen sie sich über Wasser halten. In der Winterzeit machen sie sich auf in ihr geheimes Versteck und gehen nach Kaer Morhen.

In der Serie wird der Fokus hauptsächlich auf die Zauberin Yennefer gelegt. Ihre Geschichte wird erzählt und der Charakter der schönen, aber auch gefährlich selbstsüchtigen Hexe wird an mehr als nur einem Punkt offen dargelegt. Auch die Beziehung zwischen Yennefer und Geralt nimmt langsam an Fahrt auf.

Neben den Fragen, warum Geralt “Der Schlächter von Blaviken” genannt wird, erfährt man ebenfalls Ciris Rolle. Was in den Romanen immer etwas untergegangen ist, ist Ciris königliche Herkunft. Natürlich wird ihr prinzessinenhaftes Auftreten zwischendurch mal genannt, doch konnte die Serie in diesem Punkt einige Lücken schließen, die andere offen gehalten haben.

Auch der Charakter Calanthe, Ciris Großmutter, erhält eine deutlich große Nebenrolle und ist dabei ein sehr guter Konterpart zu Geralt.

Ob nun Skellige, ein Wikinger-Volk, ob nun Nilfgaard, ein diktatorisches Unterdrückervolk oder ob nun Temerien, ein recht freies, aber fehlerhaftes Volk, alle Völker kommen in dieser Serie in kleinem und großem Maße vor.

Die erste Staffel von The Witcher schließt sogar die Kurzgeschichte um Adda mit ein, welche im Videospiel The Witcher 1 als Zwischensequenz am Anfang dargestellt wurde. Auch findet man Bezüge zu anderen wichtigen Charakteren, u.a. die Zauberinnen Koralle und Fringilla.

Die Serie spielt einige Jahre vor den Videospielen und schließt dann nahtlos an die Romanreihe an (wenn man nun mal die Kurzgeschichten außer Acht lässt).

Die Geschichte wurde sehr gut umgesetzt, die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und die Effekte sind … nun ja, echt nicht gut. Ein Drache sieht manchmal aus wie ein Drache und manchmal leider nur wie eine schlecht gezeichnete Puppe. Auch die Kikimora, ein spinnenähnliches Monster, das zu Beginn gezeigt wird, weiß rein optisch zu enttäuschen.

Die Zaubereffekte sehen hingegen gut aus, doch fallen sie auch spärrlich aus. Mal sieht man ein Portal, mal ein bisschen Feuer und dann mal wieder Ranken, die aus dem Boden emporwuchern. Das sind nun alles keine Meilensteine der CGI, doch sind sie in diesem Umfang in Ordnung.

Die Schauspieler sehen leider nicht so aus, wie man sie aus dem Videospiel kennt. Die kleine Ciri beispielsweise hat eine sehr gute Ausstrahlung, doch wirkt sie etwas zu alt, wenn man bedenkt, wie alt sie wirklich sein sollte. Triss sieht älter aus als Yennefer und die rot über schwarz gefärbten Haare… na ja.

Geralt und Yennefer kommen der Videospieladaption sehr nah, wenn auch nicht ganz. Grundsätzlich wird man optisch enttäuscht, wenn man sich auf die Videospiele stützt. Hat man jedoch die Bücher gelesen und dies ist die erste Darstellung, die man sieht, munkelt man nur über das Alter der Schauspieler, was nicht so recht passen möchte.

Promi-Besetzung gibt es dabei nur bei Geralt, der von Henry Cavill (Superman), einem echten The Witcher-Fanboy gespielt wird. Nichtsdestotrotz zeigen alle Schauspieler eine sehr gute schauspielerische Leistung, die sowohl in Bild als auch Ton stimmt. Rittersporn beispielsweise singt sehr oft und das genauso, wie man es sich von einem Barden wünscht.

Fazit:

Mich hat die Serie vollends überzeugt. Ich habe mir alle 8 Episoden an knapp 1 1/2 Tagen angeschaut, und dass auch nur, weil ich zwischendurch schlafen musste. The Witcher-Fans dürfte die Serie voll und ganz überzeugen, da sie auch eine Geschichte erzählt, die bislang zwar nicht unerzählt, aber auch nicht wirklich behandelt wurde. Vor allem die sagenumwobene Schlacht um Sodden, die immer wieder erwähnt wird, bekommt nun auch Bildmaterial. Ja, CGI ist hier wirklich nicht gut, aber das war es bei Game of Thrones auch nicht. Es ist nunmal eine Serie und diese hat ein anderes Budget als Star Wars. Solange das Drehbuch stimmt und die Schauspieler ihre Rolle ernst nehmen, stimmt auch die Stimmung in der Serie.

Magst du Fantasy, dann ist The Witcher das Richtige. Magst du The Witcher, dann ist auch die Serie das Richtige. Magst du eher High Fantasy und soll Oma nicht vom Hocker fallen, wenn sich Frauen ausziehen, dann besser nicht The Witcher. The Witcher richtet sich an Erwachsene und zeigt das auch in allen möglichen Szenen, ob nun Gewalt oder Sex – eben wie das Videospiel oder auch die Bücher. Der Hexer hat sich den Beinamen “The Bitcher” gut verdient.

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