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Baldur's Gate 2 auf der Switch – kein Augenschmaus, aber dennoch das beste RPG aller Zeiten?

Baldur’s Gate 2 ist eigentlich gar nicht der zweite Teil. Auch Baldur’s Gate 1 ist eigentlich nicht Teil 1. Im ersten Teil endete es angeblich, doch dann erschien der DLC “Siege of the Dragonspear”, welcher die Geschichte knallhart weitererzählte. Drei Kapitel später endete der DLC, doch Baldur’s Gate und seine Geschichte waren noch lange nicht mit der Spielerschaft fertig. Baldur’s Gate 2 ist ganz streng genommen immer noch Baldur’s Gate, nur eben ein paar Kapitel weiter.

Nachdem man im DLC so elendig von hinten niedergemacht wurde und keine Ahnung hatte, ob der eigene Charakter nun tot ist oder einfach nur bewusstlos, bringt Baldur’s Gate 2 Licht ins Dunkel. 

Nicht alle haben den Überfall überlebt. Das Team ist nun kleiner, doch mit die wichtigsten Charaktere haben nach ihrem Schlummer nun einen Grund mehr, sich ins Getümmel zu stürzen und der da wäre Rache. Mitsamt der seltsamsten Begleiter, u.a. auch wieder dieser komische Typ, der seinen Hamster Boo dabei hat und ständig mit diesem spricht – man, hätte ich den gerne in seiner Zelle gelassen, aber er ist nunmal stark – macht man sich auf die Suche nach der Wahrheit. Warum ist man in einem unterirdischen Laboratium gefangen und wo ist der Rest der Crew? Okay, manche sind tot, aber eine wichtige Person fehlt da noch.

Wo ist die beste Freundin, die einen nicht nur einmal aus der Patsche geholfen hat? So durchsucht man den wilden und forschungsträchtigen Keller des Zauberers, der so viele fehlgeleitete und verabscheuungswürdige Experimente durchgeführt hat, um der Wahrheit näher zu kommen.

Natürlich geht es mal wieder um Macht und um die Brut Baahls, die man ja spielt. Die Geschwisterlein, die ebenfalls mächtig waren und die Brut des Gottes des Mordes waren, wurden von uns, ebenfalls Baahls Brut, ermordet. Aber wir sind die Guten – denken wir zumindest.

Also geht es weiter, wir entfliehen der unrechtmäßigen Gefangenschaft und machen uns auf den Weg zu diesem ominösen Zauberer. Dieser findet uns auf einmal nicht mehr so interessant und nimmt lieber die Freundin mit. So stehen wir da, haben Magie benutzt, welche die Bevölkerung verboten hat, suchen Löcher in unseren kleinen Kerkerzellen, suchen Verbündete, die uns retten und suchen vor allem Geld, um unser Unterfangen zu finanzieren.

Und so geht es immer weiter und weiter. Die Geschichte wird dichter, düsterer und wird von vielen, aber gut geschriebenen, Nebenquests untermauert.

Rundenbasierte Kämpfe, die man nicht wirklich steuert und die auch nicht wirklich rundenbasiert sind, sondern action-lastig, da die Charaktere alles selber machen, gehören dabei zur alten doch feinen Schule.

Texte lesen und sich nicht alles, aber immerhin einiges, vorlesen lassen, ist auch alte Schule. Vieles an dem Spiel ist alt, so auch die Grafik. Trotz Enhancements, die besser aussehen als auf dem PC, wird die Grafik keinen Award mehr gewinnen können. Es sind Pixel über Pixel und damit ist kein retroschicker Grafik-Look á la Children of Morta gemeint.

Doch sieht man an diesen Pixeln vorbei, groß genug sind sie ja, dann erkennt man ein richtig gutes Spiel, das sogar auf der kleinen Switch-Konsole gut läuft und sich noch besser spielen lässt. Die Steuerung ist freier und weniger hakelig als bei Pillars of Eternity und nur das Menü weiß durch zu viel Micromanagement zu nerven. Dafür kann man aber ständig speichern, pausieren und bei Zeiten weitermachen, ob nun in der Bahn oder auf der Arbeit.

Der Text ist groß genug, um ihn gut lesen zu können und auch der Rest ist gut umgesetzt.

Fazit:

Baldur’s Gate 2 ist noch besser als Baldur’s Gate und legt auf Spiele wie Pillars of Eternity 1 & 2 noch eine Schippe drauf, was das Erzählen von Geschichten angeht. Die Kämpfe sind nicht ganz so modern und die Grafik ist nunmal wie sie ist, doch zeigt Baldur’s Gate, was an einem Spiel wirklich wichtig ist: das Drumherum. Die Atmosphäre muss einen manchmal einfach abholen und genau das schafft dieses altbackene Spiel. Alles in allem ist es einfach toll und neue, moderne Spiele sollten sich hier noch einmal etwas abgucken, auch wenn sie dies schon zahlreich getan haben. Immerhin, warum kann ich mich in einem Rollenspiel nicht als Druide in einem Wolf verwandeln? Weil es technisch nicht möglich ist? Warum ist mein Fähigkeitenbaum mit drei Fähigkeiten so winzig? Weil es technisch nicht möglich ist?

Baldur’s Gate macht das alles und mehr möglich und verzichtet dafür auf die Technik. Man muss sich also fragen, was einem wichtig ist, bevor man sich fragt, welches Spiel man spielen möchte.

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