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Phoenix Point – Spielspaß in Runden und Frust in Tüten

Phoenix Point ist das neue XCOM. Doch warum ist es das neue XCOM? Ist nicht XCOM 2 das neue XCOM? Was macht ein XCOM aus? Ist es der eine Entwickler, der eine Schöpfer, der hinter dem Spiel steht? Ist es das ganze Team, ohne diesen einen Schöpfer?

So viele Fragen erfordern eine ganze Menge Spielzeit, die man in Phoenix Point nur allzu gerne reinsteckt. Denn Phoenix Point kommt vom Schöpfer der XCOM-Reihe und verspricht zumindest in der Beschreibung und auch in den einzelnen Trailer nicht mehr und nicht weniger zu sein, als ein neuer Teil der beliebten Spielereihe.

Doch das sind nun einmal Worthülsen und Trailer-Compilations, die nichts aussagen. Um sich ein richtiges Bild von XCOM … ähm… Phoenix Point zu machen, muss man es einfach mal lange Zeit ausprobiert haben.

Fangen wir dafür bei den Grundsätzlichkeiten eines guten Taktikspiels an: die Story.

Nein, Spaß beiseite. Die Story in einem Taktikspiel kann gut sein, aber es kommt auf andere Dinge an. Doch in jedem guten Review sollte wenigstens beschrieben sein, worum es in dem Spiel geht.

Mal sehen… Phoenix Point spielt dann, wenn die Menschheit schon so gut wie ausgerottet wurde. Die Aliens haben sehr viele Menschen und Tiere mit einem Virus befallen lassen, bevor sie dann den Planeten eingenommen haben. Die paar restlichen Menschen, die noch auf der Erde verweilen, sind reine Rebellen. Manche haben den Hintergrund, dass man sich an die neue Welt anpassen sollte. Mithilfe des Virus wachsen, sich selbst stählern und die Technologie umarmen, auch wenn man dann weder psychisch noch physisch ein Mensch genannt werden kann.

Andere bekämpfen dieses Virus und auch die daraus entstehenden Mutanten. Sie wollen ihre Erde zurück, greifen zu brachialer Waffengewalt und suchen nach den Notizen eines schlauen Wissenschaftlers, der dem Ganzen auf den Grund gehen wollte.

Religion, Wissenschaft, Politik und der Wille zu überleben können nicht immer Hand in Hand gehen, sodass es mehrere Organisationen von Rebellenlagern gibt.

Im Gameplay wirkt sich das Ganze so aus, dass man Entscheidungen treffen kann. Entscheidungen in einem XCOM? Cool!

Man schaut sich an, was die Fraktionen möchten, ist teils gezwungen, Stellung zu nehmen und sich für eine Seite zu entscheiden. Dementsprechend mögen einen manche und andere eben nicht. Die Entscheidung liegt beim Spieler. Man kann auch Fraktionen auslöschen, die einem nicht passen – sehr menschlich.

Neben dem Treffen von Entscheidungen, dem Aufbau der Basis, die dann militärisch und human- bzw. alienwissenschaftlich ausgebaut werden kann, ist es aber auch wichtig, regelmäßig über die ereignisarme Map zu fliegen, einen Punkt auszuwählen und dann gegen Feinde zu kämpfen. Doch Obacht: Man muss seine Munition, seine Fertigkeiten, seine Waffen und sämtliche Ausrüstung vor dem Einsatz planen. Hat man zu wenig Munition eingepackt, weil Chantal mal wieder kein einziges Ziel trifft, stirbt das ganze Team. Permadeath kann auch in Phoenix Point eine schöne Partie aus Laden und nochmals Laden werden, wenn man alle am Leben halten will.

Ressourcenmanagement trifft also nicht nur auf Rundenstrategie, sprich den Angriff Mann zu Mann oder Frau zu Alien oder wie auch immer, es tifft auf Rundenstrategie/-Taktik. Es heißt also, erst richtig gut ausrüsten, dann in den Kampf fliegen und die Gegner ausmerzen.

Und nicht jeder Gegner ist leicht zu durchschauen. Manche haben Spezialfähigkeiten, an denen man sich die Zähne ausbeißt, wenn man nicht aufpasst. Wie wäre es beispielsweise mit einem schlangenähnlichen Alien, das einen nicht nur umschlingt, wie etwa in XCOM, sondern auch noch für mehrere Runden die Kämpfer auf seine Seite zieht? Wie wäre es, wenn besagtes Monster den Sniper übernimmt und alle Kameraden wegholt? Wie wäre es, wenn geliebter Grenadier, der extra gut ausgerüstet ist, plötzlich die krassen Granaten auf die eigenen Leute wirft? Grundsätzlich hat man dann erst einmal Pech gehabt. Oder diese wunderschönen Riesenspinnenaliens, welche die Mannschaft mit ihrem Schleim unbeweglich macht? Dann hat man auch erst einmal Pech gehabt.

Zumindest zu Beginn. Je mehr man spielt, je grausamer und schmerzvoller die Tode kurz vor dem Ziel, desto mehr kommt man aus sich heraus. Man wird besser, man taktiert mehr, die Strategien gehen auf. Wenn dann man wieder ein Arm abgeschossen wird und der beste Sniper sein Scharfschützengewehr nicht halten kann, dann gibt man ihm beim nächsten Mal oder beim Neuladen eine Sidearm mit, die er mit einer Hand abfeuern kann. Ist der Schleim zu zäh, um zu entkommen, na dann packt man die dicken Geschosse aus. Und werden mal wieder alle von der Schlange heimgesucht und versuchen mit ihren besten Schießkünsten, die sie sonst nie haben, Kameraden wegzupusten, dann gibt man ihnen entweder direkt den Gnadenstoß oder setzt auf die Wissenschaft, um etwas gegen Gedankenkontrolle zu tun.

Fazit:

Es gibt nur wenige Spiele, die einen so auf die Palme bringen können, wie es ein Phoenix Point tut. Die Kämpfe sind dabei nie unfair, sie sind einfach nur herausfordernd und werden herausfordernder. Wem der Anfang zu schwer ist, sollte schnell auf “leicht” beginnen und wer es auf leicht dann nicht schafft, der muss Nerven aus Stahl haben, denn es wird nicht einfacher werden. Man muss mit dem Spiel wachsen und das ist auch gut so. Viele Spiele vertun sich mit dem Schwierigkeitsgrad und sobald man eine gute Methode hat, ich sage an dieser Stelle nur Feuerschutz, dem kann bis zum Ende des Spiels nichts und niemand mehr etwas antun – nicht so in Phoenix Point.

Die Dialoge sind gut geschrieben, das Gameplay macht Spaß und es kann sehr befriedigend sein, in einem Rundenstrategiespiel so richtig große Monster auseinanderzunehmen. Ob nun erst die Arme, dann die Beine und zuletzt der Kopf – alle Reihenfolgen haben ihren Reiz und ihre Vor- und Nachteile.

Wem das Spiel zu teuer ist, der kann es sogar über den Game Pass auf der Xbox und/oder dem PC gratis spielen. Ansonsten sind knappe 40 Euro im Epic Store aber auch angemessen.

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