Behind the Pixels

Fußball – die Liebe zum Sport und der Fan in mir.

Abseits der Zeit die ich schon mit Videospielen, Serien, Filmen, dem Reisen und Entdecken verbracht habe – ebenso viel Zeit verbringe ich schon seit meinen jüngsten Tagen mit dem Fußball. Mich dafür zu interessieren habe ich mich schon immer – schließlich spielte mein Papa schon viele Jahre und nach dem Mauerfall fanden wir gut 600 Kilometer ein neues zu Hause. Entscheidungsgewalt über den Umzug hatte ich nicht, mit 3,5 Jahren war’s mir auch wohl eh egal … aber so fanden meine Eltern jeweils einen neuen Job und mein Pa schnürrte bald wieder die Fußballschuhe im Dorfverein. Es gibt noch vereinzelte Erinnerungsfetzen im Kopf und meinem Vorbild “Papa als Fußballer” wollte ich natürlich auch nachgehen. Also ging’s mit fünf Jahren los. Minikicker hieß es damals – heute nennt man die kleinsten glaube ich nicht mehr so?!

Ganz untalentiert war ich nie, auch wenn ich technisch nicht das Maß aller Dinge bin – bis heute nicht das Aushängeschild meiner Spielphilosophie. Aber ich hatte immer Ausdauer, Willen, ein gutes Auge und Übersicht – war und bin ein “Wadenbeißer”. Also immer dran am Mann. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nach dem Training war damals vor dem Training. So malte ich mir verschiedene Übungen auf ein Stück Papier, zog mich an und schnappte mir den Ball. Irgendwie besser werden und Spaß dabei haben. Mir fällt es auch nicht schwer den inneren Schweinehund zu überwinden und an meine Grenzen zu gehen, sich auszuprobieren und auf die Fresse zu fallen. Ich spiele nun seit 27 Jahren Fußball und habe noch immer eine ungebrochene Leidenschaft für das Spiel. Manchmal vielleicht auch ein bisschen zuviel Ehrgeiz. Nur geht’s aktuell nicht. Weder privat und ebenso wenig in den größeren Stadien. Langsam fängt es an mir sehr zu fehlen und in den Füßen zu jucken und irgendwie daher kam der Gedanken einfach mal über Fußball zu schreiben. Warum und wieso und überhaupt und warum mein Herz für den BVB schlägt.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=WRIVsmi5m44

Als ich als kleiner Döps mit einer furchtbaren Frisur über den Rasen rannte, nun … da hatten wir als Familie eine neue Heimat und mein Pa ist früher oft zu Cottbus oder Dresden gefahren. Beides unerreichbar für mich und in den 90ern hatten viele Ostvereine früher oder später große finanzielle Nöte, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Ich bin in einer blau-weißen Hochburg aufgewachsen. 138 Kilometer entfernt von Herne-West. Gefühlt jeder im Kindergarten oder später in der Grundschule trug Königsblau oder war Fan vom FC Bayern. Beides nicht mein Ding und der Ausschlag gebende Grund mein Herz dem BVB zu geben war damals ein Mann: Karl-Heinz Riedle. Mit fünf Jahren ist es nicht besonders schwer das Herz von einem kleinen Bengel zu erobern … Karl-Heinz Riedle wechselte 1993 zum Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund. Ich war hin und weg, verliebt und vergötterte diesen Mann! Das Zimmer hing voll mit seinen Postern! Meinen ersten Fanschal vom BVB kaufte ich im übrigen beim Spiel zwischen FC Schalke 04 – FC Bayern im Parkstadion – mir bis heute ein Rätsel wie ein Schal von Dortmund dort überhaupt hängen konnte und mein Pa war am Ende nur dankbar das wir noch leben. Aber alles gut – an Anfeindungen oder ähnliches kann ich mich nicht erinnern. Im übrigen sind wir damals vom Fußballverein zum Spiel gefahren. Ich erzählte ja bereits von der Hochburg … wie das Spiel ausging weiß ich gar nicht mehr.

Aber Fußball ist nicht immer einfach. Ich tue mich manchmal doch sehr schwer das ganze Gewusel, den Trubel und den Wahnsinn hinzunehmen. Ich bin keiner von denen, die pöbelnd im Stadion stehen / sitzen und den Schiri, gegnerische Spieler oder sonst wen asozial anpöbeln und provozieren. Volltrunken um das Gleichgewicht kämpfen und sich nachher an nichts mehr erinnern. Ich hasse das wirklich sehr. Es gibt so unfassbar viele “Fachidioten” und furchtbare Menschen im Stadion oder rund um das Spielfeld. Manche lassen eben Hirn und Moral gleich komplett zu Hause. Dieser ganze homophobe, sexistische, rassistische und keine Ahnung welcher Kackscheiß noch. Es. Ist. Widerlich. Dabei geht’s mir gar nicht um die Emotionen und die Gefühle – ich kenne das alles selbst – aber Fußball, egal wie groß der Teil ist, den er im Leben einnimmt am Ende nur ein Spiel über 90 Minuten und manchmal länger. Da auf dem Platz stehen Menschen, genau wie neben dir auch ein Mensch steht oder sitzt.

Wir sind liberal aufgewachsen und Akzeptanz war ein großer Teil davon. Und ehrlich gesagt blieb mir auch nichts anderes übrig. Trotz größter Bemühungen wurde einer meiner Brüder Fan von Herne-West und der andere auch noch Fan vom FC Bayern. Ja … ihr könnt euch also vorstellen wie kunterbunt es damals bei uns zu Hause abging als Spieltag war. Freude und Tränen lagen oft beieinander, meiner Mama standen die Haare zu Berge und der ein oder andere von uns musste dann doch mal auf’s Zimmer wenn es gar nicht mehr anders ging. Im Garten stand ein Fahnenmast, an dem die jeweiligen Vereinsfahnen hingen. Je nach Tabellensituation der drei Vereine wurden die Plätze am Mast getauscht. Im übrigen: Der Bruder der damals Fan vom FC Bayern war, ist heute nur noch Fußballfan.

Das kann Fußball im übrigen auch: DFP-Pokal. Kleiner Verein aus der 3. Liga schießt großen Verein aus der 1. Liga aus dem Wettbewerb.

Und mit den Jahren und dem Verstand der langsam so ins Hirn floss, nahm ich natürlich auch den Zirkus Fußball in all seinen Facetten mit anderen Augen wahr. So missfällt es mir bis heute wie sich große Stars aufspielen, verhalten und sich auf dem Fußballplatz zeigen. Abseits davon macht der ein oder andere auch keine besonders gute Figur. Es gab schon Zeiten wo ich mich emotional deutlich von der Liebe Fußball getrennt oder distanziert habe. Auch in den kleinen Vereinen – als nach jedem Training / Spiel irgendwann immer die Kiste Bier im Raum stand und manch einer gar kein Ende mehr fand. Auch das war nie so meins. Heute sehe ich etwas gelassener und bin froh das die Zeiten sich auch da langsam ändern. Alkoholfreie Erfrischungsgetränke haben schließlich auch den Weg in die Kabinen gefunden. Als Fazit für mich sage ich heute immer: Hassliebe. Das ist Fußball für mich.

Wie sich die ganze Blase in Zukunft weiterentwickelt weiß ich nicht und in der aktuellen Situation muss König Fußball sehr aufpassen nicht den Boden und die Substanz zu verlieren. Klar, ich würde echt verdammt gerne wieder selber spielen und auch Spiele live verfolgen können. Aber zu welchem Preis und mit welchem Recht? Es geht einerseits um irre viel Geld und auf der anderen Seite steht die Gesellschaft. Es sterben täglich Menschen und hinter jeder Person stehen wiederum Töchter, Söhne, Mütter, Väter und Schicksale. Viel zu viele und auch wenn der Schein trügen mag, weil die Mortalität in Deutschland nicht “so” erschreckend hoch ist wie in anderen Teilen der Welt, rechtfertigt das in meinen Augen noch lange keine Sonderbehandlung des Fußballs.

Aber das entscheide ich nicht. Ich sagte es ja bereits einige Zeilen weiter oben: Hassliebe.

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