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Cobra Kai – auftragen und polieren mal anders

Machen wir eine kleine Zeitreise in das Jahr 1984 – wir befinden uns in Los Angeles, in einer Turnhalle wo das Finale um die All Valley Meisterschaft im Karate ausgetragen wird. Daniel Larusso aus dem Miyagi Do und Johnny Lawrence von Cobra Kai stehen sich im finalen Kampf um den Titel gegenüber. Es steht 2-2 und die alles entscheidende Runde hat begonnen. Johnny versucht mit allerhand fieser Tricks das Turnier für sich zu entscheiden, doch Daniel hält tapfer dagegen. Allerdings sieht es nicht gut aus! Alle Versuche das Turnier fair zu gewinnen scheinen aussichtslos.

Die nun kommende Szene brannte sich fortan in alle Köpfe. Daniel sieht nur noch einen Ausweg und setzt zur legendären Kranichfigur an und besiegt Johnny mit einem krachenden Kick gegen das Gesicht. Ein legendärer Moment der Filmgeschichte schrieb und bis heute unvergessen mit Karate Kid verbunden ist.

Nun, wen beim Lesen dieser Zeilen nostalgische Gefühle übermannen, für den hat Netflix nun genau das richtige im Programm.

34 Jahre nach Karte Kid bekommen Daniel und Johnny nochmal die Gelegenheit ihre alte Rivalität aufleben zu lassen und zwar in Form der Serie Cobra Kai.

Diesmal begleiten wir aber nicht Daniel, sondern werfen einen Blick auf Johnny´s Leben und dieses ist nach der Niederlage im All Valley Turnier alles andere als rund gelaufen. Johnny ist geschieden, hat keinen Kontakt zu seinem Sohn und schlägt sich mehr schlecht als Recht mit Handwerks – und Hilfsjobs durch den Tag. Seine Grundnahrungsmittel sind Bier und abgelaufene Lebensmittel die sein Kühlschrank auch nicht mehr will. Milde gesagt, Johnny´s Leben ist scheiße. Zu allem Überfluss muss er jeden Tag, wenn er durch die Straßen des Valleys fährt das Gesicht von Daniel auf einer großen Plakatwand sehen. Dieser hat sich in den Jahre zu einem erfolgreichen Autohändler gemausert und sich einen sehr guten Lebensstil erarbeitet. Daniel hat eine wunderschöne Frau und zwei Kinder, einen Sohn (Anthony), der milde gesagt nicht der Sportlichste ist und eine Tochter (Samantha) mit der er früher immer noch etwas Karate geübt hat. Mittlerweile interessiert sie sich aber mehr für das Partyleben als für Ihren Vater.

Aber kommen wir zurück zu Johnny. Er ist die Art Mann, der in den 80er stehen geblieben ist. Er kennt sich mit keinerlei neumodischen Schnick Schnack aus und zeigt auch wenig Empathie für seine Mitmenschen. Johnny fühlt sich von der Welt schlecht behandelt und so gibt er es ihr wieder zurück. Dies ändert sich allerdings als er den Nachbarssohn – Miguel Diaz – vor einem Drugstore verteidigt, als dieser von den Highschool Rowdies mal wieder schikaniert wird.

Johnny macht kurzen Prozess mit den Jungs (zugegeben, es ist schon etwas befremdlich, wenn ein 40 Jähriger, ein paar 16 Jährige zusammenschlägt, aber he…) und legt eine Karateeinlage vom Feinsten hin.

Diese spektakuläre Show imponiert Miguel so ungemein, dass er fortan bei Johnny in die Lehre gehen will. Nach anfänglichem Zögern willigt Johnny ein Miguel zu unterrichten und fasst den Gedanken das alte Cobra Kai wieder aufleben zu lassen – allerdings mit seinen Regeln.  Ich möchte nicht zu viel Spoilern, da dies nur den Überraschungseffekt einiger Folgen schmälern würde.

Das besondere an der Serie ist zum einen dass sie es geschafft haben, wirklich jeden damaligen Darsteller (der heute noch lebt) der Filme zu integrieren. Von Johnny, über Daniel, ja sogar Johnny´s alter Sensei John Kreese bekommt einen Auftritt spendiert. Hier stellt sich für Kenner der Filme natürlich sofort ein gewisses Gefühl der Vertrautheit ein und spiegelt den Charme der Serie perfekt wieder. Es macht jedes mal Spaß einen alten Bekannten aus den Filmen zu treffen und zu sehen, was aus ihm mit der Zeit geworden ist.

Die Serie lebt von solchen Momenten und von der Dynamik der über allen schwebenden Fehde zwischen Johnny und Daniel. Allein das Wiederbeleben des Cobra Kai Dojos lässt in Daniel alte Erinnerungen wach werden, die er nur zur gerne verdrängt hätte. Beide können sich nach ihrem Treffen von vor 34 Jahre nicht riechen, dumme Zufälle lässt sie ihre Wege aber immer wieder kreuzen. Natürlich ist dies oft konstruiert und dient manchmal nur als Mittel zum Zweck, nur als alter Karate Kid Fan kann ich sowas gerne verzeihen.

Erstaunlicherweise schafft die Serie noch etwas anderes. War man in Karate Kid eindeutig auf der Seite von Daniel und Johnny der klare Antagonist, ist dies in Cobra Kai nicht mehr so eindeutig wie früher. Natürlich wird Daniel jetzt nicht auf einmal zum Big Bad (auch wenn er jetzt Autohändler ist) aber man merkt im Laufe der Serie immer wieder dass er Johnny seinen aufkommenden Erfolg nicht gönnen will. 

Im Laufe der Serie lernt man auch eine neue Seite an Johnny kennen, er will nicht den gleichen Weg wie sein alter Sensei einschlagen. Er will Karate nach seinen Vorstellungen lehren, er will besser sein! Nach und nach fiebert man als Zuschauer auch mit, hofft dass Johnny es nun wirklich schafft und ärgert sich dann wieder über die Dummheiten, die er aufgrund seines Stolzes macht. Es ist interessant zu beobachten, wie die Entscheidungen der beiden auf ihre Kinder abfärben und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Von mir eine klare Sehempfehlung! Für alle Fans von Karate Kid sowieso und für alle anderen lohnt sich ein Probetraining. Die ersten beiden Staffeln könnt Ihr bei Netflix schauen. Staffel 3 steht bereits in den Startlöchern (2021).

“Das Leben zwingt uns oft auf den Boden, aber nur Du kannst entscheiden ob Du liegen bleibst oder wieder aufstehst”  – Mister Miyagi

 

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