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Barbaren – die Schlacht im Teutoburger Wald

An Bushaltestellen oder Litfaßsäulen warb und klebte seit längerem das ein oder andere Plakat, welches auf die neue Serie von Netflix aufmerksam machen soll. Barbaren – so heißt die sechsteilige Serie die seit dem 23. Oktober bequem vom Sofa aus geschaut werden kann. Wer hier oder in der Nähe vom Teutoburger Wald geboren wurde, aufwuchs und sich für Geschichte interessiert wird die vielen Geschichten – oder zumindest ein paar davon – kennen. Die Germanen schlugen das große römische Reich im Teutoburger Wald und setzten damit einen Wendepunkt in der Herrschaftsgeschichte der römischen Invasion. In wie weit die erzählte Geschichte in der actiongeladenen und durchaus brutalen Serie der Wahrheit entspricht, darüber wird vermutlich viel und ausgiebig gestritten. Da ich aber nicht über den Umfang an Wissen verfüge, um darüber eine qualitative Aussage zu tätigen, überlasse ich das Feld gerne denen, die mehr wissen. 

Zumindest ist nicht alles Unwahr und den Produzenten ist ein durchaus gelungener Mix aus Unterhaltung und Geschichte gelungen. Interessant ist in dem Zuge folgende Aussage vom römischen Historiker Cassius Dio aus dem 3. Jahrhundert über die römischen Legionen vor Ort. 

Die Römer besaßen zwar einige Teile dieses Landes, doch kein zusammenhängendes Gebiet, sondern wie sie es gerade zufällig erobert hatten […] Ihre Soldaten bezogen hier ihre Winterquartiere, Städte wurden gegründet und die Barbaren passten sich der römischen Lebensweise an, besuchten die Märkte und hielten friedliche Zusammenkünfte ab. Freilich hatten sie auch nicht die Sitten ihrer Väter, ihre angeborene Wesensart, ihre unabhängige Lebensweise und die Macht ihrer Waffen vergessen. Solange sie allmählich und behutsam umlernten, fiel ihnen der Wechsel ihrer Lebensweise nicht schwer – sie fühlten die Veränderung nicht einmal. Als aber Quinctilius Varus den Oberbefehl über Germanien übernahm und sie zu rasch umformen wollte, indem er ihre Verhältnisse kraft seiner Amtsgewalt regelte, ihnen auch sonst wie Unterworfenen Vorschriften machte und insbesondere von ihnen wie von Untertanen Tribut eintrieb, da hatte ihre Geduld ein Ende. – wikipedia.org

Denn bei nur sechs Folgen kommt die Geschichte schnell auf den Punkt, bietet den Charakteren ausreichend Spielraum sich zu entwickeln und ist immer wieder von diversen Rückblenden gespickt. Game of Thrones oder Vikings hat es bereits vor vielen Jahren vorgemacht – das Setting hat seine Fans und lockt genügend vor die Flimmerkiste. Ich finde es zwar ein wenig nervig das auch heute noch sagen zu müssen, aber für “eine deutsche Serie” ist Barbaren wirklich außerordentlich gut produziert! Versteckt werden muss sich hier nicht! Das ganze Flair, die Rüstungen, die Häuser, Unterkünfte, die Kleidung und das Setting wird authentisch und glaubwürdig eingefangen. Auch die schauspielerische Qualität hat mich wirklich überzeugt – die meisten habe ich vorher noch in keinen Produktionen gesehen und war mehr als nur positiv überrascht. Ob und in wie weit der Sprachgebrauch gerade bei den Germanen realistisch ist, kann ich nicht beurteilen. Das ein oder andere Mal fragte ich mich aber schon ob die damals wohl so gesprochen haben? Umso schöner fand ich die lateinischen Dialoge zwischen den Römern, die per Untertitel übersetzt wurden und dem Ganzen an Realismus wieder nach vorne verhalfen. 

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=uX_qzfJyeT0

Und nun? Ich hab’s für wirklich sehenswert befunden und hatte eine gute Zeit – in Anbetracht der Tatsache das ich nicht um mein Leben kämpfen musste. Barbaren lohnt sich!

 

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One comment

  1. Da uns Vikings dort gut gefallen hat, haben wir auch keine Zeit verlieren und uns Barbaren reingezogen.
    Und wie dir sind nur aufgefallen, das immer wieder “für eine deutsche Serie” erwähnt wird. Total nervig. Auch das Ganze “das ist aber historisch nicht ganz richtig” nervt. Es ist gut gemachte inspirierte Unterhaltung. Irgendwie erinnert mich das auch an die ganzen Kritiken zu Troja damals.
    Wir fanden die Serie klasse und kurzweilig (leider so eine Folgen) und die Idee mit dem Latein (als muttersprachlicher Italiener) auch total gut. Hoffentlich müssen wir nicht ewig auf die Zweite warten.

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