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Welcome to MotorStorm!

Liebe Freunde der unrealistischen Racer! Ich habe erst vor wenigen Tagen das Review zu Dirt 5 geschrieben und so musste ich unweigerlich an eines meiner Lieblingsspiele aus der PS3-Ära denken. Vor 14 Jahren erschien die PlayStation 3 und mit ihr ein Spiel, welches mein Herz im Sturm eroberte und mich stundenlang vor dieser hässlichen Konsole fesselte. Gemeinsam mit euch möchte ich einen Rückblick auf MotorStorm werfen. Ein Arcade-Racer par excellence und ich werde ganz wehmütig wenn ich an die Spielreihe zurückdenke. Zugegeben: MotorStorm bietet im Vergleich zudem was Spiele heute alles bieten müssen quasi nichts. Magere 8 Strecken auf dem immergleichen Terrain. Keinerlei Abwechslung und braun-roter-Einheitsbrei. Keine Quests die ihr während der Fahrt erfüllen sollt, kein Tuning, keine besonderen oder herausragenden Extras die es freizuspielen gibt. Nichts. Nothing. Rien. Ikke noget. Niente. Nada. Bei den Fahrzeugen war etwas mehr Varianz vorhanden. So gab es Motorräder, Buggies, Quads, Rallyfahrzeuge, Geländewagen, LKWs, etc. – die sich durchaus in Beschleunigung, Handhabung und Stehvermögen unterschieden. So war es nicht schwer einfach ungebremst in die Vorderleute mit dem LKW hineinzubrettern und andererseits schlüpfte man mit dem Motorrad noch durch die ein oder andere Lücke. Angetrieben von einem treibenden rockigen Soundtrack machte das 2007 in Deutschland einfach verdammt viel Spaß!

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=aS39kBg5QPk&ab_channel=Khalbrae

Denn der Launch der PS3 lief alles andere als rund. Die etwas älteren von uns mögen sich noch dunkel an die Zeit erinnern, als Sony mit Trailern nur so um sich warf, die keineswegs das Niveau des Endproduktes erreichten. Das soll aber alles Schnee von gestern sein und hier und jetzt in diesem Artikel keine weitere tragende Rolle spielen. Trotz der braun-roten-Grafik sah MotorStorm, und mit dem peinlichen Trailer von der E3 2005 im Hinterkopf, ziemlich gut aus und sorgte bei einigen für offene Münder. 

Die Strecken zeigten sich im Design und in der Aufteilung fair, so dass ihr mit jedem Fahrzeug gewinnen konntet. Ganz gleich ob es durch tiefen Matsch zu fahren ging oder ihr hüpfend von Felsbrocken zu Felsbrocken euer Gefährt möglichst unfallfrei bewegen musstet. Ja und MotorStorm war für mich zumindest eines, nein das erste Spiel, in dem sich das Terrain verformte (Spurrillen sind das Stichwort) und auch Einfluss auf das Renngeschehen nahm. Nicht spürbar, oder kein “game changer” wie man so schön sagt, aber die Spuren im Matsch blieben und verschwanden nicht in den kommenden Runden. 

Die Evolution Studios, R. I. P. aus dem vereinigten Königreich verstanden ihr Handwerk. Ich rammte und knallte durch den Canyon. Den Boost-Meter immer möglichst auf Anschlag. Nicht einmal zu viel und schon gar nicht zu wenig. Immer am Limit ohne das dir die Zündkerzen um die Ohren fliegen. Der größte Kritikpunkt der ganzen Reihe ist wohl, und das haben einige Arcade-Racer in sich getragen, der äußerst unfaire Gummibandeffekt. Wirklich scheiß egal wie perfekt die Runde war, dir klebten immer einige Fahrzeuge im Nacken und überholten dich auch gerne nochmal auf dem letzten Meter. Das war schon verdammt frustig und unfair. Ist einfach so. Gleichzeitig sorgt das “Feature” aber auch für extreme Anspannung und Nervenkitzel. Ich hätte trotzdem lieber eine kluge künstliche Intelligenz an der Seite gehabt, die einfach gut fährt. Sie muss nicht immer fair sein, bin ich bei so einem Spiel ja auch nicht – aber gut und fordernd. 

Sobald die Karriere beendet und die Strecken verinnerlichtet waren, ging’s im Multiplayer gegen den Rest der Welt. Auch da machte das Spiel eine ziemlich gute Figur, wenn auch nicht alles rund lief und der Netzwerkcode so manchen Gegner vor der Nase aufploppen oder verschwinden ließ. In den kommenden Spielen im übrigen auch. Schwamm drüber. Machte trotzdem irre viel Bock! Eine Wachablösung erschufen die Evolution Studios selbst. Zwei Jahre später schaffte es MotorStorm: Pacific Rift in meine PS3. In Japan hieß das Spiel im übrigen ganz einfach MotorStorm II, hätte ich für den westlichen Markt auch ganz cool gefunden. Das Setting wurde komplett gewechselt. Im zweiten Teil war der Austragungsort eine Insel. Insgesamt 16 Strecken die sich in vier Elemente, bestehend aus Erde, Wasser, Luft und Feuer zusammensetzten. So waren die Kurse deutlich abwechslungsreicher, deutlicher größer und auch schwieriger zu befahren. Die Vegetation war dichter, es gab kleinere Abkürzungen und die einzelne Elemente beeinflussten das Gameplay. So war es möglich im Wasser länger den Boost zu verwenden, während es in der Nähe von Lava deutlich schneller in den gefährlichen roten Bereich ausschlug. Ein wenig mehr Taktik und Feingefühl. An den Fahrzeugklassen tat sich kaum etwas, nur Monster Trucks, soweit ich mich erinnere kamen hinzu. Großes Brimborium gab’s auch hier nicht und man blieb sich der Einfachheit eines reinen Arcade-Racers treu. 

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=gkZSdzWrAvI&ab_channel=PlayscopeTrailers

Mit Pacific Rift verbrachte ich wirklich noch mehr Stunden. Der beschissene Gummibandeffekt war zwar noch immer da, der machte es mitunter echt wahnsinnig schwer und komplizierter jeden Kurs auf Position 1 zu beenden, aber so erhabener war das Gefühl am Ende, wenn es geschafft wurde. Die Abdrücke von Zähnen am Controller inklusive. Auch wenn es kein Dark Souls ist. Auch hier bewies das Studio ein gutes Händchen für den Soundtrack, wenn auch etwas weniger verzerrte Gitarren, aber treibend genug um den Puls oben zu halten und die Action vernünftig zu begleiten. Die Sprünge waren viel gewaltiger und die Abgründe um ein vielfaches tiefer. Ich habe MotorStorm: Pacific Rift wirklich, wirklich unfasslich geliebt und mochte es sehr! Es war ein toller, gekonnter und actiongeladener Arcade-Racer!

Leider sind nicht alle guten Dinge drei. Den ersten Kinnhaken verpassten die Entwickler mir mit dem dritten und letzten Teil. MotorStorm: Apocalypse. Man ließ sich insgesamt drei Jahre Zeit. 2011, das war so eine Zeit in der, der nächste Trend 3D-Brillen war. Egal ob im Kino, im heimischen Wohnzimmer oder eben Videospiele. Ziemlich viele Hersteller, allen voran Sony selbst, sahen darin die große Zukunft. Im Jahre 2020 wissen wir das 3D-Brillen nicht unbedingt der heiße Scheiß sind und so wie die Technik kam, so verschwand sie auch langsam wieder. Gespielt konnte Apocalypse aber natürlich auch ganz klassisch ohne teure 3D-Brille. Kurz vor Release machte aber ein schreckliches und gewaltiges Naturereignis dem Launch ein Strich durch die Rechnung:

Der japanische Premierminister Naoto Kan sagte: “In den 65 Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist dies die härteste und schwierigste Krise für Japan.” Rund 4,4 Millionen Haushalte im Nordosten Japans blieben ohne Strom und 1,5 Millionen ohne Wasser. … Der Tsunami verursachte nukleare Unfälle, vor allem die Kernschmelzen der Stufe 7 in drei Reaktoren des Kernkraftwerkskomplexes Fukushima Daiichi und die damit verbundenen Evakuierungszonen, von denen Hunderttausende Einwohner betroffen waren. Vielen elektrischen Generatoren ging der Kraftstoff aus. Durch den Stromausfall wurden die Kühlsysteme gestoppt und Wärme aufgebaut. Der Wärmestau verursachte die Erzeugung von Wasserstoffgas. Ohne Belüftung sammelte sich Gas in den Reaktorbehälterstrukturen und explodierte schließlich. Bewohner innerhalb eines Radius von 20 km um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi und eines Radius von 10 km um das Kernkraftwerk Fukushima Daini wurden evakuiert. / Quelle

Warum darauf Rücksicht genommen wurde ließ der Titel des Spieles schon vermuten und Sony selbst ist in Japan beheimatet. Denn Naturkatastrophen beherrschten im dritten Teil das Spielgeschehen. Nach zwei Teilen musste die Formel aber wohl ein wenig umgekrempelt werden, um mögliche Kritiker gleich im Vorfeld verstummen zu lassen. So kamen erstmals eine Vielzahl an neuen Fahrzeugen hinzu: Supersportwagen, Superbikes, Kompaktsportwagen, Muscle-Cars und Chopper. Abermals verließ man das Setting und so ging’s von der Insel runter in die Stadt. Zwischen Wolkenkratzern, großen Brücken und geteerten Straßen suchten die Kontrahenten nach dem Glück und fochten um die besten Plätze. Was auf dem Papier ziemlich cool klang, in den Trailern beeindruckend aussah, entpuppte sich zumindest für mich schnell zur Tragödie. Während ihr mit einem Affenzahn durch die Gegend schießt, veränderte sich die Strecke. Hochhäuser stürzten ein, Schiffe flogen durch die Luft, Erdspalten taten sich vor euch auf, Flugzeuge stürzten ab und Brücken waren nur noch Staub. Ohne Witz: Am Anfang war das echt wahnsinnig cool wie alles explodierte und viele Spiele versuchten mit dem vermeintlich genialen Kniff die Gunst der Konsumenten zu gewinnen. Aber je öfter die Strecken gefahren wurden, desto weniger spektakulär und beeindruckend wurde es Runde für Runde.

Die Dynamik die auf dem Papier zumindest rein theoretisch stand, war ziemlich schnell gar nicht mehr dynamisch. Ich hatte einfach das Gefühl, dass die Entwickler sich auf diesen Effekten zu sehr ausruhten. Ich fand die Strecken ziemlich schnell öde, die Musik war weniger einprägsam und alles in allem war es kein schmackhafter Aufguss, von einem einst wirklich guten Franchise. 

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Das werden viele auch anders sehen und empfinden den dritten offiziellen Teil der Serie, als eben den besten dritten Streich – aber ich wurde nie wirklich warm. Ich habe wirklich Schwierigkeiten mir das Spiel zurück ins Gedächtnis zu rufen. Da sind die Teil 1 und 2 eben deutlich stärker hängen geblieben. Das sagt eigentlich schon alles, oder nicht? Mit dem Untergang der Evolution Studios im Jahre 2016 habe ich wenig Hoffnung auf eine Fortsetzung oder einen Reboot der Serie. Rennspiele im allgemeinen ziehen nicht mehr so die Verkaufszahlen nach sich – auch wenn es mehr als bekannte Gegenbeispiele gibt – aber in Anbetracht der gesamten Verkäufe, da schleppt sich das Genre leider von Jahr zu Jahr immer schwieriger durchs Ziel. Zumindest ist das mein Gefühl – mit dem ich mich natürlich auch täuschen kann. Auch wenn das Franchise mich zum Ende nicht mehr bei der Stange halten konnte, so bleibt mir MotorStorm immer positiv im Gedächtnis. Ich hoffe ich konnte mit dem Rückblick die ein oder andere verstaubte Synapse bei euch wieder aktivieren und für schöne Erinnerungen sorgen. 

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