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Wolfenstein II: The New Colossus – Amerika ist wunderbar!

Die Fortsetzung führt die Alternativweltgeschichte skrupellos fort, in der die verdammten scheiß Nazis den 2. Weltkrieg gewonnen haben, die Welt überrannten und auch die Vereinigten Staaten von Amerika erfolgreich besetzten. Komplett alles wurde germanized. Ihr, also in Person B.J. Blazkowicz, kämpft mit der bunten Truppe des Kreisauer Kreises gegen das widerliche Regime. Im übrigen gab es diesen Kreisauer Kreis tatsächlich – ein bisschen Geschichtsunterricht schadet nie. Also auf zur Suchmaschine eures Vertrauens und lest euch schlau! 

Wenige Monate nach dem ihr Wilhelm „Deathshead“ Strasse erledigt habt, setzt das Spiel an und spinnt die Geschichte in einer irrwitzigen und maximal unterhaltenden Art weiter. Irene Engel, deren Kauleiste ihr bereits im Vorgänger ordentlich malträtiert habt, ist euer Ziel. Neben Adolf Hitler selbst natürlich. Aber gerade Fr. Engel wird im Laufe der Geschichte zu einer hartnäckigen und widerspenstigen Gegnerin. Die blonde Fratze ist aber nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen und weshalb mir das Spiel so verdammt gut gefiel. Kommen wir aber zunächst zum größten Kritikpunkt.

Das Gunplay. MachineGames war bereits für Wolfenstein: The New Order, erschien 2014,  verantwortlich und auch da hatte ich so meine Schwierigkeiten in den Gefechten. Es steuert sich hakelig, ungenau und über Kimme und Korn ist es noch um ein vielfaches schwieriger. Zumindest für mich. Ehrlicherweise habe ich keine positive Veränderung feststellen können, auch wenn The New Order schon einige Jahre bei mir zurückliegt. Neben den vielen positiven Veränderungen / Verbesserungen, stoß mir das doch immer wieder auf. Eben weil es ein First-Person-Shooter ist und ich keine andere Möglichkeit habe. Auch bei The New Colossus fühlen sich die Ballerein einfach unrund an und sorgten bei mir nicht unbedingt für viel Spaß. Es war hakelig, ungenau und über Kimme und Korn war es auch hier wieder schwierig. Das machen andere Spiele um ein vielfaches besser. 

Dafür machen die Waffen an sich Bock – es gibt das typische Arsenal von Mordwerkzeugen, die ihr hier und da noch etwas erweitern könnt. So gibt es einen Schalldämpfer um nicht gleich die ganze Gegnerschar auf sich zu ziehen. Die Magazine lassen sich erweitern, Projektile verstärken, Patronen prallen von den Wänden ab und all so feine Sachen um Nazis zu ärgern. Dazu noch futuristische schwere Geschütze um aus den Nazi-Soldaten Brei zu machen oder sie gleich in Luft aufzulösen. Wer richtig wütend ist, trägt die Ballermänner natürlich zweihändig.

Grafisch hingegen hat sich wirklich einiges getan! So wurde im Spiel die id Tech 6 verwendet, welche auch DOOM zu einem glorreichen Comeback verhalf. Die Texturen einfach schärfer, Partikeleffekte kommen besser zur Geltung, die ganze Welt zeigt sich in einem schöneren Gewand – abgesehen von den ganzen Hakenkreuzen im Spiel – und Wolfenstein erhielt einen neuen, zeitgemäßen Anstrich. Auch wenn nicht alles perfekt ist, gerade während des Spiels sehen die Gesichtsanimation etwas steif aus und gelegentlich brach die Framerate auf der PS4 Pro etwas ein – aber alles in allem war der Umstieg auf eine modernere Engine ein absoluter Gewinn. So soll es doch auch sein! 

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Ein besonderes Augenmerk möchte ich, wobei das in den nachfolgenden Sätzen nicht ganz passt, auf die Vertonung legen. Also ja, die Knarren knallen und die Handgranaten explodieren. Die englische Synchro war wieder mal absolut klasse und gerade die deutsche Synchro war großartig! Ich hab’s in meinem Let’s Play erwähnt: Ich spiele grundsätzlich alles auf englisch, einfach um drin zu bleiben und das funktioniert auch wunderbar. Daher bekomme ich nicht mit welche Fortschritte bei der deutschen Synchronisation bisher gemacht wurden oder ob noch auf der Stelle getreten wird – ich weiß es wirklich nicht. Aber die Dialoge zwischen den Soldaten, wie auch alle Bösewichte im Spiel sind wirklich sagenhaft gut vertont und eingesprochen. Die Stimmen passen, es wird “normales” deutsch gesprochen, also ohne einen besonders klischeehaften harten Akzent. Auf der anderen Seite sprechen die Nazis ein glaubwürdiges englisch. Mal akzentfrei und mal ganz derbe ohne die Zunge beim “th” zwischen die Zähne zu legen. So wie es eben ist. Hat mir echt verdammt gut gefallen und sorgte für den ein oder anderen Lacher bei mir! 

Wenn wir einmal kurz zusammenfassen: Gunplay ist nicht das Gelbe vom Ei, dafür macht das Spiel grafisch einen Sprung nach vorne und der Sound ist wirklich fantastisch! Die Geschichte ist es im übrigen auch – also fantastisch. Das was hier aufgefahren wird ist einfach so abgefahren surreal, dass ich mir keine Ahnung wie oft an die Stirn gefasst habe und dachte: “Was zur Hölle passiert hier gerade?!”. Das ist so herrlicher Irrsinn und völlig verrückt, wenn du als Staatsfeind Nr. 1 eine Audienz bei Adolf Hitler hast, weil nach einem passenden Schauspieler gesucht wird. Die ganze Szene ist absolut absurd und echt Gold! Und davor gibt es so herrlich viele! Ich will echt nicht zu viel spoilern, aber der eigentliche Held ist einfach die Story. Ganz großes Kino und ich würde es mir wirklich für’s Kino wünschen, verfilmt von Quentin Tarantino. 

Für mich eine sehr gelungene Fortsetzung die Bock auf mehr macht! Seit dem 22. November 2019 könnt ihr im übrigen die ungeschnittene Fassung spielen, also mit scheiß Hakenkreuzen und mit scheiß Nazis. Das macht einfach nochmal viel mehr Spaß diesen Drecksäcken mit aller Wucht in den Arsch zu treten! Wolfenstein II: The New Colossus macht bis auf das Gunplay alles besser und serviert eine total abgefahrene Story, die wirklich sehenswert ist. 

 

Marco
Marco
Seit 1987 dabei. Von SEGA irgendwann bei der PlayStation gelandet. Hin und wieder auch Mal Maus und Tastatur - aber am liebsten doch mit einem Controller in der Hand.

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