Early AccessReviewSimulatorStrategieVideospiele

Cartel Tycoon – auf den Spuren der Narcos

Meine Faszination für die Machenschaften und geschichtlichen Hintergründe der Drogenbarone aus Südamerika der 1980er Jahre, begann als ich 2015 Pablo Escobar in der Netflix-Serie kennenlernte. Wer schon immer mal das Leben und den Arbeitsalltag eines Drogenbarons, natürlich ohne strafrechtliche Folgen, erleben und ausleben will, findet in der handlungsgetriebenen Wirtschaftssimulation Cartel Tycoon genau das richtige Spiel.

Ich gebe zu, dass ich ausschließlich First-Person Shooter (vornehmlich Battle Royale) konsumiere und wenn keine Kugeln am Kopf meines Spielecharakter vorbeifliegen, hat das Spiel für mich keinen emotionalen Mehrwert. Allerdings erwische ich mich alle paar Jahre dabei, dass eine Aufbau- und Wirtschaftssimulation mein Herz im Sturm erobert. Sowohl die Sim City-Reihe als auch City Skyline bringen den Homo Oeconomicus in mir zum Vorschein und mein Ziel der Nutzenmaximierung nimmt für mehrere Stunden den Shooter-Spieler in Beugehaft.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=WeAmyHFgIDI

Das Spiel Cartel Tycoon von Moon Moose und dem Publisher tinyBuild befindet sich aktuell in der Early Access-Phase bei Steam, weshalb das Spiel noch nicht seinen finalen Schliff erhalten hat. Einige Grafiken sind fehlerhaft oder zumindest noch nicht ins Spiel integriert. Darüber hinaus funktioniert das Spiel mit den angebotenen Funktionen ohne größere Probleme.

Wie bereits ausgeführt, spielt Cartel Tycoon in einer fiktiven Version des Lateinamerikas der 80er Jahre und erzählt die Geschichte einer Zeit, in der das Kokain von dort aus die USA und die gesamte Welt überschwemmte. Bevor man sich in die Welt von Cartel Tycoon stürzt, kann man zwischen zwei Spiel-Modi wählen: Geschichte und Sandbox. Für mein Review habe ich mich für den Modus Geschichte entschieden um auch als Anfänger das Spiel von der Pike auf zulernen.

Der Story-Modus startet mit einem Tutorial, dass euch die Grundlagen des Spiels erklärt. Das Spiel greift für die visuelle Darstellung der Charaktere auf comicartige Zeichnungen zurück, die auch in kurzen Sequenzen im Vollbild präsentiert wird. Als César Garcetti erhaltet ihr einen Anruf von einer mysteriösen Person, die euch mit Aufträgen versorgt und dadurch den Start ins Spiel vereinfacht.

Wie läuft das ganze also ab? Zunächst müssen wir Opiumfarmen und Lagerhäuser bauen und richten eine Transportroute zum Flugfeld ein, um die Ware dort verkaufen zu können, um im Gegenzug schmutziges Geld zu erhalten. Im Spiel gibt es, wie auch bei den echten Drogenbaronen schmutziges und sauberes Geld. Zweiteres muss erst einmal gewaschen werden, um damit vermeintlich saubere Geschäfte abwickeln zu können. Später im Spiel können die Gebäude und Produkte in einem Forschungszentrum weiterentwickelt werden, sodass auch komplizierte Produkte wie Kokain und Methamphetamin produziert werden können. Diese werfen deutlich mehr Gewinn am Schwarzmarkt ab, allerdings sorgen diese Aktivitäten dafür, dass feindliche Gangs und vor allem die DEA die Geschäfte zunichtemachen machen wollen. Je mehr man sich also illegalen Geschäften widmet umso stärker steigt die Terror-Anzeige und man muss vermehrt mit Angriffen und Razzien rechnen.

Weil man ein Drogenimperium nicht allein führen kann, hat das Spiel hierfür die sogenannten Leutnants (Capos) mit ins Spiel eingebaut, die den Spieler mit einigen Fähigkeiten ausgestattet bei der Arbeit unterstützen können. Hierunter fallen u.a. Lieferung durchführen, Attentate durchführen oder den Zugang zu Gebäuden ermöglichen, die sonst durch teure Forschung erst freigeschaltet werden müssen. Damit auch Rollenspieler auf ihrem Geschmack kommen, können die Leutnants durch Aufträge und ihre Tätigkeiten Erfahrungen sammeln und in der Hierarchie der Organisation aufsteigen und sich weiter verbessern. Umso weiter ein Leutnant aufsteigt, umso mehr Geld wandert auch in seine Taschen. Sollte also ein Leutnant zuviel Geld oder Macht verlangen oder einer seiner Fähigkeiten passt nicht mehr in den Rahmen, so kann dieser durch einen anderen Leutnant mit der Fähigkeit Attentäter ausgeschaltet werden. Aber Achtung, die Moral und Treue der anderen Leutnants kann dadurch schwer in Mitleidenschaft gezogen werden.

In Cartel Tycoon ist das Scheitern buchstäblich vorprogrammiert: Gewalt erzeugt neue Gewalt – hier lässt das Tutorial viele wichtige Themen aus oder man findet diese nur im Kleingedruckten. So kann es sein, dass man schnell einen hohen Terror-Wert erreicht und am Ende der Tod des Alter-Egos steht. Im Story-Modus ist das Spiel sehr gnädig nach dem Tod des Kopfs des Kartells kann man einen der bisherigen Leutnants auswählen und diesen als neuen Kopf des Kartells einsetzten und das Spiel weiterführen – durch Razzien gesperrte Farmen und Gebäude bleiben allerdings erst einmal gesperrt und müssen mit viel Geld freigekauft werden.

Grafisch überzeugt das Spiel mit einer Mischung aus bunten Comic Assets und realistischer Grafik bei Gebäuden und den handelnden Leutnants. Man wird direkt in das Spiel hereingezogen. Zwar fehlt in den größeren Städten noch der Wussel-Faktor, denn von anderen Autos und Bewohnern in den Städten fehlt jede Spur. Ich vermute aber, dass diese dann in das finale Spiel hinzugefügt werden. Auch Besitzer von älteren Computern werden sich über eine Spielerlebnis mit solider Grafik und bunten Effekten freuen können.

Besonders hervorheben möchte ich den Soundtrack des Spieles der wirklich 100% den Stil und die Stimmung der bereits am Anfang erwähnten Serie Narcos einfängt. Auch nach über 10 Stunden Spielzeit nervt die Musik nicht, sondern läuft sehr angenehm mit (dämpft sich, wenn man sich in einem Menü aufhält). Ich persönlich würde mir die Musik sogar als eigene Playlist direkt auf das Smartphone speichern!

Das Spiel bietet Potential für vielen Stunden Spielzeit und zeigt, dass Aufbau- und Wirtschaftssimulation nicht immer Städteplanungen im herkömmlichen Sinn sein müssen. Für Anfänger ist das Spiel allerdings viel zu schwer, da wie bereits erwähnt, das Tutorial nicht alle Aspekte, wie bspw. die Reduzierung des Terror-Levels beim Bürgermeister oder das sinnvolle Leveln der Leutnants aufzeigt. Hierbei zahlt der Spieler schnell Lehrgeld und darf mit einem anderen Drogenboss oder eben direkt von vorne anfangen. Größter Kritikpunkt ist die noch nicht ausbalancierte Mechanik der Geldwäsche, denn bei falscher Anwendung, ist man innerhalb von wenigen Minuten bankrott, was dafür sorgt, dass das gesamte Wirtschaftssystem einfriert und nur ein Neustart dieses Problem wieder korrigiert. Wenn man über diese Fehler und Probleme hinwegsieht, bekommt man ein schönes Spiel mit toller Musik und frischen Ideen, die hoffentlich zum finalen Release vom Entwickler noch ausgebügelt werden.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.