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Seit den 60er Jahren schon wankt der Zombie durch die Popkultur. In Filmen, Videospielen und Comics ist er in verschiedensten Varianten zugegen, mal gruselig und brutal, mal lustig oder nur als Nebenbestandteil der Story. Auch in Videospielen kommen Zombie-Fans auf ihre Kosten. Spiele wie „The Last of Us“ nehmen sich des Themas ernsthaft an und setzen es bedrückend-realistisch um. So hat mich „The Last of Us“ recht nachdenklich zurückgelassen und sogar noch längere Zeit nach Spielende beschäftigt.

Dead Island 2 von Dambuster Studios haut nun in die gegenteilige Kerbe. Nach 12 Jahren ist das Sequel zum 2011 erschienenen Dead Island endlich da und bringt vor allem eines mit:  Humor! Welch freudige Überraschung, denn meine Erwartungshaltung dem Spiel gegenüber war vorher eher moderat. Ich hatte den ersten Teil gespielt sowie auch das Spin-off Dead Island: Riptide, danach aber eigentlich gar nicht mehr an die Serie gedacht. Auch die lange Entwicklungszeit – mehrere Studios hatten an dem Titel gearbeitet, Dambuster brachte es schließlich zu Ende – ließ nicht zwingend etwas Gutes vermuten. Doch herausgekommen ist ein äußerst gelungenes Spiel.

Eure Protagonisten im Spiel sind absolute Party Dudes und -Dudettes, die wie alle anderen Charaktere in L.A. dem Zombieausbruch recht gelassen gegenüberstehen. Nachdem ihr euren Charakter gewählt habt – diese bringen verschiedene Attribute mit, die sich jeweils auf das Kampfgeschehen auswirken – geht’s auch schon ab nach Los Angeles. Genauer gesagt versucht ihr nach einem überlebten Flugzeugabsturz aus L.A. zu entkommen und trefft auf eurem Weg allerhand skurrile Gestalten und eben jede Menge Zombies.

Das Spiel selbst ist kein Open-World-Titel, sondern aufgeteilt in verschiedene Stadtteile. Diese wiederum bestehen aus kleineren eigenständigen Maps, die ihr frei erkunden könnt. Die Reise führt euch von Bel Air bis auf den roten Teppich in Hollywood, wobei ihr euch innerhalb der Maps schnell zurechtfindet und nicht mit langen Laufwegen herumschlagen müsst.

Wie schon der erste Teil ist Dead Island 2 ein Action-Rollenspiel, in dem ihr keine einzelnen Attribute verändern könnt. Jedoch habt ihr ein kartenbasiertes Skillsystem, welches eurem Charakter in verschiedenen Slots mit verschiedenen Karten jeweils aktive und passive Vorteile bringt.

Zu Beginn des Spiels besitzt ihr hauptsächlich Schlagwaffen, diese sind aber nicht unendlich haltbar und müssen nach einigem Gebrauch repariert werden. In dem cool inszenierten Moment, als ihr die erste Schusswaffe bekommt, ändert sich das Spielgefühl dann sehr und Dead Island 2 wird vom Ego-Prügler zum richtig guten Ego-Shooter. Die Waffen fühlen sich gut und wuchtig an und haben ein gutes Trefferfeedback; darüber hinaus sind sie sehr effektiv, was im ersten Dead Island noch nicht der Fall war. Und da sind wir auch schon beim Selling Point dieses Spiels: das Trefferfeedback- bzw. Schadensystem!

Dead Island 2 ist wirklich eine Splatter-Granate. Wenn ihr anfangs mit einer simplen Keule auf einen Zombie einschlagt, seht ihr jede Kerbe, jeden Einschnitt oder auch direkt mal ein ganzes Körperteil wegfliegen. Um noch mal auf den Vergleich mit The Last of Us 1 und 2 zurückzukommen, so ist die Gewalt in diesen Spielen wie gesagt bedrückend und die gesamte Atmosphäre sehr düster. In Dead Island 2 hingegen ist die Darstellung der Gewalt so übertrieben und grotesk, dass die Szenen nicht ernst zu nehmen sind.  Anders gesagt: Es macht einfach unglaublich Spaß, sich durch die Zombiehorden zu schnetzeln und dabei teilweise eine riesige Sauerei anzurichten.

Der Spaß kommt aber nicht nur durch das extreme Schadensystem an den Zombies zustande, sondern auch durch die Location, auf deren Bühne das Spiel stattfindet. L.A. ist eine Stadt der schillernden Persönlichkeiten; eure Gastgeber sind Influencer, Filmstars und alkoholisierte Ex-Rocker. Fast jeder scheint auf die eine oder andere Art prominent zu sein oder hält sich dafür, und genau so verhalten sich diese Charaktere auch: Keiner davon ein großes Problem mit der offensichtlichen Apokalypse, sondern nur mit sich selbst.

Aber ihr selbst seid auch nicht viel besser! Das ganze Spiel über konsumiert ihr Proteinriegel und Energy Drinks und begleitet jeden Zombie Kill mit zotigen Sprüchen. Diese Art von Humor muss man natürlich mögen. Ich selbst fand es grandios lustig und erfrischend.

L.A. bietet aber nicht nur durchgeknallte Protagonisten, sondern es lohnt sich auch ein genauerer Blick in die Häuser und Wohnungen. Ihr findet dort das ein oder andere witzige Detail, z. B. in der Influencer-Villa zu Beginn.

Meine einzige Kritik an dem Spiel betrifft den Schwierigkeitsgrad. In den ersten Stunden, noch unterlevelt und mit wenig schlagkräftigen Waffen ausgestattet ist es noch etwas schwieriger, sich durch L.A. zu kämpfen. Sobald ihr aber über Schusswaffen und später über lilafarbene, also rare bzw. Premiumwaffen verfügt, seid ihr fast overpowered. Später im Spiel hatte ich die Karten so optimiert, dass ich fast immer Energie zurückbekam und mit meinen Schusswaffen eigentlich immer überlegen war. Am Ende hatte ich nicht das Gefühl, dass mir irgendetwas noch gefährlich werden könnte. An dieser Stelle hätte ich mich über ein besseres Balancing gefreut, sodass das Game auch am Ende noch knackig zu spielen gewesen wäre.

Technisch hatte ich keinerlei Probleme auf meiner Series X, nur leider ist das Spiel in Deutschland geringfügig zensiert, sodass erledigte Zombies nicht mehr bearbeitet werden können.

Dead Island 2 ist mein Frühlings-Highlight! Es macht Spaß, ist witzig und hat das krasseste Schadensystem, was ich bisher in einem Videospiel gesehen habe.  Wer kein Faible für Splatter hat und einen eher intellektuellen Humor pflegt, sollte dieses Spiel meiden. Wer aber gerne Zombies in ihre Einzelteile zerlegt und sich an einer guten Prise Schwachsinn erfreuen kann, ist hier goldrichtig.

Dan
Dan
Ich kenne sämtliche Charaktere aller King of Fighters-Teile und ich kann bis heute die Komplettlösung von Monkey Island aus dem Gedächtnis abrufen.

1 Comment

  1. Marco sagt:

    Für alle die sich fragen, wieso wir noch ein Review zu Dead Island 2 online haben: wir sind kein klassisches Magazin oder irgendwas dergleichen und verstehen uns nach wie vor als Blog. Daher finden wir es absolut legitim eine weitere Meinung zu veröffentlichen. ✌️

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