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Am 19. Dezember 2001 lief der 1. Teil Der Herr der Ringe Trilogie in den deutschen Kinos an. Zwanzig Jahre sind mittlerweile vergangen und seither bin ich oft – hin und wieder zurück. Immer wieder ein- und abgetaucht in die sagenumwobene Welt von Mittelerde. Habe mitgefiebert, geschrien und hielt mein Herz fest in der Hand. Immer mit Hoffnung und immer mit dem Glauben, dass das Gute am Ende gewinnt. Kaum eine andere Reihe begleitete mich so nah in den letzten zwei Jahrzehnten – auf Schritt und Tritt in meinem Leben. Ich habe mich oft in den Worten und in der Geschichte rund um Samweis „Sam“ Gamdschie und Frodo Beutlin wiedergefunden. Zwei Freunde die alles versuchten, alles füreinander gaben und am Ende dieser schier unendlich wirkenden Reise musste doch einer von ihnen gehen. Lebe wohl mein aller liebster Freund. Ohne dich wäre ich nicht ich.

Bereits zu Beginn des Jahres habe ich an Dezember gedacht und dem 20 jährigen Jubiläum. Mag vielleicht an der Jahreszeit gelegen haben und dem vielen Schnee der fiel. Somit begleiten mich die Gedanken rund um diesen Artikel schon einige Tage länger und in ruhigen Minuten, sehr oft vorm Einschlafen, hing ich an den unterschiedlichsten Fäden und Gedankenfetzen. Ob ich den neun Gefährten und meiner tiefen Verbundenheit gerecht werde? Ich versuche es. Mir liegt diese Geschichte wirklich sehr am Herzen und ich merke beim tippen der Zeilen wie mir ganz warm wird. Wie die Wehmut in mir aufsteigt und die Trauer sich von den Schultern löst und langsam durch den Körper fährt. Unzählige Male sah ich die Filme, las alle Bücher, hörte noch öfter die Hörbücher oder den herzerwärmenden Soundtrack.

Alles ist so fantastisch in dieser Welt. Den Detailgrad den J. R. R. Tolkien in seinen Werken schuf und wie viel Leben er Figuren einhauchte – manchmal wirkt er dabei schon fast etwas besessen. Ihnen noch mehr zu geben. Eine ganz eigene Sprache, eine Kultur und der authentische Eindruck, als wäre die Zeit wirklich passiert. Als könnte ich jetzt einfach in alten Büchern nachschlagen und Zeilen aus längst vergangenen Zeiten nachlesen. Von Königshäusern und Kräften die heute nicht mehr existieren. Als stamme alles was wir über Mittelerde wissen nicht einfach aus den Gehirnwindungen eines Mannes. In einer Welt in der Menschen neben Elfen leben, Wälder durch Ents beschützt werden, Orks und andere Ungeheuer ihr Unwesen treiben. Geister und Zauber deinen Verstand rauben. Das Böse das Licht mit einem einzigen Ring verdrängt.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=_nZdmwHrcnw&t=4s&ab_channel=WarnerBros.Entertainment

Ich weiß wie es ist, wenn das Licht schwindet. Auch ich hatte mal meinen Sam und bin gegangen. Es ist überhaupt keine schöne Geschichte. Keine über die ich gerne spreche oder von der man sich an großen Runden erzählt. Mit vollen Bäuchen und vor Freude strahlender Augen. Das ist die traurige Wahrheit und die Filme habe ich seit über drei Jahren nicht mehr sehen können. Ich würde gerne, nur fehlt mir noch immer der Mut dazu. Angst davor wieder zu versinken, in mich hineinzuschauen und die Dunkelheit zu erkennen. Das Böse zu sehen. Manchmal ist Zeit so lange her und doch kann alles in einer Sekunde wieder da sein. 

Ich weiß … es ist alles falsch. Eigentlich dürften wir gar nicht hier sein, an diesem Ort. Aber wir sind hier. Das ist wie in den großen Geschichten, Herr Frodo, in denen, die wirklich wichtig waren. Voller Dunkelheit und Gefahren waren sie. Und manchmal wollte man das Ende gar nicht wissen, denn wie könnte so eine Geschichte gut ausgehen? Wie könnte die Welt wieder so wie vorher werden, wenn soviel Schlimmes passiert ist? Aber letzten Endes geht auch er vorüber, dieser Schatten. Selbst die Dunkelheit muss weichen.

Ein neuer Tag wird kommen und wenn die Sonne scheint, wird sie umso heller scheinen. Das waren die Geschichten, die einem im Gedächtnis bleiben, selbst, wenn man noch zu klein war, um sie zu verstehen. Aber ich glaube, Herr Frodo, ich versteh’ jetzt. Ich weiß jetzt: Die Leute in diesen Geschichten hatten stets die Gelegenheit umzukehren, nur taten sie’s nicht. Sie gingen weiter, weil sie an irgendetwas geglaubt haben! Woran sollen wir glauben, Sam? Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo und dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Ich war einmal dort in dieser Welt. Auf den beiden Inseln, die die Ureinwohner selbst für mystisch und sagenumwoben halten, aber auch die Zuwanderer diese Geschichte von Der Herr der Ringe so erzählen, als hätte es den Urknall wie wir ihn alle kennen so nicht gegeben. Ich war im Wald Faragorn, stand auf dem Mount Sunday wo einst Edoras erbaut worden war – mit einem Blick der mir Gänsehaut verlieh und ich bis in die letzte Pore meines Körpers glücklich war. Einfach dort zu sein und es gerade mit meinen eigenen Augen zu sehen. Im Hintergrund sah ich ganz klein Helms Klamm und konnte die Magie spüren. Sie umschloss einen ganz warm, auch wenn der kühle Wind mir ins Gesicht peitschte. Ließ mich nahezu atemlos mit dem Grund verwachsen. Auch Jahre später würde ich es als meinen Lieblingsort bezeichnen. Hobbiton selbst bleibt auch unvergessen und lässt einen so tief eintauchen wie wohl kaum woanders. Wer vergessen möchte das im Grunde alles nur Fiktion ist, der wird sich in diesen Hügelbauten schnell zu Hause fühlen. Es ist eine Reise Wert. Wie auch der Weg nach Bruchtal und auch ich ging durch’s Tor, wie einst Frodo mit seinen acht Begleitern. Ob links oder rechts hätte ich ebenfalls nicht sagen können.

In den weißen Bergen, Putangirua Pinnacles, dort wo Aragorn, Legolas und Gimli das Schattenheer um Unterstützung bat, um die Schlacht bei Minas Tirith, doch für sich entscheiden zu können, in diesen engen Schluchten machte ich viele Meter, hörte das Geröll und das Echo aus den verschiedensten Richtungen. In jedem Moment hätte ich mit Orks gerechnet. So nah und so intensiv. 

Unzählige so vieler wundervoller und einzigartiger Orte und manch Erinnerung verblasst mit der Zeit. Ich könnte euch noch von so vielen weiteren Plätzen erzählen. Fast sieben Jahre sind seit dem vergangen und manchmal erinnere ich mich nur noch an grobe Details. Dann versuche ich mir Bilder anzusehen, sehe die Videos und höre die Musik dazu. Es ist so unsagbar schön all das in meinen Händen zu halten und zu spüren wie die Bilder samt der Gefühle wieder nach vorne kriechen. Manchmal halte ich es länger aus und andere Male ganz und gar nicht. Wie eine Welle schießt es dann in meine Augen. Wie ich hier gerade an meinem Schreibtisch sitze, so läuft der Soundtrack von diesen drei Meisterwerken und begleitet mich – und wenn ich nur ein kleines Stück nach links schaue, so sehe unter anderem das Tagebuch, welches ich täglich führte. Jeden Tag hielt ich fest. Damit, wenn die Zeit manches in Vergessenheit geraten lässt, ich es mir immer wieder zurückholen kann. Damit Zeit nicht vergeht, trotz all der Atemzüge die ich in den Jahren nahm. Daher möchte ich einen kleinen Teil aus meinem Tagebuch mit euch teilen …

Tag 14 / 08.02.2015 / Hobbiton / Sonne / Nun, es ist kein großes Geheimnis und wir stehen in unserer ganzen Größe dazu – das Dorf der kleinsten Bewohner in Mittelerde steht und stand ganz weit oben auf der Liste! So war es, so ist es und nach dem wir nun dort waren wird es auch so bleiben. Für immer! Der Detailgrad, die wundervolle Gestaltung des Dorfes, das Wetter, die Häuschen und einfach alles … jeder Grashalm, jede Pflanze, jedes Fenster. Hier würde ich leben wollen. Geburtstage feiern, Bands einladen, den Feierabend genießen und voller Lebensfreude draußen vorm Haushöhleneingang sitzen. Ich wünschte nur wir hätten mehr Zeit gehabt. Nur etwas mehr. In ewiger Liebe du wundervolles Hobbiton! Am Abend trafen wir den See Arapuni an und schlugen dort im wunderbaren Sonnenuntergang unser Zelt auf. Es gab Spaghetti mit Pesto, ein gescheites Lagerfeuer und eine zauberschöne Kulisse.

Zwanzig Jahre sind nun vergangen und die Geschichte des einen Ringes begleitet mich seit dem und wird mich auch in Zukunft nie mehr wieder loslassen. Das hier ist kein gewöhnlicher Rückblick auf eine meisterhafte Trilogie die Peter Jackson auf die Leinwand brachte und J. R. R. Tolkien mit seinen Gedanken und Worten erschuf. Sie ist so fest und tief in meinem Herzen und ich bin dankbar für die grandiose Umsetzung. Es ist meine persönliche Geschichte. Auch wenn Buch und Film sich mitunter stark unterschieden – ich bin fein damit. 

Ich hielt es fest, das Licht Earendlis, des geliebten Sterns. Möge es Frodo ein Licht sein an dunklen Orten, wenn alle anderen Lichter ausgehen. Und so wird Samweis Gamdschie eines Tages sagen, dass er das Elbenbrot nicht hat fallen lassen. Und das er keine Krümelspur auf seinem Hemd und Umhang legte. Das es Gollum war. Dieses fies kriechende fast harrlose, faulzahnige und knochige Geschöpf. Das sich im Bann des einen Ringes verlor und lernte sich selbst zu vergessen. Wut, Hass und Misstrauen in ihm geboren wurde. Doch auch Gollum gehört für ein gutes Ende in diese große Geschichte.

Und Sam ließ Frodo nicht alleine nach Mordor, obwohl er nicht schwimmen konnte und unterging. Er hatte es schließlich geschworen ihn nie alleine zu lassen. “Ich bin froh, dass du bei mir bist, Samweis Gamdschie!” So machten sich die beiden Halblinge gemeinsam auf den gefährlichen Weg ins Reich der Dunkelheit. Allen Gefahren zum Trotz. Ich bin dankbar nicht alleine dort gewesen zu sein und werde die Reise – hin und wieder zurück – niemals vergessen. 

“In Dreams” von “Der Herr der Ringe”, der Text wurde von Howare Shore und Elizabeth Cotnoir geschrieben. An diesem Tag waren wir auf dem Mount Sunday, es war der 1. März 2015.
Marco
Marco
Seit 1987 dabei. Von SEGA irgendwann bei der PlayStation gelandet. Hin und wieder auch Mal Maus und Tastatur - aber am liebsten doch mit einem Controller in der Hand.

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