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Ich habe meinen Körper verloren

Eine abgetrennte Hand fällt aus dem Kühlschrank. Gefangen samt Flüssigkeit in einer Plastiktüte kriecht die Hand über den Fliesenboden und befreit sich aus dem durchsichtigen Gefängnis. Eine ungewöhnliche Reise beginnt. Ich habe meinen Körper verloren ist ein französischer Film aus dem Jahre 2019 und befindet sich aktuell noch in der Bibliothek von Netflix. Filme aus unserem Nachbarland trauen sich immer mal wieder Geschichten auch auf anderem Wege zu erzählen. Tatsächlich bin ich gerade eben noch vom Schreibtisch rüber ins Wohnzimmer, habe in mein Filmregal geschaut und Ernest & Célestine herausgezogen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie musste ich an diesen wunderbaren kleinen Film denken – Prädikat besonders wertvoll! Vermutlich kam mir die in Erinnerung in den Kopf, weil beide Filme auf ihre Art und Weise wunderschön gezeichnet und animiert sind. 

In Ich habe meinen Körper verloren wird die Geschichte von Naoufel erzählt. Bei einem Unfall verlor er seine Eltern und wächst von da an in einer Pflegefamilie auf, verdient sich als Pizzabote sein Geld und ist unglücklich. Er wirkt verloren in seinem Zuhause. Er ist unzufrieden mit seinem Job und wandelt von Tag zu Tag. Er lässt das Leben auf sich regnen – bis zu dem Moment, als er durch die Gegensprechanlage Gabrielle kennen lernt. Sie ist ihm von Beginn an sympathisch, hört ihm zu und ist Naoufel wohl näher, als jeder andere Mensch in den letzten Jahren. Ihre Stimme bekommt er nicht mehr aus dem Kopf und so macht sich der verträumte junge Mann auf die Suche nach ihr.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=WeaQAxqFbcM

Während wir Naoufel mit beiden Händen sehen, wechseln die Szenen auch immer wieder zurück. Beide Geschichten werden nahezu parallel erzählt und fügen sich am Ende zusammen, welches ich euch natürlich nicht verraten werden. Aber als körperlose Hand ist es im Dickhicht der Stadt nicht leicht. Verschiedene Hürden gibt es zu bewältigen, unterschiedliche Gefahren die im Schatten lauern und wirklich berührende Momente, die durch die abgetrennte Hand unterschwellig unheimlich oder bedrohlich wirken. Der Film spielt durchaus in den Momenten mit diesen schrägen Bildern und ist dabei so vorsichtig. Es ist etwas schwer in Worte zu fassen.

Zu Beginn des Artikels sprach ich bereits den wunderbaren Stil an, der mit einem hohen Detailgrad überzeugt und sich vor einer Produktion aus dem Hause Disney oder Studio Ghibli ganz und gar nicht verstecken muss. Auch musikalisch bewiesen die Produzenten ein geschicktes Händchen, passendes Wortspiel … der Trailer verdeutlicht euch wohl mehr von dem was ich versuche euch zu sagen.

Du bist was du fühlst? Vielleicht passt der Satz ganz gut. Denn zu übersehen was uns der Film versucht zu sagen ist einfach unmöglich. Wenn wir uns bewusst werden wie sehr und intensiv wir die Organe im Leben nutzen, wie viel wir berühren, streicheln, fassen, tasten, halten – dann ist die Metapher vom Kind zum Jugendlichen und Erwachsenen einfach schön dargestellt. Ich glaube der Punkt hat mir mit am Besten gefallen und beschäftigt mich auch jetzt noch. Ganz perfekt ist der Film aber leider nicht. So ist die Laufzeit mit 81 Minuten recht kurz, was ich persönlich schade fand, aber per se keine Kritik als solche ist. Lieber kurz und sehr gut, als langezogen und öde. Jedoch hätte ich mir gewünscht mehr von Gabrielle zu erfahren, schließlich trägt sie eine wahnsinnig große Rolle im Leben von Naoufel und hätte schon deshalb viel mehr Raum verdient.  

Neben all dem Trubel da draußen in der Welt, ist dieser Film ein lebensbejahendes Werk, der sich verdammt gut und richtig anfühlt. 

 

 

Marco
Marco
Seit 1987 dabei. Von SEGA irgendwann bei der PlayStation gelandet. Hin und wieder auch Mal Maus und Tastatur - aber am liebsten doch mit einem Controller in der Hand.

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