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Where The Heart Leads – was wäre wenn ich also hätte?

Das Spiel startet. Mitten in der Nacht, bei Sturm, Donner und Regen fährt die Kamera über ein idyllisch gelegenes Farmgelände. Das Zuhause der Andersons. Die Lichter sind aus, die Familie schläft und nur die Blitze erhellen die Nacht. Ein lauter Knall und ein bebendes Grummeln. Der Hund der Familie wird unruhig, beginnt zu bellen und stürmt nach draußen. Die Lichter gehen an, die Kinder rennen Casey nach, eure Frau Rene hinterher und ihr – Whit Anderson – seit der letzte aus der Familie, der tief in das riesige Erdloch blickt, was die Natur auf euer Grundstück gerissen hat. 

Casey stürzte hinab und überlebte. Zusammen als Familie entscheidet ihr über die Rettung und wie ihr euer vierbeiniges Familienmitglied rettet. Ihr spielt Whit, den Vater und Ehemann in dieser Geschichte, und steigt hinab in die Tiefe. Das Rettungsboot eine alte verzinkte Badewanne. Per Seilzug schafft es Casey zurück an die Oberfläche und in die Hände der Familie – nur ihr kehrt nicht zurück und stürzt ab in die Tiefe. Wie einst Alice im Wunderland oder Gandalf aus Der Herr der Ringe. Es ist aber nicht das Ende und erst der Beginn dieser erzählten Geschichte von Where the Heart Leads. Ihr wacht auf und findet euch in einer fremden, surrealen und unwirklichen Welt wieder. Wie ein ständiger und veränderbarer Traum den ihr durchlebt. 

So tief wie ihr in das Erdloch abstürzte, so tief und weit zurück holen euch eure Erinnerungen ein. Es sind aber nicht nur Gedanken, Gefühle und Geschichten von denen ihr erzählt und die wir als Spielende erleben. Es sind Erlebnisse die zwar bereits geschrieben wurden, ihr aber die Möglichkeit habt, diese noch einmal zu verändern. Als hättet ihr jedes Kapitel mit einem Bleistift geschrieben und aus den vielen Konjunktiven die sich vielleicht irgendwann im Leben ergeben, radiert ihr die Zeilen aus und zieht mit einem Kugelschreiber ganz neue Wörter in die neuen Lücken. Ihr habt die Kraft eure Vergangenheit zu verändern, die Gegenwart neu zu erleben und eure Zukunft neu zu schreiben. Was wäre wenn ich also hätte? 

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=18sPddx78FE&ab_channel=Pixeltyp

In dem neuen Spiel der Armature Studios habt ihr genau dazu die Möglichkeit. Wer hat sich nicht schon selbst dabei erwischt in diesen melancholischen Augenblicken im Beisein eurer Freunde oder liebsten Person in Erinnerungen zu schwelgen. Entscheidungen die man traf vielleicht zu verändern und andere ebenso zu wiederholen? Genau diesen Reiz weckte das Spiel in mir und weckte ebenso mein Interesse diese Reise zu erleben. Eine tolle Idee zu versuchen dies in einem Spiel umzusetzen.

Ich hatte jedoch große Schwierigkeiten genau da abgeholt zu werden. In meinem Kopf bildete sich eine Blase voller Ideen und Vorstellungen, die sich nur im Ansatz erfüllten. Aber warum holte mich das Spiel nicht ab, wenn ich doch eigentlich Feuer und Flamme bin? Zum einen ist und für mich persönlich der größte Kritikpunkt an dem Spiel – die grafische Darstellung. Ich brauche keine hochauflösenden Texturen, nicht die heißesten Spezialeffekte, aber ich brauche schon irgendwie eine emotionale Bindung, um Gefallen an der optischen Präsentation zu finden. Und das hatte ich einfach nicht. So wirkt das Gezeigte erst einmal malerisch und stimmig, farbenfroh und in den Momenten von Traurigkeit auch trist und düster. So soll es auch sein! Aber der fehlende Detailgrad, die Abstinenz von Gestik, Mimik und die Entfernung zum Spielgeschehen selbst, ließen mich emotional außen vor. Alle Figuren, meiner Person ausgenommen, sind nur Schemenhaft dargestellt. Ähnlich einem Schatten, um euch ein Beispiel dafür zu bringen. Es gelang mir einfach nicht die Schritte auf’s Spiel zuzugehen und andersherum holte mich das Spiel nicht ab. Ich blieb also immer oberhalb der Kuppel und verlor irgendwann den Bezug.

Das hat mich wirklich extrem geärgert und frustriert. Auch musikalisch wäre meiner Meinung nach so viel mehr möglich gewesen oder hätte gemacht werden müssen, weil auch da eine Monotonie im Hintergrund dudelt – die sich in einer Endlosschleife wiederholt. Es passte oft genug nicht zueinander und so verloren meine Ohren irgendwann die Lust. Dazu kommen spielerische Entscheidungen die ich nicht nachvollziehen kann: Alles in dieser Welt hängt von meiner Person ab. Alle Entscheidungen die ich als Vater, Freund, Geliebter, Ehemann, Sohn und Bruder treffe, gehen von mir aus. Als hätte ich diese Kugel in der Hand und bestimme wie schnell sie sich zu drehen hat. 

Ja, natürlich ist es meine Geschichte die ich nochmal erlebe und es geht um meine getroffenen Entscheidungen, die ich verändern kann. Ebenso entscheide ich über das Leben meines Bruders, wie meine Eltern die Umwelt wahrnehmen und über so viele weitere Charaktere. Alle warten darauf von mir an die Hand genommen zu werden und auf meine nächsten Schritte. Sollten sich nicht neue Wege für die Personen aufzeigen, die dieser Charakter dann von alleine weitergeht? Das füllte sich irgendwie komisch und unwirklich an. Dazu kam das mancher Lebensabschnitt länger spielbar war als andere. In manchen bliebe ich nur Sekunden und in anderen zwei Stunden. Das in Lebensphasen unterschiedlich viel passiert ist mir klar, es fühlte sich dennoch nicht ausbalanciert an.

Optisch und akustisch sind für mein Empfinden zu viele Mängel, die auch das Gameplay nicht mehr glatter hätte bügeln können. Ihr bewegt euch in dieser Welt von A nach B, interagiert mit Gegenständen oder Menschen, von denen ihr mit jeder weiteren Interaktion mehr erfahrt. Keine besondere Mechanik von der ich groß erzählen könnte.

Ein sich irgendwann schließender Kreis der auf eure getroffenen Entscheidungen reagiert. Das wäre meine Traumvorstellung gewesen. Ach man … dabei ist das die größte Stärke, weil ihr die Möglichkeit habt wirklich ein ganzes Leben zu verändern. Es hat mich nur einfach irgendwann nicht mehr besonders interessiert. 

Ich hätte mir wirklich sehr gerne gewünscht das Where the Heart Leads mich abholt und wir dieses Stück gemeinsam gehen können. Ich hätte wirklich echt gerne Gefallen daran gefunden ab- und einzutauchen. Hineinzublicken in dieses was “hätte” und “könnte” – es war mir aber nicht möglich und das ist extrem schade. Ich hätte dieses Spiel wirklich so gerne gemocht. Aber vielleicht sieht’s bei dir ja anders aus? Vielen lieben Dank für den Key und die Möglichkeit dieses Abenteuer auszuprobieren.

Marco
Marco
Seit 1987 dabei. Von SEGA irgendwann bei der PlayStation gelandet. Hin und wieder auch Mal Maus und Tastatur - aber am liebsten doch mit einem Controller in der Hand.

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