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Endzone – A World Apart – knallharter Survival-Aufbau

„Bin ich da schon drin, oder was?“ – mit diesem legendären Spruch machte Boris Becker im Jahr 1999 Werbung für das neue Internet. Als ich mich mit Endzone – A Worlds Apart einem Survival-Aufbauspiel beschäftigt habe, kam mir hier ein ähnlicher Gedanke „Bin ich schon durch, oder was? Denn das Spiel ist harte Arbeit, wirkt dabei aber genauso dynamisch wie unausgeglichen und bringt den Spieler immer wieder dazu zu verzweifeln. Das führt auch dazu, dass mir auch nach vielen Stunden Spielzeit immer noch nicht klar ist, ob dieser Artikel ein “Review” oder nur ein “Angespielt“ werden wird. Vielleicht ist’s auch einfach beides?

Am 18.03.2021 veröffentliche der Publisher Assemble Entertainment und das Entwicklerstudio Gentlymad Studios das Spiel Endzone – A Worlds Apart. Im Mittelpunkt stehen Aufbaustrategie in einer dem Spiel Fallout ähnlichen Post-Apokalypse im Gewand der Anno-Serie. Die Geschichte ist kurz erzählt: Im Jahr 2021 brachten Terroristen weltweit Atomkraftwerke zur Explosion und stürzten die Welt ins Chaos. Doch einige wenige Menschen konnten in unterirdische Anlagen fliehen, den Endzonen. 150 Jahre später wagt sich die Menschheit wieder an die Oberfläche. Der Spieler hat die Aufgabe die Überlebenden in eine neue glorreiche Zeit zu führen. Das klingt simple, wenn da nicht Naturkatastrophen, die Strahlung und das harte Leben selbst wären.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=oIqO3eJNu2E&ab_channel=Pixeltyp

Um die Komplexität und den Umfang dieses Spiel zu beschreiben, sollte es ausreichen, um zu erwähnen, dass das Tutorial zwischen zwei und vier Stunden dauert um den Spieler in die Grundlagen des Wirtschaftssystems, der Versorgungsketten und die Gefahren der Umgebung einzuführen. Wer sich dann in das Spiel stürzt beginnt an einem alten Wohnwagen damit, seine Siedler auf Suche nach den Grundversorgungsgüter zu schicken. Man errichtet die ersten Gebäude wie einen Wasserspeicher und weist den Siedler Tätigkeiten zu, damit die Gebäude durch diese betrieben werden. Dabei ist das Spiel geprägt von Mangel und Unterversorgung. Sollte man einmal nicht genau auf die Entwicklungen in der Umgebung achten bspw. nimmt der Feuchtgehalt im Boden rapide ab oder die Strahlung breitet sich genau an der Stelle aus, wo bisher die Siedler Früchte und Gemüse geerntet haben, wird das Leben der Siedler um einiges schwerer. Diese Feuchtigkeits- und Strahlungswerte werden ständig neu vom Spiel simuliert und bringen Dynamik ins Spiel.

Die Steuerung geht einfach mit Maus und Tastatur und den passenden Kurz-Kommandos von der Hand. Das Spiel lässt einen atemberaubend weit herauszuzoomen und die Kamera lässt sich um 360° Grad um die Gebäude und Siedler herumzuschwenken. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und unaufgeregt gestaltet. Alle relevanten Informationen sind schnell zu erfassen und die Werte interpretationsfrei ablesbar, alles in allem eine komfortable Menüführung, die dem Spieler das Leben nicht so schwerer macht als das Spiel selbst! Absolut Klasse!

Grafisch überzeugt das Spiel mit hochauflösender Grafik und zieht einen direkt in das Post-Apokalyptische Szenario.

Auch wenn das Spiel bewusst auf Mikromanagement setzt, haben Produktionslinien nie mehr als drei Stationen, was die Übersicht für den Spieler angenehm überschaubar macht. Dies bedeutet aber auch, dass wir bspw. Jäger und Schrott-Sammlern sagen müssen, wo ihr Wirkungskreis für die Beschaffung sein soll. Gerade in einem fortgeschrittenen Spiel sorgt dies für viel Pflegeaufwand und kann unter Umständen viele Produktionslinie lahmlegen. Aber nicht nur fehlerhafte Produktionslinie oder Fehlentscheidungen beim Mikromanagement können die kleine Siedlung schnell den Gar ausmachen. Das Spiel hat nicht nur die radioaktiv verstrahlte Welt, gegen die man sich nur mit passende Schutzausrüstung wehren kann auf Lager, sondern auch Dürreperioden, Sandstürme und Plünderer. Als motivierter Siedlungsleiter muss man sich gegen jeder dieser Gefahren wappnen. Es gilt sich damit abzufinden, dass ein Spiel, in das man Stunden harte Arbeit gesteckt hat, in wenigen Minuten vorbei sein kann und man wieder von vorne beginnen muss.

Das gemeine daran ist, dass man sich aus gewissen Notsituationen ohne Vorbereitung nicht selbst retten kann. Dafür ist das notwendige Gleichgewicht, dass man für stabilen Aufbau braucht zu schwer abzuschätzen. Denn das Gleichgewicht zwischen Wachstum durch Bevölkerungszuwachs und Expansion zur Deckung der Bedürfnisse ist zu fragil. Wenn man all die anderen Gefahren und Einflüsse zur Seite schiebt, ist genau das die wahre Herausforderung, der sich der Spieler stellen muss. Um hier ein passendes Gleichgewicht und zu finden sind einige Versuche und gescheiterte Siedlungen notwendig.

Das Spiel hat eine radioaktiv verstrahlte Welt, Dürreperioden und Sandstürme die dem Spieler das Leben schwer machen.

Neben dem Aufbauspiel und dem Management von Ressourcen können Siedler an entlegene Orte auf eine Expedition geschickt werden. Hier kommt ein wenig Rollenspiel-Atmosphäre auf, wir müssen entscheiden, ob wir uns mit einigen Rohstofffunden zufriedengeben oder ob wir die Expedition weitersuchen lassen, was je nach Situation mit dem Tod der eigenen Siedler enden kann. Diese Feature lockert den Spielfluss immer wieder angenehm auf.

Grafisch überzeugt das Spiel mit hochauflösender Grafik und zieht den Spieler direkt in das Post-Apokalyptische Szenario. Die verlassenen Siedlungen, die Flora und Fauna wirken realistisch und liebevoll gestaltet. Allerdings hilft die Gestaltung der Gebäude dem Spieler nicht, direkt das richtige Produktionsgebäude zu finden – diese sind grafisch nur sehr schwer zu unterschieden, was natürlich dem Endzeit-Szenario geschuldet ist. Wellblech ist eben auch 150 Jahren in der Zukunft die Wahl der Häusle-Bauer. Um die richtigen Häuser zu finden, muss man sich nach einer bestimmten Zeit dann immer durch die Gebäude-Menüs durchschalten, um diese auch zu finden. Wie die Grafik sorgt auch der Sound und die Musik für die passende Atmosphäre. Selbst nach etlichen Stunden Spielzeit habe ich diese nicht heruntergedreht und durch meine Lieblingsplaylist auf Spotify ersetzt.

Wie bereits zu Beginn des Artikels beschrieben hat Gentlymad Studios aus Wiesbaden mit Endzone – A Worlds Apart ein Spiel geschaffen, dass dem Spieler alles abfordert und damit eine lange Spielzeit gestattet, aber man nie wirklich „durch“ ist. Die Atmosphäre hat mich sofort in das Endzeitszenario hereingezogen, dabei helfen der wirklich großartige Soundtrack als auch die liebevoll gestaltete Grafik. Nachdem man sich mit dem Mikromanagement und den Basics vertraut gemacht hat, ist man fest entschlossen seine Leute in eine bessere Zeit zu führen. Allerdings fehlt mir an manchen Stellen die Kontrolle in Bezug auf die allgemeine Entwicklungstendenz, die man benötigt, um langfristig zu überleben. Selbstverständlich ist das ein Kniff der Entwickler, um das Spiel spannend zu halten, aber es kann auch schnell frustrierend werden, wenn man erneut nach einer harten Startphase vom Spiel durch einen Sandsturm platt gemacht wird. Jeder der auf wirkliche Herausforderungen und Survival-Aufbau steht wird in diesem Spiel alles finden was das Herz begehrt – Spieler mit einer geringen Frusttoleranz sollten lieber bei anderen Aufbaustrategie-Spiele zugreifen.

Fabian
Fabian
Grillen ist mein Leben und ich gehe gerne mit meinem Hund Clea spazieren. Außerdem bin ich der Meinung das Kathargo zerstört werden muss.

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