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Battlefield – EAs Shooter-Franchise, welches viele große Momente in den letzten Jahren hatte und nicht immer geglänzt hat, ist mit einem neuen Ableger zurück und, nun, gestaltet sich als kompliziert. Mit Battlefield 2042 hat sich EA Zeit gelassen und wollte die Serie auf ein neues Level bringen – doch man schafft eher ein Spagat zwischen Innovation und Versagen. Das letzte Battlefield-Spiel erschien in 2018. Somit hatten EA und DICE rund drei Jahre, mindestens, Zeit einen Nachfolger zu entwickeln. Eigentlich ist das genug, um etwas gescheites auf die Beine zu stellen. Ich habe das Spiel auf Herz und Nieren getestet und bin eher erschrocken, wie wenig daraus wurde. 

Battlefield 2042 ist ein reines Multiplayer-Spiel. DICE verabschiedet sich von einer Singleplayer-Kampagne und fokussiert sich auf drei Spielelemente: Multiplayer-Gefechte mit bis zu 128 Spielern, Hazard Zone und Battlefield Portal. Fangen wir eventuell mit dem positiven Part an: Battlefield Portal. Das neue EA-Studio Ripple Effect hat diesen Modus entwickelt, damit DICE sich mehr auf seine Aufgabe konzentrieren kann. Battlefield Portal ist im Grunde genommen ein Tool-Set, womit man seine eigenen Battlefield-Regeln aufstellen kann. Der Modus unterstützt etliche Optionen und Regelungen und weitet dies auf Battlefield 1942, Bad Company 2 und Battlefield 3 aus – ein purer Fanservice. Dabei werden alte Maps remastered, sie den Spielern zu Verfügung gestellt und sie können diverse Modi basteln. Conquest, wo BF3 gegen BF1942 kämpfen? Möglich. Dabei hat Portal auch seine eigenen Waffen aus der jeweiligen Ära. Es ist etwas, was die Fans lieben werden und die Grundbausteine, die EA hier gelegt hat, sind wirklich gut. Portal funktioniert und bietet sehr viel Content an. Zudem gibt es immer wieder Playlisten, die selber von den Devs erstellt werden, bspw. Rush auf Battlefield 2042-Maps oder auf den früheren BF-Ablegern. Das Sammeln von XP kann zwar limitiert sein, dennoch ist der Spielspaß hier im Vordergrund.

Hazard Zone ist ein neuer Modus, der eine neue Erfahrung bieten soll. Hier kombiniert EA ein deutlich taktischeres Gameplay, inspiriert durch Escape from Tarkov oder auch Hunt Showdown. Gespielt wird in kleinen Squads und man muss bestimmte Datenträger sichern. Dennoch hat man nur ein Leben, daher ist ein taktisches Vorgehen essenziell. Der Modus hat definitiv Potential etwas Interessantes zu werden, aber mehr ist es auch nicht. Es fühlt sich noch zu dünn an, noch ohne Tiefe. Zwei Modi – so weit so gut. Doch selbstverständlich liegt das Augenmerkmal auf dem klassischen Multiplayer. DICE hat hier sich einiges einfallen lassen. Die Spieleranzahl auf PC und den Current Gen-Konsolen wurde von 64 auf 128 erhöht. Cross Play zwischen den drei Plattformen soll helfen die Lobbys zu füllen. Sind die Lobbys leer, so übernehmen Bots und füllen die 128 Spieler auf. Zudem startet DICE nur mit sieben Karten, generell waren in Vergangenheit eher rund zehn die Norm. Die größte Neuerung ist, dass DICE das klassische Klassensystem abgeschafft hat. Es gibt nun Spezialisten, ähnlich zu den Operatoren in Call of Duty, die mit speziellen Perks und Fähigkeiten kommen. Die Anzahl mit elf ist okay. Da gibt es manche mit interessanten Perks wie Sundance, die drei verschiedene Granaten hat sowie einen Wingsuit, welches wirklich Spaß machen kann. Oder auch klassische Heiler oder Supporter. Es ist ein großer Schritt, dennoch auch ein Schritt das Spiel mehr zu monetisieren – da auch Battlefield zum Jahresanfang mit der ersten Season starten wird und zugleich mit einem Battle Pass. Der MP kommt lediglich mit zwei Modi; Conquest und Breakthrough. Rush entfällt hier. Die Maps sind eines der Grundprobleme in diesem Spiel. Das Problem ist nicht, dass sie zu groß sind, das Problem ist eher die Entwerfung. Viele Hotspots, also Orte, an denen viel gekämpft wird oder viele Spieler sich befinden, sind leer und ohne Deckung. Es ist erschreckend, wie wenig sich die Entwickler hier einfallen lassen haben. Oftmals rennt man minutenlang durch die Gegend, ohne Möglichkeiten zu haben, gezielt von Deckung zu Deckung zu rennen, um möglich Panzer oder Heli zu vermeiden. Zwar sind die Layouts der Maps ziemlich abwechselnd, dennoch zu stark auf Nicht-Infanterie ausgelegt. Map-Design ist ein essenzieller Part in Battlefield-Spielen und hier hat DICE entweder einen völlig falschen Schritt eingelegt oder nicht genug Ressourcen aufgebracht, um interessante Maps mit vielen Möglichkeiten zu erstellen.

Das Gameplay ist wie gewohnt. Dennoch hat das Team viele kleine Quality of Life-Verbesserungen, die in vorigen Battlefield-Spielen eine Rolle gespielt haben, entfernt. Das Movement wurde begrenzt; es ist nicht möglich sich auf den Rücken zu legen und zu bewegen, wie es in BFV möglich war. Oder um die Ecke schauen. Es sind viele kleine Details, die fehlen. Es fühlt sich so an, als hätte man aus den vorigen Ablegern nicht gelernt – und das zeigt sich auch stark. Die Anzahl der Waffen sind ziemlich begrenzt, in manchen Kategorien sogar peinlich. Beispielsweise gibt es nur zwei LMGs. Zerstörung ist ein großer Faktor und hier ist kein Fortschritt zu erkennen. Viele kleine Objekte lassen sich zerstören, dennoch gibt es viele Gebäude, die man leider nicht komplett zerstören kann. In BFV konnte man noch mit einem Panzer durch ganze Häuser fahren, hier ist das nicht so befriedigend gestaltet worden. Naturkatastrophen spielen eine gewisse Rolle. So können sich Sandstürme bilden, Tornados oder heftige Gewitter. Besonders die Tornados sind ziemlich episch und können euch sogar wegfegen. Dennoch hätte man sich gewünscht, dass Tornados auch gewisse Objekte zerstören, damit sich neue Spots ermöglichen – generell fühlt sich das etwas limitiert an. Ja, es klingt sehr negativ, wie ich es berichte, dennoch haben sie das Battlefield-Feeling beibehalten. Die typischen Momente, die man nicht kommen sieht, passieren andauernd und bieten einzigartige Momente an. 128 Spieler sind purer Chaos, insbesondere in Breakthrough und, auch wenn es mal Spaß machen kann, so ist es eher frustrierend. War 128 Spieler die richtige Entscheidung? Für mich nicht. Aber auch nur, da die Maps nicht klug genug entworfen wurden. Für mich, der seit Battlefield 3 dabei ist, fühlt sich das hier nach einem Team an, welches entweder unerfahren ist und nicht genau wusste, was die Battlefield-Serie kennzeichnet, oder lediglich die Zeit hat gefehlt – oder beides.

Technisch gibt es einiges zu loben und zu kritisieren. Die PS5-Version, generell das gesamte Spiel, hatte in der ersten Woche starke Performance-Probleme. Von Lags hinüber zu Rubberbanding – es fühlte sich nach einem Battlefield 4-Launch an. Es war spielbar, doch in keinem Zustand, in der man das Spiel veröffentlichen sollte. Mittlerweile ist es deutlich besser. Ich habe dutzende Bugs festgestellt, es fehlen ganze Features wie Voice in Party, Scoreboard oder wie das genannte Movement. Grafisch sieht es ziemlich gut aus, besonders die Texturenqualität fand ich bemerkenswert. Es hält seine 60 FPS auf der PS5, auch die Naturkatastrophen sehen spektakulär aus sowie die ganzen Explosionen. Dennoch bin ich etwas vom Sounddesign enttäuscht. DICE war früher das Aushängeschild, wenn es um Sounddesign kam. Leider ist es nicht mehr so.

Ich bin sehr kritisch mit Battlefield 2042 und denke, zum jetzigen Stand, ist es sehr schade und verschwendetes Potential. Es gibt grundlegende Probleme wie die Spezialisten, die stark nach Mikrotransaktionen riechen oder das Map-Design, welches einfach nicht klug ist. Es fehlen ganze Features, die essenziell sind. Die Bug-Liste ist lang. Das Team hat in den letzten Wochen einige gute Updates geliefert und ich war beeindruckt, wie offen und kommunikativ manche Entwickler sind. Es gibt mir einen Hoffnungsschimmer, denn das Studio hat einen sehr langen Weg vor sich. Aber eins ist klar: Es hätte verschoben werden müssen und das für mehrere Monate. Es gab klare Fehlentscheidungen von hohen Tieren, wenn es um das Game Design geht. Es wurde nicht mit genug Bedacht entwickelt. Ich habe mittlerweile über 50 Stunden investiert und vielleicht überrascht das einen, da ich sehr stark kritisiere, dennoch ist das Gameplay weiterhin fantastisch und kann, und die Betonung liegt wirklich auf kann, einzigartig sein – denn nach wie vor gibt es keine klare Alternative zu Battlefield.

Ich hoffe, sie biegen es und werden den Support im nächsten Jahr beibehalten und auf die Community hören. Denn die Community ist die Gruppe, die das Spiel in diesem Zustand entwerfen sollte. Fürs erste kann ich dieses Spiel weder empfehlen noch abschlagen. / Downloadcode wurde vom Publisher bereitgestellt

Olu
Olu
Ich zocke im Grunde genommen nahezu alles, Ausnahme sind eher MMOs und Fighting Games. Ganz großer Fan von Sonys 1st-Party-Spielen!

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