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Death’s Door – das Leben hinter verschlossenen Türen

Euer Leben als Seelen sammelnde Krähe ist eintönig und bietet Tag ein und Tag aus den selben Trott. Nur irgendwann kommt es wie es kommen muss – die Seele die ihr beschaffen sollt wird plötzlich gestohlen. Von einem Dieb und ihr jagt ihm hinterher. So ist alles mit Mal weg: Der Trott, die Routine und das grau in eurem Alltag. Aus der Vogelperspektive, wie könnte es denn nur anders sein und verzeiht diesen super schlechten Wortwitz – aber das Teil lag einfach auf dem Präsenttierteller und schon zu Beginn meines “ersten Mals” mit Death’s Door, ja da hatte ich diesen Gedanken. Nun ist er aus und ich kann endlich wieder meinen Seelenfrieden finden. Zugegeben, auch schlecht …  

… ich komme mal wieder zurück. Nach schlechten Wortspielen ist vor einem guten Spiel. Die Hoffnung hatte ich beim Entwickler Acid Nerve und einem der schrägsten Publisher die der Videospielmarkt zu bieten hat, Devolver Digital. Gerade beim Entwickler klingelte es lange und irgendwann fiel es mir wieder ein: Auf der PS4 habe ich damals Titan Souls gespielt. Auch das fand ich super. Falls also noch Platz auf eurem Pile of Shame sein sollte, legt dieses kleine Spielchen noch behutsam oben drauf. Das was Titan Souls nicht besaß, eine Welt mit allerlei Geheimnissen, verschiedenen Gegner und ausgeschmückten Arealen die sich vom Setting komplett unterscheiden, dass hat nun Death’s Door spendiert bekommen und die Menschen hinter dem Studio haben sich weiterentwickelt. Das was Titan Souls schon besaß, das findet sich auch im neuesten Werk der in Manchester ansässigen Schmiede wieder. Ich rede von einem wirklich hervorragenden, knackigen und auf den Punkt gebrachten Kampfsystem. Dazu eine ordentliche Schippe Herausforderung bei durchaus fiesen Gegnern und einfach fantastischen Bosskämpfen. Ob groß oder klein – die machen einfach absolut Laune! 

Innerhalb eurer Spielzeit sammelt ihr eifrig Seelen um eurer Krähe zum Beispiel etwas mehr Bums, Ausdauer und Wendigkeit zu spendieren. Nichts außergewöhnliches, aber eben Genre üblich und ein Muss. Ihr findet ausreichend Gegner um an Seelen zu gelangen und so eure Krähe zu pushen, solltet ihr vielleicht an der ein oder anderen Stelle festsitzen, weil euch Boss X oder Y immer mal wieder den gefiederten Arsch versohlt. Das wird nämlich passieren und eure Fortschritte im Verständnis vom Spiel, wie auch bei der Weiterentwicklung eures Charakters machen sich mit weiteren Verlauf bemerkbar. So gilt es die Angriffsmuster zu verinnerlichen, auf den richtigen Moment zu warten und dann ordentlich auszuteilen.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=A-VzwA-1118&ab_channel=Pixeltyp

Auch bei anderen Ideen wird das Rad nicht neu erfunden. So findet ihr neue Waffen, die aber nicht einfach so in der Welt herumliegen oder vor eure Krallen fallen. Meistens müsst ihr schon ganz genau schauen, um die Ecke gehen, oder doch mal versuchen ob es da nicht weitergeht und gelegentlich auch etwas Grips einsetzen. Inwiefern es einen spielerischen Mehrwert bietet verschiedene Waffen zur Auswahl zu haben ist eine andere Frage. Ich persönlich habe zum Großteil mit dem Standard Schwert vom Anfang bis zum Ende gespielt. Damit kam ich einfach am besten klar. 

Eine Krähe wäre aber natürlich keine Krähe, wenn sie nicht auch noch weitere Tricks auf Lager hätte. Ihr könnt zum Beispiel einen magischen Bogen nutzen, Feuerbälle aus eurem Federkleid katapultieren, Bomben beschwören und größere Distanzen mit einem Greifhaken überwinden. All das erweitert nicht nur eure Fähigkeiten um im Kampf stärker und variabler zu werden – denn auch in diesem Fall bedient sich das Entwicklerstudio an typischen Genre Standards. In den verschiedenen Gebieten stoßt ihr immer wieder auf Grenzen. Ihr kommt entweder nicht durch oder hinüber und so lohnt sich ein Abstecher an bisherige Orte. Kennen wir alles und schon eintausend Mal gesehen. 

Wer bis hierhin gelesen hat, dem ist folgendes aufgefallen: Death’s Door macht irgendwie all das, was wir schon kennen. Im Satz zuvor stand es ja bereits. Abgesehen vom gefiederten Protagonisten selbst. Also warum sollte ich es mir kaufen und spielen? Die Antwort ist ziemlich simpel: Das Spiel ist wahnsinnig gut. Acid Nerve macht von dem was typisch ist einfach alles richtig. Angefangen bei der hübschen und malerischen Grafik. Einer tollen Soundkulisse die ich oft genug mit gesummt und gepfiffen habe. Charmanten Charakteren die euch begegnen und schön geschriebene Dialoge – auch wenn ich kein großer Fan von Textboxen bin. Abwechslungsreichen und mit unter echt knackigen Kämpfen. Simplen Mechaniken die euch schnell volle Kontrolle geben und es sich somit auf den Punkt spielen lässt. Von daher alles richtig gemacht. Es gibt nur ein einziges aber … wirklich nur ein einziges in meinen Augen. 

Es gibt keine Karte. Nichts dergleichen. Das einzige was ihr habt ist euer Gedächtnis und ich schwöre euch, lasst nicht zu viel Zeit zwischen euren Spielstunden. Ihr werdet vergessen wo was war. Ich habe vergessen wo was war! Vereinzelte Wegweiser die euch in die grobe Richtung schicken und NPCs die euch einen Wink mit dem Zaunpfahl in die Hosentasche stecken haben mir auch kaum geholfen. Ich habe mich manchmal und normalerweise benutze ich dieses Wort niemals, einfach niemals, komplett Lost gefühlt. Ich war bestimmt die dümmste Krähe im ganzen Universum und hatte überhaupt gar keinen Schnall mehr wo ich hinzulaufen habe. In den 8,5 Stunden waren 1,5 Stunden bestimmt kompletter Irrlauf. Angekommen bin ich daher und zugegebener Maßen auch manchmal irgendwie aus Zufall. Das fühlte sich nicht immer zufriedenstellend an. 

Ich verstehe durchaus den Sinn und Grundgedanken dahinter, genervt hat es mich zwischendurch dennoch. Möglicherweise aber auch, weil es schließlich immer eine verdammte Karte gibt und wir uns so sehr daran gewöhnt haben? Weil auf der anderen Seite finde ich es auch gut, denn dieses immer an die Hand nehmen und aufzeigen: “Ey, da warst du noch nicht – lauf da doch mal hin.” – ist halt einfach. Zig Symbole und schlussendlich begibt man sich zu gewissen Arealen einfach gar nicht mehr. Das ist doch auch doof, oder nicht? An dem Punkt bin ich etwas zwiegespalten. Ganz zufrieden ohne Karte war ich nicht und dennoch erleichtert wenn ich wusste wo ich als nächstes hinzugehen habe. Verzeiht mir wenn ich den Punkt nicht negativ bewerten kann / möchte … einfach weil ich glaube das ich dadurch schon weiter eingetaucht bin. Ich kann dem Spiel ja auch nicht vorwerfen es nicht an einem Stück durchgespielt zu haben oder zwischen den einzelnen Stunden zu viel Zeit verstreichen zu lassen. Auf der anderen Seite soll es mich ja auch da abholen wo ich bin?! Schwierig und ich hoffe ihr versteht meine Unentschlossenheit. Am Ende dieser Gedankengänge bleibt festzuhalten: Es hat auch so funktioniert und ich habe Death’s Door mit einem guten und zufriedenen Gefühl beendet. 

Death’s Door bekommt von mir eine klare Kauf- und Spielempfehlung. Es ist ein wirklich wunderschönes Adventure das euch auf ewig gut im Gedächtnis bleiben wird und einen wohlig warmen Platz in eurem Herzen bekommt. Diese Krähe kann man einfach nur lieben und ist bisher einer meiner Highlights im Jahre 2021! Auch wenn der Key dankbarer Weise bereitgestellt wurde, so vertraut auf mein Wort: Wäre es scheiße, dann würde ich es euch sagen. Death’s Door ist aber kein Mist, sondern tatsächlich großartig. 

Marco
Marco
Seit 1987 dabei. Von SEGA irgendwann bei der PlayStation gelandet. Hin und wieder auch Mal Maus und Tastatur - aber am liebsten doch mit einem Controller in der Hand.

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