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Marvel’s Guardians of the Galaxy – this is so metal, or not?

Im Sommer 2020 erschien mit Marvel’s Avengers ein ziemlicher Flop für die Entwickler:innen rund um Crystal Dynamics und Publisher Square Enix. Weder an den Kassen flog das Spiel jubelnd übers Band, noch bei den Rezensionen kam es besonders gut weg. Auch im Nachgang kamen die Superheld:innen nicht mehr aus dem Tal der Tränen. So lagen die Erwartungen und Hoffnungen der vielen Marvel Fans auf den Guardians of the Galaxy. Denn schließlich gilt Software, die auf Film- und/oder Comicvorlagen basiert, schon länger nicht mehr nur als lieblose Verwurstung. Positive Beispiele rund um maskierte Rächer:innen, spinnenähnliche Menschen und anderen Held:innen gibt es genug. Warum also nicht auch die wilde Gang der Milano?

Gut ein Jahr nach Release zog ich mir das Spiel, welches am 26. Oktober 2021 als Cross-Gen Titel für die vergangene und auch aktuelle Konsolengeneration erschien, auf meine PlayStation 5. Als Publisher stand abermals Square Enix hinter dem Projekt und entwickelt wurde es dieses mal von Eidos Montréal. Neues Spiel und neues Glück also!

Zur Story werde ich mich im Großen und Ganzen zurückhalten und euch damit wie fast immer, vor allzu großen Spoilern bewahren. Aber natürlich und wer hätte es im Fall der Guardians anders erwartet, fast nichts läuft nach Plan und euch erwartet eine intergalaktische Bedrohung, die nur ihr aufhalten könnt. Du als Peter Jason Quill alias Star-Lord samt Drax (der Zerstörer), Gamora, Groot und Subjekt 89P13 auch Rocket genannt. Für mich positiv – ihr erkennt die einzelnen Charaktere wieder. Einerseits den Humor oder die einzelnen Charakterzüge wie wir sie aus den Filmen kennen und auch optisch sind die Parallelen zwischen Videospiel und Film zu erkennen. Das habe ich erwartet, das habe ich bekommen und das hat mir auch zu größeren Teilen sehr gefallen. Wer sich in gewisse Ecken bewegt, der findet vielleicht auch das ein oder andere Kleidungsstück und kann die Held:innen wie in den Filmen aussehen lassen. Ein kann, kein muss.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=RQuqZws6R5c

Es gab einige echt gute Gags, schöne Unterhaltungen und Witze auf Kosten der Guardians, die durchaus gut gezündet haben. So schmunzelte ich viele Male und einige Male lachte ich auch. Bei einer Spielzeit um die 17 Stunden ist aber auch irgendwann der Siedepunkt erreicht. Hier und da verflachen die Dialoge, irgendwann ist auch mal gut gewesen “mit ständig noch einen drauf” und mehr. Ehrlich gesagt aber auch komplett okay für mich! Leider bringt mich genau dieser Punkt aber unweigerlich zu einer Brücke von mehreren Kritikpunkten, über die wir nun gehen müssen. 

Das Spiel versucht mit Witz und Humor eine durchaus ernsthafte Geschichte zu erzählen. Denn wie wir alle von den Guardians of the Galaxy wissen, Verlust führte sie einst zusammen. Das wird innerhalb der Spielzeit immer wieder in Rückblenden eingebaut und verarbeitet. Ihr habt ähnlich wie in einem Rollenspiel die Möglichkeit aus einer Auswahl von Dialogzeilen, eure Antwort/Reaktion auszuwählen. In wie weit das den gesamten Spielfluss beeinträchtigt, kann ich euch bei meinem einem Durchlauf gar nicht sagen. Zumindest zeigt euch das Spiel in der oberen rechten Ecke an, dass sich Wesen X dieses oder jenes gemerkt hat. Soweit noch alles cool.

Gehen wir ein Stück weiter und bleiben stehen. Die Grafik – die mich im Detail leider sehr stört. Die Entwickler:innen haben es geschafft schöne und große Bilder zu produzieren. Es gibt tolle Panoramen die absolut glänzen und verdammt schick aussehen, aber je näher die Kamera heranrückt, desto mehr verliert das Spiel von seinem Glanz. Da sind zum einen die mäßigen Gesichtsanimationen, die nur bedingt Emotionen übertragen und mich abholen. Da passen dann Ton, Wortwahl und Gefühl überhaupt nicht zusammen. Es gibt immer wieder extrem auffällige pop ins und pop ups in Zwischensequenzen, während des Spiels, bei Kameraschwenks und leider auch eine handvoll Bugs, weshalb ich einige Male den letzten Speicherstand laden musste, weil es sonst nicht weiterging. Ein Jahr nach Release schon ziemlich dürftig wie ich finde.

Lichteffekte beim Feuer sind statisch, die Texturen bei den Charaktermodellen im Dialog “wabern” – manchmal bewegen sich die Figuren sogar leicht auf wie auch ab und allgemein fand ich das Bild auf der PS5 mitunter unruhig. Das sind nur Beispiele von vielen grafischen Mängeln die mir auffielen. Wie gesagt, im Detail und bei großen Bildern fallen die Kritikpunkte weniger auf. Da das Spiel aber nun einmal eine Story erzählt, bei denen die verschiedenen Charaktere im Mittelpunkt stehen, ist die Kamera eher näher dran als weiter weg.

Ist das Gameplay denn “Metal” Herr Quill? Nun … schon auch irgendwie. Ihr könnt im Spielverlauf zweierlei Ressourcen sammeln und damit euch selbst samt aktiver und passiver Perks verbessern. Außerdem sammelt ihr Erfahrungspunkte, die ihr wiederum auf alle eurer Mitstreiter:innen verteilen könnt. In meinem Durchlauf hatte ich alle Fähig- und Möglichkeiten freigeschaltet. Keine besonders große Herausforderung und ganz nett. Nicht mehr. 

Ihr ballert euch klassisch durch die Areale. Mal gibt’s kleinere Gegnerwellen, dann größere Happen und Bossfights. Die gesamte Crew der Milano kämpft aktiv und selbstständig, hier und da stehen Drax, Gamora und Co. aber regungslos im Gefecht und es dauert ein paar Sekunden bis sie wieder ihre Klingen wetzen. Über den Gamepad könnt ihr aber von allen die Spezialangriffe auswählen, auch ihr selbst habt welche, und bestimmen, wer, wo, wie und was machen soll. Das wird mit dem Spiel immer mehr, so dass jede:r auf drei Spezialangriffe und einen Superangriff kommt. So nenne ich es jetzt mal. Das macht schon Bock und lässt es auf dem Bildschirm ordentlich knallen! Die Übersicht habe ich dabei eigentlich nie verloren, nur dummerweise mitten im Gefecht den Fotomodus aktiviert oder den Huddle ausgelöst. Warum? Der Controller ist von seiner Belegung echt gut voll und wer mit den Fingern die eine Taste zu lange hält und eine andere schon drückt, dem passieren dann diese Missgeschicke. 

Der Huddle steht dann zur Verfügung, wenn ihr die entsprechende Leiste gefüllt habt. Dann sammelt sich eure Truppe, die Lage wird besprochen und ihr entscheidet aus zwei Antwortmöglichkeiten. Entweder gibt’s einen Boost oder nicht. Wenn ja, könnt ihr die Spezialattacken häufiger ausführen als sonst und dadurch mehr Schaden verteilen. Angetrieben wird das Ganze dann im Anschluss durch einen Hit aus den 80ern. 

Zu guter Letzt habt ihr noch insgesamt vier verschiedene alternative Schüsse, die ihr entweder gegen Feinde einsetzt oder bestimmte Merkmale in der Spielwelt beeinflusst. All das geht recht gut von der Hand und lässt euch freien Spielraum, abgesehen von meinen kleineren Zwischenfällen. Das ist soweit alles okay bis gut und macht durchaus Spaß. Leider ist’s aber irgendwann auch belanglos. Die Gegner fordern euch nicht mehr sonderlich, alles wiederholt sich und am nervigsten fand ich tatsächlich, dass nach jedem Kampf die immer und immer gleichen Animationen abgespult werden. Ihr seht die letzten Sekunden vom Feind in Zeitlupe, anschließend macht Star-Lord einen auf Cowboy und steckt die Knarren zurück in die Hosentasche. Also wirklich immer. Bei jedem noch so kleinen pupsigen Fußsoldaten. Das nervt echt tierisch und ist daher auch alsbald überhaupt nicht mehr cool. 

Vor allem im letzten Drittel, bei dem ihr aufs große Finale zusteuert. Das Erkunden rückt etwas in den Hintergrund und die Gegner häufen sich, ab dann war der Knackpunkt für mich erreicht. Ich fand’s wirklich ätzend, sorry. Da habe ich dem Spiel, wie auch in der letzten Folge vom SpielBar Podcast noch eine 7 von 10 gegeben – für gewöhnlich vergeben wir hier keine Zahlenwertung. Leider kam das Game danach immer mehr ins stolpern. Die ganze Dramaturgie die versucht wurde aufzubauen, hat mich an immer häufigeren Stellen verloren. Ich versuche es an einem Beispiel zu erklären …

… ihr seid auf der Flucht und müsst einen Weg aus der tödlichen Sackgasse finden. Sobald ihr die Passage meistert, weil ihr einen Durchbruch geschaffen habt und nun eine Etage tiefer seid, ist es so, als hätte jemand mit dem Finger geschnippt und all das Chaos Sekunden vorher ist verschwunden. Keine Geräusche mehr, Musik ist stumm, alles plötzlich easy. Ich hoffe ihr habt Bilder vor Augen und könnt euch das vorstellen. Mich persönlich zieht das leider maximal raus und andere Videospiele haben diesen Spannungsbogen deutlich eleganter abklingen lassen. 

Vielleicht noch ein Beispiel mehr bei dem mich das Spiel verlor? Eure alternativen Schüsse können zum Beispiel Elemente beeinflussen, oder ihr seid in der Lage etwas an euch heranzuziehen. Das macht in den Welten, wo ihr die Fähigkeit erlangt auch Sinn und einige Male später ist es ebenfalls geschickter in die Welt integriert. Das schon angesprochene letzte Drittel? Komplettes Fiasko. Plötzlich und in meinen Augen manchmal völlig ohne Sinn und Verstand, müsst ihr euren alternativen Schuss einsetzen – ungefähr so, als steht ihr in der Wüste vor einer Eiswand und müsst sie zum schmelzen bringen. Das Beispiel ist bizarr, aber ehrlich gesagt empfand ich manches genauso und unlogisch platziert. 

Glaubwürdigkeit, Grafik und Gameplay hat alles seine Höhen und auch seine Tiefen. Die Soundkulisse schlägt da leider ähnliche Wellen. Mal ist die Sprache zu laut, obwohl die sprechende Person irre weit weg ist, mal die Abmischung viel zu leise. Hier und da fehlte es etwas an Bums und in Gänze rettet vor allem der Soundtrack das Geschehen auf dem Bildschirm. Machen wir uns da nichts vor – die Songs sind zwar allesamt keine Überraschungen und eben jene Hits die wir hören wollen und lieben, aber auch das zählt zum erwartbaren. Oder nicht? Ich mag die Musik aus den 80ern und mochte es sehr eine große Knallerei auf dem Bildschirm loszulassen. 

Es ist lange nicht alles schlecht an dem Spiel und es hat definitiv seine Momente, die aber nicht die großen Makel ausbügeln können. Persönlich ist es mir ehrlich gesagt ein Rätsel wie es den Preis “Best Narrative” bei den letztjährigen Game Awards abräumen konnte – aber die Story kann ja vielleicht gefallen? Euch mögen die Protagonist:innen eventuell mehr abholen als mich? Die Spielzeit hingegen ist meiner Meinung nach zu lang, das Gameplay zu repetitiv, die grafische Qualität stark schwankend und daher ist Marvel’s Guardians of the Galaxy meiner Meinung nach nicht unbedingt zu empfehlen. Falls ihr es auf eurem Zettel habt und nachholen möchtet, lasst es liegen und spielt etwas anderes. 

Marco
Marco
Seit 1987 dabei. Von SEGA irgendwann bei der PlayStation gelandet. Hin und wieder auch Mal Maus und Tastatur - aber am liebsten doch mit einem Controller in der Hand.

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