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Es war nach langer Abstinenz mal wieder soweit und ich habe mich in die dunklen Gewölbe einer Arcadehalle begeben. Dieser Geruch von alter Technik im Raum, angenehme Temperaturen aus den warm gelaufenen Maschinen und mehr als nur ein Hauch von Nostalgie der in der Luft wabert. Einer Geräuschkulisse die sonst wohl nur als “Krach” gilt, in ihren verschiedenen Höhen, Tiefen, Bits und Klängen aber noch viel mehr verrät. Um 14 Uhr öffneten die Retro Nerds Münsterland e. V. am 15.10.2022 abermals ihre Türen, ließen Interessierte – also nicht Vereinsmitglieder – an ihre gesammelten und gepflegten Geräte und für 20 Euro hieß es wieder: “All you can play!”

Mit dem vollgepackten Auto ging’s vom unteren Zipfel Niedersachsens über die Autobahn nach Vreden, nahe der niederländischen Grenze. Das Wetter spielte zum Glück mit – es war bewölkt und leicht regnerisch. Perfekt also um im Keller einer ehemaligen Disco für ein paar Stunden abzutauchen. Ich war gespannt auf die vielen Geräte, die Aufmachung des Ladens und hatte einfach irre Bock mal wieder vor Flippern zu stehen und in vergangene Tage abzutauchen. 

Zurück zu den Nerds und in den Keller. Mit den Stufen nach unten tauchten wir auch gleich komplett hinein. Lage checken, wo ist was und was gibt’s überhaupt alles? Welche Geräte sind funktionstüchtig, wie ist der Aufbau und was möchte ich als erstes anspielen? Nach einem schnellen Überblick ging’s dann auch gleich los. Im Vergleich zu Seligenstadt ist die Auswahl etwas kleiner – aber auch so haben wir 4,5 Stunden beste Unterhaltung gefunden. Macht euch also keine Sorgen, es gibt genügend Geräte und Möglichkeiten sich auszutoben, auszuprobieren und neue Spielmöglichkeiten kennenzulernen!

 

Spannend finde ich natürlich immer Geräte, die über die klassischen Eingabeformen hinausgehen. Ebenso begeistert es mich mit welchen Tricks und auch optischen Kniffen damals gearbeitet wurde, um “Grafik” oder das Spiel mit der Tiefe spannend zu machen. Und natürlich eben die Grafik selbst: Arcades boten neben den Konsolen und ersten PCs zu Hause eben deutlich größere Sprites, 3D-Grafiken, mehr Effekte, mehr FPS und alles war eben “realistischer” und / oder schicker. Faszinierend dahingehend vor allem Rennspiele für mich – nicht weil ich besonders gut darin bin, aber gerade SEGA hat damals diverse heiße Eisen im Feuer. Mehrere Geräte der Sega Touring Car Championship stehen in Vreden. Noch nie im Leben zuvor gespielt, kläglich gescheitert, weil doch recht anspruchsvoll und sehr beeindruckend wozu SEGA vor allem grafisch 1996 in der Lage war. 

Tipp von meiner Seite und aus eigener Erfahrung: Solltet ihr zum ersten Mal zu Besuch sein, also generell in solchen Hallen, bei Vereinen oder Events, und ihr möchtet wieder abtauchen – nehmt euch Zeit. Auf den Geräten stehen oftmals Anleitungen, Spielhinweise oder Erklärungen. Schaut euch an was das Spiel von euch eigentlich möchte und wie die Steuerung funktioniert. Zugänglichkeit oder Komfort den ihr in heutigen Spielen findet, waren damals eben anders und vergesst eines nicht, die meisten Games sind richtig schwer – schließlich sollten euch damals die Münzen aus der Hosentasche gezogen werden. Nach einer gewissen Zeit stellt sich das Spielgefühl ein und wenn euch etwas nicht liegt, dann sucht euch einfach die nächste Herausforderung. Vielleicht kehrt ihr ja zum vorherigen Spiel wieder zurück? 

Grafisch beeindruckend empfand ich auch Starblade – auch dieses Spiel von Namco war mir komplett unbekannt. Großartig schon deshalb, weil ihr in der Kapsel platz nehmt und aus allen Rohren auf die Gegner ballert. Dazu das Feedback vom Sitz, der krachende Sound – fand’s sehr cool und sehr spaßig! Monster? Große Gebäude? Zu dritt alles kurz und klein kloppen? Jawoll, ab geht’s an die Sticks mit Freunden und in Rampage austoben. Zugegeben, der Spaß vergeht meiner Meinung relativ zügig, dennoch ist’s für eine Runde zwischendurch immer wieder lohnenswert. Großer Beliebtheit und auch einer meiner Favoriten war Aliens: Extermination von Global VR aus dem Jahre 2006. Soweit ich mich erinnere gab’s insgesamt vier verschiedene Level, jede Menge Xenomorphs, drei Feuermodi und Force-Feedback der Waffe. Ein Rail Shooter par excellence in einem Franchise, welches ich echt mag und wir hatten super viel Spaß dabei. Unendlich Leben on top und go for it! 


 

 

Ich könnte hier noch weitere Klassiker und Spiele aufzählen, auf der Homepage vom Verein selbst gibt’s aber eine Auswahl an vorhandenen Geräten, die mit Sicherheit auch immer mal wieder aktualisiert wird. 

Ich möchte aber sehr gerne noch einmal auf die elektromechanischen Arcades eingehen, die Flipperautomaten und die Gamebox. Ich bin echt wahnsinnig großer Fan von Flippern, bin aber leider total schlecht darin. Ich knall den Pinball stets von unten nach oben, versuche mich immer wieder darin Ziele zu treffen, bin froh wenn’s blinkt, leuchtet und Sounds abgespielt werden. Reicht mir schon und immer wieder cool mit Freunden das Spiel weiter zu erkunden. Und das verrückte für mich ist auch jedes Mal: Flipperautomaten können durchgespielt werden. Ich bin zwar Fan, habe aber keine Ahnung davon – also habe ich keine Expertise und kann nicht einordnen wie besonders die Automaten vor Ort sind. Highlight auch dort war der Flipperautomat von Williams Electronics aus dem Jahr 1991: Terminator 2: Judgment Day. Genialer Film und genialer Flipper!

Retro Nerds Münsterland e. V. – Im März 2017 wurde die Idee der Retro Nerds als Interessengemeinschaft “gegründet” und seit März 2018 ist es ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Die Planung für die heutige Arcade begann Anfang 2021. Im Sommer 2021 war die Schlüsselübergabe, anschließend folgte der Umzug samt Automaten, Verlegung der Stromkabel, die Lokalität entsprechend her- und einrichten, etc. Seit August 2022 liegen die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vor, um die Arcade auch gleich das erste Mal im selben Monat öffnen zu dürfen. 

Ganz besonders cool sind aber eben auch die elektromechanischen Arcades. Gerade bei den Geräten ist es spannend wie mit Licht, Tiefe, Magneten und anderen Spielerreien getrickst wurde, um eine wirklich ganz besonderes Erfahrung zu erzeugen. Aus heutiger Sicht noch maximal faszinierend und manchmal so einfach! Ice Cold Beer von Taito aus dem Jahre 1982 ist zum Beispiel eines der Geräte. Ich verstehe die Verbindung zum eiskalten Bier zwar nicht, weil ihr eine Kugel in blinkende Löcher versenken müsst, aber sich in seiner Geschicklichkeit zu messen hat Bock gemacht! Ebenso cool fand ich Gun Fight von SEGA, das Gerät in der Ausführung erschien wohl um 1970. Es ist ein traditionelles Western-Shootout-Arcade-Spiel, bei dem ihr eure Figur von links nach rechts bewegt. Ziel ist es als erste/r 10 Punkte zu erreichen – ergo die Cowboyfigur auf der anderen Seite ins Wüstengras beißen zu lassen. 


 

 

Zu guter Letzt noch die Gamebox – Konsolen aus verschiedenen Epochen. Vectrex, Atari Jaguar, PC Engine, Amiga 500, Commodore 64, PlayStation, Nintendo 64, Super Nintendo Entertainment System und die Xbox. Mit der Xbox stellt sich schon die Frage, ist das schon Retro? Für die einen mit Sicherheit und für andere nicht. Soll schlussendlich auch gar nicht Thema in diesem Beitrag sein, es war schön diesen hässlichen Kasten mal wieder in Aktion zu sehen. Ob die Spieleauswahl dort immer mal wieder wechselt, ist mir ehrlich gesagt nicht bekannt und habe ich vergessen zu fragen.

Wenn ihr den Beitrag lest und da möchte ich auch noch einmal ausdrücklich hinweisen, es sind mitunter echt richtig alte Geräte. Die gehen mal kaputt und die Wartung ist zeitintensiv. Da gibt’s kein Patch von irgendwem, der mal fix heruntergeladen wird und dann startet das Spiel neu. Das kann auch unerwartet und plötzlich passieren – ist dann so und leider doof. Aber nicht zu ändern. Geht daher bitte behutsam mit den einzelnen Geräten um! Ich würd’s cool finden und der Verein mit Sicherheit auch!

Ich kann den Besuch bei den Retro Nerds im beschaulichen Vreden uneingeschränkt empfehlen! Der Eintrittspreis ist fair, die Getränkepreise ebenfalls – die Atmosphäre im Keller hat den richtigen Vibe und für einen Plausch mit den Vereinsmitgliedern fand sich Zeit. Alles in allem habe ich mich vor Ort echt super wohl gefühlt! Einziger Wermutstropfen – einige Geräte waren leider außer Betrieb und müssen gewartet werden, daher nochmal der Appell: geht sorgsam mit den Liebschaften um und beachtet auch immer das Alter der Geräte! Da mir noch ein paar Arcades auf der Liste fehlen muss ich wohl irgendwann zurückkehren, freue mich schon!

Marco
Marco
Seit 1987 dabei. Von SEGA irgendwann bei der PlayStation gelandet. Hin und wieder auch Mal Maus und Tastatur - aber am liebsten doch mit einem Controller in der Hand.

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