Golf Club: Wasteland – Charleys letzter Schlag
13. Oktober 2021

Die klassische Spielhallenerfahrung ist nie von großer Dauer gewesen; die Münze wurde in den Automaten eingeworfen und ab ging‘s. Manchmal waren es nur wenige Minuten bis zum Game Over und der darauffolgenden Aufforderung “Insert Coin to Continue”, was den erhofften Triumph oft frühzeitig zunichte machte. Steel Assault stammt aus dem jungen New Yorker Entwicklerstudio Zenovia Interactive, welches 2015 die Entwicklung des Spiels als Crowdfunding-Projekt auf Kickstarter finanzierte, und wird gepublished von Tribute Games. Zwar hat es nie eine Arcade von innen gesehen, aber die oben beschriebene Arcade-DNA ist fest in das 2-D-Actionspiel verbaut.

Steel Assault erinnert stark an Konamis Contra, sodass man durchaus von einer Hommage sprechen kann. Besonders beim Leveldesign hatte ich teilweise Flashbacks in Richtung von Contra 4, denn genau wie im Vorbild kämpft ihr euch an einem Schlachtkreuzer empor und müsst schließlich unter den gewaltigen Triebwerken hindurch manövrieren.

Die Story ist so cheesy, wie es van Damme & Co. nicht hätten besser machen können. Im postapokalyptischen Amerika muss Supersoldat Taro Takahashi den bösen General Magnus Pierce und seine Gefolgschaft stoppen. Taros Waffe der Wahl ist eine Elektropeitsche, die mit Power-up schussfähig gemacht werden kann, wenn auch limitiert. Dazu kommt die Seilkanone, die Taro in acht Richtungen an Wänden und Plattformen verankern kann, um sich Halt zu verschaffen. Zu eurer Defensive steht euch ein Schild zur Verfügung, das als Power-up aufgenommen wird und kurzzeitig schützt, sowie ein Slide, der euch Stamina kostet, dafür jedoch ein paar Invincibility-Frames schenkt. Wer sich ganz nah an die Gegner herantraut, kann diese mit einer Schlagkombi erledigen und bekommt für seinen Mut Munition für Peitsche oder Schild zurück.

Jump, Whip, Zipline – klingt einfach, oder?

Wenn ihr Steel Assault startet, habt ihr die Möglichkeit, die fünf Kapitel auf Very Easy, Easy, Normal oder Very Hard zu spielen. Ich würde jedem empfehlen, auf Normal zu starten, denn dieses Spiel ist, wie schon gesagt, im Prinzip ein reinrassiger Arcade-Titel. Das Herzstück ist deshalb meiner Meinung nach ein weiterer wählbarer Menüpunkt und zwar der Arcade Mode, welcher bei mir den richtigen Nerv getroffen hat. Dazu gleich mehr.

Die ersten zwei Stunden, die ich mit dem Spiel verbracht habe, waren ein reines Kennenlernen der Spielmechanik. Zwei Durchläufe auf normalem Schwierigkeitsgrad hatte ich bis dahin erledigt. Wer nun vermutet, dass es sich um ein ziemlich kurzes Game handelt, liegt nicht falsch: Steel Assault lässt sich wie auch der Klassiker Contra in ca. 30 bis 45 Minuten durchspielen. Dies ist allerdings kein Negativaspekt, denn der normale wie auch der Very Hard-Modus sind eigentlich nur Trainingsmodi für den ultimativen 1CC (One Credit Clear) Run, also den Arcade-Modus. In diesem Modus gibt es keine Checkpoints mehr wie in den anderen Schwierigkeitsgraden. Zehn Hitpoints und das war`s – Game Over und alles von vorne. Im Arcade-Modus wird von euch Perfektion verlangt. Die fünf Stages müsst ihr beherrschen und genau wissen, wo ihr die Zipline anbringt, zum Beispiel, um schnell der aufsteigenden Säure in Level 3 zu entkommen.

Steel Assault bietet aber nicht nur knallharte Arcade-Action. Die Anime-16-Bit-Pixeloptik, die mich an die Mega Man Zero-Serie auf dem Gameboy Advance erinnert, hat viel zu bieten. Gründer Sri Kankanahalli schreibt auf der Zenovia Interactive-Webseite, dass das Studio sich der detailverliebten 2D-Optik widmet und das kann ich nur unterschreiben. Von verregneten Straßen bis zum High-Tech-Wolkenkratzer – alles sieht top animiert und detailliert aus. Soundtechnisch bekommt ihr Rock- und Synthwave-Stücke um die Ohren, die gut zum Geschehen passen und der Action den Rhythmus geben. Wer den Retrofaktor noch erhöhen möchte, kann CRT-Scanlines und Pixelfilter hinzufügen.

Ist Steel Assault also das Arcade-Spiel, das nie eines war, welches ihr aber gespielt haben müsst? Die Antwort darauf ist nicht ganz so einfach. Ein guter Arcade-Titel bringt mich immer wieder dazu, noch einen Versuch zu wagen. In meinem Youtube-Feed tauchte schon kurz nach Release ein 1CC Run auf, der mich motivierte, weiter an meinen Skills zu arbeiten. Bis jetzt ist der Arcade Mode zugegeben noch eine Herausforderung – die aber zu meistern ist, da bin ich mir sicher.

Wer schnell frustriert ist und lieber im Easy Mode entspannt, hat dazu zwar die Möglichkeit, aber in diesem Fall ist Steel Assault ein kurzer Spaß ohne Biss – ein bisschen wie der Lamborghini, der mit Tempo 30 durch die Kölner Innenstadt schleicht.

Steel Assault macht eine Menge Spaß, wenn man weiß, was das Spiel sein will: eine knallharte Arcade-Herausforderung, die euch immer wieder zurückkommen lässt und dabei jedes Mal ein klein wenig näher an das One Credit Clear bringt. Arcade-Veteranen und Spieler mit Nerven wie Taros Zipline können bedenkenlos zugreifen. Steel Assault gibt es für die Switch und für den PC über Steam und kostet 14.99 €. Die Testversion für die Switch wurde uns freundlicherweise von Cosmocover.com zu Verfügung gestellt.

Dan
Dan
Ich kenne sämtliche Charaktere aller King of Fighters-Teile und ich kann bis heute die Komplettlösung von Monkey Island aus dem Gedächtnis abrufen.

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